Johnny Cash
Johnny Cash (1932-2003) schrieb etwa 500 Songs und wurde mit 13 Grammys ausgezeichnet. Bildrechte: IMAGO

Album-Empfehlung "Forever Words" - Ein unverzichtbares Album für Cash-Fans

14 Jahre nach dem Tod Cashs haben Elvis Costello, Brad Paisley, The Jayhawks u.a. bisher unveröffentlichte Texte des Country-Meisters vertont. Welcher Song besonders berührt, verrät MDR KULTUR-Kritiker Stefan Maelck.

Johnny Cash
Johnny Cash (1932-2003) schrieb etwa 500 Songs und wurde mit 13 Grammys ausgezeichnet. Bildrechte: IMAGO

Johnny Cash ist neben Willie Nelson der bekannteste und beliebteste Country-Sänger Amerikas. Aber er war viel mehr als ein Musiker: Cash war so etwas wie der letzte Aufrechte, der sich für die Rechte der Indianer und gegen den Vietnamkrieg eingesetzt hat. Er ist in den 60ern in amerikanischen Gefängnissen aufgetreten und hat dabei so manchem Gestrauchelten die Alternative der Musik als Lebensstil vorgeführt. Seit 14 Jahren ist Johnny Cash tot, und noch immer wird sein Werk gesichtet und sortiert. Und noch immer erscheint Unveröffentlichtes und Ungehörtes. Jetzt ist ein Album mit Vertonungen von Cash-Texten aus seinem Nachlass erschienen.

Kein Plattenvertrag für Johnny Cash?!

Rick Rubin
Rick Rubin hat neben Johnny Cash auch Slayer und die Red Hot Chili Peppers produziert. Bildrechte: IMAGO

Kaum vorstellbar, dass Johnny Cash in den 80er-Jahren keinen Plattenvertrag hatte, bis ihn Rick Rubin überredete, auf seinem Label ein Album aufzunehmen. Rubin - ein Mann, der bis heute Bands wie die Red Hot Chili Peppers oder die Metaller Slayer produziert. Er bescherte Cash damit 1994 ein weltweites Comeback. Vier American Recordings erschienen zu Lebzeiten, eine fünfte nach dem Tod von Cash am 12. September 2003. Da hatte er mehr als 500 Songs geschrieben und 53 Millionen Tonträger verkauft. Mit den American Recordings jedoch war Cash cool geworden und auch für ein jüngeres Publikum interessant. Und zugleich adelte er die Musiker, dessen Songs er interprertierte - von Depeche Mode über Sting bis Nick Cave oder U2

Personal Jesus ist der größte Gospelsong, den ich je aufgenommen habe. Auch wenn der Song ursprünglich gar nicht so gedacht war.

Johnny Cash

Cashs Kinder auf den Spuren des Vaters

John Carter Cash, Sohn von Johnny Cash und June Carter
John Carter Cash, Sohn von Johnny Cash und June Carter Bildrechte: IMAGO

John Carter Cash hat den Nachlass seiner Eltern Johnny und June Carter Cash gesichtet. Darunter handgeschriebene Briefe, Gedichte und Dokumente, die sein Vater über sein ganzes Leben hinweg aufgeschrieben hatte. Dann lud John Carter Cash eine ausgewählte Gruppe Künstler dazu ein, die neu entdeckten Texte von Cash mit eigenen Kompositionen zu vertonen. Die meisten von ihnen waren Feunde und Weggefährten: Chris Cornell, John Mellencamp, Elvis Costello, The Jayhawks, Alison Krauss & Union Station, Kris Kristofferson & Willie Nelson, Brad Paisley, Ruston Kelly & Kacey Musgraves und natürlich Cashs älteste Tochter Rosanne Cash, die ja schon lange die Fackel ihres Vaters weiterträgt, ja die sogar mal ein ganzes Album mit der Liste von Songs aufgenommen hat, die ihr Vater ihr einst gab:

Musikerin Rosanne Cash
Rosanne Cash Bildrechte: dpa

Es ist sozusagen die Meister-Liste, die er mir gab. Er hat einen Nachmittag darauf verwandt, diese Liste für mich anzufertigen. Mit 18 war ich zwar mit ihm auf Tour, hatte aber erhebliche Wissens-Lücken was Country angeht. Zum Glück hab ich diese Liste all die Jahre aufgehoben.

Rosanne Cash, Tochter von Johnny Cash

Aber nicht nur die üblichen Verdächtigen finden sich auf "Johnny Cash: Forever Words", sondern auch Überraschungsgäste, die Johnny Cash gut gefallen hätten, wie der der schwarze Jazz-Hip-Hopper und Soundmagier Robert Glasper, der zuletzt den Sound für das Miles Davis Biopic entwarf. Glasper hat mit Ro James in "Goin' Goin' Gone" auch Cashs Originalstimme eingebaut.

Emotionaler Höhepunkt des Albums

Die Mischung auf "Johnny Cash: Forever Words" klingt abenteuerlich und solide zugleich, ist somit ganz im Geiste des "Man in Black": Elvis Costello und John Mellencamp liefern erwartbar Gutes, ebenso The Jayhawks und Carlene Carter, Tochter von June, die mit "June’s Sundown" einen der emotionalen Höhepunkte des Albums liefert.

Absolut gelungen, wie hier jung auf älter und alt trifft, wie sich im Geist von Johnny Cash alles organisch fügt.

Stefan Maelck, MDR KULTUR-Kritiker

Auch wenn man manchmal denkt, dass die Stimmungswechsel zwischen den Songs oft zu abrupt sind – nach mehrfachem Hören versteht man die Idee dahinter: Sammlung und Zerstreuung, universelle Wahrheiten und Alltagsbeobachtungen.

Aufgenommen wurden die meisten Stücke in der Cash Cabin in Hendersonville, Tennessee und produziert von  John Carter Cash, zusammen mit Steve Berkowitz. Neben der John Henry Produktion "Look again to the Wind: Johnny Cash’s Bitter Tears Revisited" von 2014 ist "Johnny Cash: Forever Words" eines der unverzichtbaren Alben für Cash-Fans. Und eines, auf dem auch T Bone Burnett endlich mal wieder zeigen darf, dass er nicht nur ein großer Produzent, sondern auch Musiker ist.

Various Artists: Johnny Cash - Forever Words
Bildrechte: Legacy Recordings/2018 Sony Music Entertainment

Angaben zum Album: Various Artists: "Johnny Cash - Forever Words"
erschienen bei Legacy Recordings

Titelliste:
Johnny Cash: Forever Words
1. "Forever/I Still Miss Someone" – Kris Kristofferson and Willie Nelson
2. "To June This Morning" – Ruston Kelly and Kacey Musgraves
3. "Gold All Over the Ground" – Brad Paisley
4. "You Never Knew My Mind" – Chris Cornell
5. "The Captain's Daughter" – Alison Krauss and Union Station
6. "Jellico Coal Man" – T. Bone Burnett
7. "The Walking Wounded" – Rosanne Cash
8. "Them Double Blues" – John Mellencamp
9. "Body on Body" – Jewel
10. "I'll Still Love You" – Elvis Costello
11. “June’s Sundown” – Carlene Carter
12. "He Bore It All" – Daily and Vincent
13. "Chinky Pin Hill" – I’m With Her
14. "Goin', Goin', Gone" – Robert Glasper featuring Ro James, and Anu Sun
15. "What Would I Dreamer Do?" – The Jayhawks
16. "Spirit Rider" – Jamey Johnson

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 21. April 2018 | 17:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. April 2018, 00:00 Uhr

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