Mit 93 Jahren Grand Dame des Chansons: Juliette Gréco gestorben

Juliette Greco
Juliette Gréco starb mit 93 Jahren. Bildrechte: dpa

Die französische Chanson-Sängerin Juliette Gréco ist tot. Wie die Agentur AFP mitteilte, starb sie am Mittwoch im Kreis ihrer Familie. Mit ihrer dunklen Stimme und Liedern wie "L'accordéon", "La Javanaise" und "Déshabillez-moi" wurde sie in den 1950er- und 60-Jahren auf der ganzen Welt bekannt.

Auch aus der französischen Politik gab es zahlreiche Beileidsbekundungen. So schrieb Staatschef Emmanuel Macron, Gréco sei Eleganz und Freiheit gewesen und sie sei nun mit Brel, Frerré und Brassens im Pantheon des Chansons. "Ihr Gesicht und ihre Stimme werden unser Leben weiterhin begleiten", sagt Macron auf Twitter. Auch Macrons Vorgänger, François Hollande, äußerte sich auf Twitter und schrieb, Gréco habe für die Freiheit gesungen und die wichtigen sozialen Bewegungen Frankreichs begleitet. Die Bürgermeisterin der französischen Hauptstadt, Anne Hidalgo, nannte Gréco eine Pariser Ikone. "Ihre unverkennbare Stimme wird schmerzlich vermisst", teilt die Politikerin auf Twitter mit.

"Königin der Existenzialisten"

Gréco wurde 1927 in Montpellier geboren und hatte nach eigener Aussage eine wenig glückliche Kindheit: Ihr Vater verschwand, als ihre Mutter mit den Kindern nach Paris zog. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Mutter, weil sie sich der Résistance angeschlossen hatte, zusammen mit ihrer Tochter Charlotte 1943 ins KZ deportiert, was sie überlebten. Nach dem Krieg lebte Gréco im Pariser Stadtteil St. Germain-des-Prés, wo auch mehrere Kunstschaffende wohnten. Die Literaten waren von der jungen Frau begeistert. Letztlich war es niemand Geringeres als Jean-Paul Sartre, der sie zum Singen überredete, erinnert sich Gréco: "Er sagte: Sie müssen singen, Sie haben eine schöne Stimme! Gleich für den nächsten Morgen bestellte er mich zu sich und suchte Texte für mich heraus. Er war es, der mich auf die Welt brachte."

Auch andere Dichter wie Albert Camus und François Mauriac schrieben Texte für die "Königin der Existenzialisten", wie Gréco später genannt wurde. Ein anderer Titel, der ihr verliehen wurde, war die "schwarze Muse von St. Germain-des-Prés". Denn Gréco prägte mit ihrer dunkel gehaltenen Kleidung eine ganze Generation.

Die Sängerin Juliette Greco
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Gréco interpretierte auch Chansons von Jacques Brel und Georges Brassens. In ihrer Heimat Frankreich war sie für ihre politischen Lieder beliebt, wurde aber nicht so berühmt wie Edith Piaf. 1959 war sie eine der ersten französischen Kunstschaffenden, die nach dem Krieg wieder in Deutschland auftraten. Andere Konzertreisen führten sie unter anderem nach Japan oder in die USA. Auch auf der Leinwand war sie zu sehen, zum Beispiel in "Jedermanns Fest" mit Klaus Maria Brandauer.

Bereits 2015 begann sie mit einer Abschiedstournee, auf der sie sich bei ihren treuen Fans bedankte. Sie sagte, man müsse wissen, wann der Zeitpunkt zum Aufhören gekommen sei. Sie wurde 93 Jahre alt.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 24. September 2020 | 06:30 Uhr