Jördis Triebel, Schauspielerin
Schauspielerin Jördis Triebel Bildrechte: IMAGO/MDR

DDR-Geschichte im Kino Die Triebel und das Biest

Schauspielerin Jördis Triebel ist derzeit in den Serien "Dark" und "Babylon Berlin" zu sehen – und demnächst bei der Berlinale im Film "Das schweigende Klassenzimmer". Am 1. März läuft der Film in den Kinos an. Darin wird die wahre Geschichte einer Klasse erzählt, die 1956 eine Schweigeminute für die Opfer des ungarischen Aufstandes einlegt – Jördis Triebel spielt eine Schulrätin, die das DDR-System strikt verteidigt. MDR KULTUR verrät sie, warum sie dieses "Biest" gerne spielt.

Jördis Triebel, Schauspielerin
Schauspielerin Jördis Triebel Bildrechte: IMAGO/MDR
MDR KULTUR-Moderator Vladimir Balzer und Schauspielerin Jördis Triebel
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MDR KULTUR - Das Radio So 11.02.2018 12:05Uhr 43:16 min

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MDR KULTUR-Moderator Vladimir Balzer und Schauspielerin Jördis Triebel
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MDR KULTUR - Das Radio So 11.02.2018 12:05Uhr 43:16 min

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1956: Bei einem Kinobesuch in Westberlin sehen die Abiturienten Kurt und Theo in der Wochenschau die dramatischen Bilder vom Aufstand in Budapest. Spontan legen sie im Unterricht eine Schweigeminute für die Opfer des Aufstands ein. Das hat weitreichende Folgen: Während ihr Rektor versucht, das Ganze als Jugendlaune abzutun, geraten die Schüler in die politischen Mühlen der noch jungen DDR. Der Film erzählt damit eine wahre Geschichte nach der gleichnamigen Buchvorlage von Dietrich Garstka.

Schauspielerin Jördis Triebel spielt darin eine knallharte Kreisschulrätin. Ein "Biest", nennt Triebel sie im Interview mit MDR KULTUR: "Diese Figur nutzt ihre Machtposition. Sie ist einfach boshaft und ekelhaft. Wer nicht auf deren Seite ist, ist einfach der Feind. Wie der Bildungsminister im Film sagt: 'Wer nicht für den Sozialimsus ist, dem hau ich in die Fresse.'"

Filmszene: Das schweigende Klassenzimmer
Kreisschulrätin Kessler (Jördis Triebel), Rektor Schwarz (Florian Lukas) und FDJ-Sekretär Ringel (Daniel Krauss) stellen der Klasse ein Ultimatum. Bildrechte: Studiocanal

Kreisschulrätin Kessler ist ein Biest. Trotzdem versuche ich wie ein Detektiv herauszufinden, warum die so tickt. Das finde ich spannend ... Ich empfinde das als totalen Luxus, dass ich ... auch mal so ein Arschloch sein darf.

Jördis Triebel über ihre Rolle im Film "Das schweigende Klassenzimmer"

Dabei richtete sich die Schweigeminute der Schüler aus Triebels Sicht nicht einmal gegen das System: "Das war einfach ein menschlicher Impuls. Und dass der so arge Konsequenzen hatte, dass sie bedroht wurden und innerhalb von kürzester Zeit erwachsen werden mussten und für ihre Entscheidung geradestehen mussten, … das hat mich selber an dem Film so wahnsinnig berührt."

Filmszene: Das schweigende Klassenzimmer
Kurt (Tom Gramenz) und seine Klassenkameraden halten eine Schweigeminute ab. Bildrechte: Studiocanal GmbH / Julia Terjung

Auch sie selbst habe in der Schule Ärger bekommen, nachdem sie mit ihrer Mutter kurz vor dem Mauerfall auf eine Demonstration gegangen war, erzählt die Schauspielerin: "Ein paar Wochen später, als die Mauer dann gefallen ist, war davon keine Rede mehr. Das war eine wahnsinnig absurde Situation für mich damals."

Dass auch fast dreißig Jahre nach dem Mauerfall noch so große Akzeptanzprobleme mit dem "neuen System" im Osten gibt, kann Jördis Friebel nachvollziehen: Den Menschen sei nach der Wende keine Wertschätzung für das entgegengebracht worden, was sie aufgebaut hatten. Die Menschen hätten das Gefühl gehabt, vom Westen "aufgefressen" worden zu sein. Aus ihrer Sicht fehle es heute an Kommunikation, an Dialog, an einem empathischen Umgang miteinander, den sie einfordert: "Ich finde es wichtig, dass man einander zuhört und empathisch bleibt."

Jördis Triebel - Kurzbiografie: Die Schauspielerin wurde 1977 in Ost-Berlin geboren und lernte an der Berliner Ernst-Busch-Schule ihr Handwerk. Anschließend gehörte sie drei Jahre lang zum Ensemble des Bremer Theaters, dann folgte ihr erster Film "Emmas Glück", die Geschichte einer einzelgängerischen Schweinezüchterin, die gegen alle Regeln für ihren Hof kämpft. Es folgten zahlreiche Charakterrollen, etwa im Fernsehfilm "Terror - das Urteil" und im Kino in "Ein guter Sommer" (Grimmepreis 2012) und "Westen" (für ihre Hauptrolle erhielt sie den Deutschen Filmpreis 2014). Aktuell ist Triebel in den Serien "Dark" und "Babylon Berlin" zu sehen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | MDR KULTUR Café | 11. Februar 2018 | 12:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Februar 2018, 00:00 Uhr

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