Denkzeit statt Tour für JPattersson Was die Corona-Beschränkungen für einen Leipziger Musiker bedeuten

Johann Beger tritt unter dem Künstlernamen "JPattersson" als Solomusiker auf. Seine Mischung aus Reggae, Elektro- und Weltmusik funktioniert global. Aufgewachsen im sächsischen Bischofswerda, ist er mittlerweile Leipziger geworden, wenn er nicht durch die Welt tourt. Doch das geht derzeit aufgrund der Corona-Beschränkungen nicht. Wie er damit zurecht kommt, berichtet der Künstler MDR KULTUR.

Musiker spielt Trompete.
Johann Beger alias JPattersson Bildrechte: Caról Mckenzy

Im Frühjahr war Beger alias JPattersson noch auf Südamerika-Tour. Er spielt unter anderem in Costa Rica und Panama, wo das "Tribal Gathering Festival", ein großes Hippie-Festival, wie Beger es nennt, nicht nur seine Tour beendet. Es wird als vorerst "Letztes Festival der Welt" in die Corona-Geschichte eingehen. Die Veranstalter beugen die Regeln, um die Veranstaltung, trotz Corona, laufen zu lassen.

Corona-Quarantäne als Tourabschluss

Doch schnell ist auch hier Schluss und der Musiker gefangen: "Am nächsten Tag war die Situation, dass über Nacht das Gelände umstellt wurde vom Militär, vom panamaischen, von Polizei und Militär, die den Lockdown umgesetzt haben. Ich konnte da erstmal nicht weg." Die panamaischen Behörden wollen kein Risiko eingehen, Beger und die Festivaltouristen könnten das Virus eingeschleppt haben und sitzen nun zwischen Palmen und Festivalbühnen in Quarantäne fest. Begers Flug fällt aus, die deutsche Botschaft wird tätig und nach über einer Woche und vielem Hin und Her werden Beger und die anderen Deutschen herausgelassen und zunächst nach Panama City gebracht. Zum geplanten Heimflug nach Deutschland kommt dann die Hiobsbotschaft, dass die Maschine für den Rückholflug zu klein ist. Doch Beger hat Glück, für ihn geht es zurück, er kann das Land verlassen. Andere müssen in Panama bleiben.

Musiker spielt Trompete vor Publikum im Freien.
JPattersson bei einem Auftritt auf dem Nomade Festival in Patagonien, Chile 2020. Bildrechte: Isabell Isaplos

Kaum noch Einnahmen

Zurück in Leipzig dämmert es dem 29-jährigen Musiker, dass es das erst einmal mit Auftritten gewesen ist: seine Haupteinnahmequelle fällt weg. Beger veröffentlicht sein Album "Mood" ("Stimmung"), für die Arbeit daran bekommt er 2.000 Euro im Rahmen des Kulturförderprogramms "Denkzeit" vom Freistaat Sachsen. Ansonsten geht er jedoch leer aus. Als Ein-Mann-Unternehmen kann er die Corona-Soforthilfen nicht richtig nutzen, er hat kaum Betriebsausgaben. Um präsent zu sein, spielt er Streamingkonzerte auf virtuellen Festivals, die aber kein Geld einbringen.

Das war auch 'ne bittere Pille zu schlucken, dass man da eigentlich für Umme die ganze Zeit spielt, um einfach am Ball zu bleiben und weiter gehört zu werden.

Johann Beger alias JPattersson

Sein Album kommt gut an, mehr als 120.000 Menschen hören ihn monatlich allein auf der Musikplattform Spotify, er kommt dort auf zwei Millionen Streams jährlich. Hier spielt sich mittlerweile alles online ab, Platten und CDs lässt Beger kaum noch pressen. Die finanziellen Erträge des Streamings sind jedoch ebenfalls verschwindend – ein bekanntes Problem in der Musikszene. Und weil Clubs und Diskotheken geschlossen bleiben, brechen auch seine Gema-Einnahmen ein.

Ein Mann steht vor einem Mischpult in seiner Wohnung.
Johann Beger 2020 in seinem Leipziger Studio. Bildrechte: Vera Weber

Das Ass im Ärmel

Aktuell kann Beger noch von Rücklagen leben. Und er hat noch ein Ass im Ärmel: Sein Lehramts-Staatsexamen von der Uni Halle in den Fächern Sport und, natürlich, Musik. Wenn es nicht mehr weitergehen sollte, kann er an eine Schule gehen, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Musiker und Corona

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 30. September 2020 | 18:05 Uhr