Jugendliteraturpreis 2019
Die Gewinnerinnen und Gewinner des Jugendliteraturpreises 2019 mit Teilen der Jugendjury Bildrechte: Deutscher Jugendliteraturpreis

Auszeichnung Vers-Roman ist bestes deutsches Jugendbuch

Jugendliteraturpreis 2019
Die Gewinnerinnen und Gewinner des Jugendliteraturpreises 2019 mit Teilen der Jugendjury Bildrechte: Deutscher Jugendliteraturpreis

Das Jugendbuch des Jahres ist: "Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen" von Steven Herrick. Das gab die Jury am Freitagnachmittag auf der Frankfurter Buchmesse bekannt. Der Roman hat mit seiner Versform eine ungewöhnliche Struktur.

Lässt man sich auf dieses Buch ein, dann zieht die wohlgesetzte Sprache einen direkt in die Geschichte hinein. Die ungewohnte sprachliche Form verleitet den Leser zum Langsam-Lesen. Der lyrische Text – kurz im Vergleich zu anderen Romanen – erzählt eine Menge Geschichten.

Britta Selle, MDR KULTUR-Kinder- und Jugendbuchredakteurin über "Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen"
Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen
Das Cover zum Buch "Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen" von Steven Herrick Bildrechte: Thienemann

Die Geschichte begleitet zwei Brüder, die ohne Mutter und mit einem permanent arbeitenden Vater in den 60er-Jahren aufwachsen. Die Jury würdigte den Titel als ein Buch, "das ermutigt und nicht verzweifeln lässt – trotz aller Umstände." Zudem wachse es mit und berühre sowohl junge als auch erwachsene Leserinnen und Leser gleichermaßen. Auch MDR KULTUR-Kinder- und Jugendbuchredakteurin Britta Selle betont, das Buch sei von Trauer und Elend weit entfernt, erzähle stattdessen vom Füreinander-Dasein, von alltäglichen Streitereien, von Hoffnung und von Streichen. Sie hebt außerdem die Übersetzungsleistung hervor.

Uwe-Michael Gutzschhahn hat sich als Übersetzer hervorragend in die Zeit, den Ort und die besondere Atmosphäre hineingefühlt. In seiner Übersetzung kommt die feinsinnige, poetische Sprache hervorragend zur Geltung.

Britta Selle, MDR KULTUR-Kinder- und Jugendbuchredakteurin zur Übersetzung von "Ich weiß, heute Nacht werde ich träumen"

Kinderbuchpreis geht in die USA

Das beste Kinderbuch des Jahres hat die US-Amerikanerin Erin Entrada Kelly geschrieben. "Vier Wünsche ans Universum" ist eine Geschichte um einen extrem schüchternen Jungen und ein sehr selbstsicheres, aber fast taubes Mädchen, die beide schwer Freunde finden. Die Jury sagt dazu: "Mit viel Feingefühl und Respekt ist daraus eine fesselnde Erzählung entstanden, die lange nachklingt."

Bilderbuchpreis für Geschichte um alten Zirkushund

Polka für Igor
Das Cover zum Buch "Polka für Igor" von Iris Anemone Paul Bildrechte: Heyne Verlag

Der Preis für das beste Bilderbuch ging an Iris Anemone Paul für ihr Debüt "Polka für Igor". Darin beschreibt Paul die Geschichte eines in die Jahre gekommenen Zirkushundes. In der Begründung der Jury heißt es: "Iris Anemone Paul begeistert, verwundert und verwirrt, sie führt uns auf schönste Art vor Augen, wie Erzählkunst sich entfalten kann, wenn Text und Bild in ästhetischer Spannung zueinander stehen." Die Autorin und Zeichnerin konnte sich am Freitagabend doppelt freuen. Sie wurde zudem als beste Illustratorin in der Kategorie "Junge Talente" ausgezeichnet.

Extremismus-Sachbuch ausgezeichnet

Das Buch "Extremismus" von Anja Reumschüssel ist als bestes Sachbuch ausgezeichnet worden. Darin verhilft Reumschüssel nach Ansicht der Jury "durch übersichtliche, logisch-kausale Gliederung des umfangreichen Stoffes zu rascher Orientierung. Anschaulich und leicht verständlich definiert sie Begriffe (z. B. "radikal"), räumt wie nebenbei mit Klischees auf, analysiert akribisch genau diverse Erscheinungsformen des virulenten Phänomens 'Extremismus'". Jurychef Jan Standtke sagte nach der Auszeichnung, dass das Buch nach den Ergeignissen in Halle zwar das "Buch der Stunde" sei, die Entscheidung für den Titel aber bereits vor dem Anschlag am 9. Oktober gefällt wurde.

Preis der Jugendjury für autobiografischen Schizophrenie-Roman

Kompass ohne Norden
Das Cover zum Buch "Kompass ohne Norden" Bildrechte: Hanser

"Kompass ohne Norden" von Neal und Brendan Shusterman wurde von der unabhängigen Jugendjury als bestes Buch des Jahres gekürt. Die Geschichte eines 15-Jährigen Jungen, der an Schizophrenie erkrankt, zeigt die Krankheit in all ihren Auswirkungen, sensibilisiere jedoch, mache Mut und kläre auf, so die Jugendjury. Autor Neal Shustermann hat sich bei dem Buch der Zeichnungen seines Sohnes Brendan bedient, der selbst an der Krankheit leidet.

Brendan Shusterman und Neal Shusterman
Sohn Brendan Shusterman mit Vater Neal Shusterman bei der Preisverleihung Bildrechte: MDR/Britta Selle

Leipziger Illustrator für Lebenswerk geehrt

Den Sonderpreis für sein Gesamtwerk erhielt der 1939 in Leipzig geborene Illustrator Volker Pfüller. Er hat neben anderen eigenen Büchern u.a. auch "Kasperlpuppen" von Wolfgang Till illustriert. Sein zeichnerisch versierter Stil und seine sichere Technik hätten unverkennbare Spuren in der zeitgenössischen kinder- und jugendliterarischen Illustration hinterlassen, hieß es in der Begründung der Jury.

Zwei Mitarbeiterinnen eines Verlags stellen auf der Frankfurter Buchmesse Bücher in ein Regal 35 min
Bildrechte: dpa

Zum 63. Mal verliehen

Der deutsche Jugendliteraturpreis wird seit 1956 verliehen. Ausgezeichnet werden Bücher in den Kategorien Bilderbuch, Kinderbuch, Jugendbuch und Sachbuch. Zudem gibt es einen Preis der Jugendjury, in der jährlich etwa 100 Jugendliche eine Nominierungsliste erstellen und einen Preis vergeben. Die Preise sind mit insgesamt 72.000 Euro dotiert. Im vergangenen Jahr wurde Manja Präkel für ihr Buch "Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß" als bestes Jugendbuch ausgezeichnet. Bekannte frühere Preisträger sind unter anderem Wolfgang Herrndorf (2011 für "Tschick"), Ursula Poznanski (2011 für "Erebos") oder Alexa Henning von Lange (2002 für "Ich hab einfach Glück").

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 19. Oktober 2019 | 10:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2019, 09:48 Uhr

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