Gespräch zu Pfingsten Ilse Junkermann und Gerhard Feige – wie sich beide Bischöfe für die Ökumene einsetzen

Im Sommer endet die Amtszeit von Landesbischöfin Ilse Junkermann. Zehn Jahre lang stand sie an der Spitze der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, nun wechselt sie an eine Forschungsstelle der Universität Leipzig. Ihr Fortgang bedeutet auch das Ende einer besonderen Partnerschaft: nämlich die mit ihrem katholischen Amtskollegen, dem Magdeburger Bischof Gerhard Feige. Gemeinsam haben sie einiges erreicht für die Ökumene. Und das, obwohl ihre Beziehung keineswegs spannungsfrei begann.

Die evangelische Landesbischöfin Ilse Junkermann und der katholische Bischof Gerhard Feige – befragt nach ihrem Verhältnis zueinander, ergreift sie zuerst das Wort: "Wir sind beste Freunde, gute Partner", sagt sie, und Feige ergänzt: "Die Chemie stimmt".

Dabei war anfangs durchaus Reibung mit im Spiel. Noch vor dem Reformationsjubiläum kritisierte Feige, die Kirchenspaltung mit ihren teils gewalttätigen Folgen könne nicht einfach so gefeiert werden. "Spielverderber", dachte da mancher in der EKD, der Evangelischen Kirche in Deutschland. Doch Bischöfin Junkermann wurde hellhörig – hatte ihr katholischer Amtskollege doch zugleich einen Versöhnungsprozess vorgeschlagen: "Das hat Sympathie befördert, zu hören, ja: Da sucht jemand nach dem Gemeinsamen, dem ist es ein Herzensanliegen, dass wir hier gemeinsam Zeugnis geben in dieser Gesellschaft", so die Landesbischöfin.

Gegenseitige Klischees

Bischof Gerhard Feige
Gerhard Feige, katholischer Bischof von Magdeburg Bildrechte: IMAGO

Schließlich wirkte das Magdeburger Duo Feige-Junkermann gemeinsam darauf hin, dass die Bitte um Vergebung am Anfang des Reformationsjubiläums stand. Die beiden sind ein ungleiches Paar. Sie kam vor zehn Jahren aus dem Westen, er ist in der DDR aufgewachsen. "Allgemein galt in meiner Kindheit, dass man als Katholik seinen Fuß nicht über die Schwelle einer evangelischen Kirche setzt. Und dass man nicht an einem evangelischen Gottesdienst teilzunehmen hat", erinnert sich Feige.

Junkermann dagegen erinnert sich an Klischees über Katholiken: "Es war zum Beispiel klar, die feiern Fasching und können sich alles erlauben, weil sie hinterher zur Beichte gehen. Und sie machen uns den Karfreitag kaputt, weil sie demonstrativ ihre Autos an Karfreitag waschen."

Sorge wegen Rechtspopulismus

Später sammelten beide jedoch erste eigene, positive Erfahrungen mit der jeweils anderen Konfession – den katholischen Mitschüler im Bibelkreis, der Unterstützung von evangelischer Seite, als der junge Gerhard Feige den Dienst mit der Waffe verweigerte. Und die ersten, gemeinsamen Gottesdienste in Halle an der Saale: "Da läuft mir noch heute ein Schauer den Rücken runter", erzählt Feige. "Was das für eine Atmosphäre war, wo die Vertreter der verschiedenen Kirchen um Vergebung für das damals gegenseitig angetane Unrecht baten. Das war prickelnd."

Der Einsatz für die Ökumene wurzelt bei beiden Bischöfen in ihrer Jugendzeit. Auf andere zuzugehen, das Gespräch zu suchen, halten beide auch heute für eine Aufgabe – gerade in der Gesellschaft. Die jüngsten Wahlerfolge der Rechtspopulisten sehen sie mit Sorge. Zumal sie um die Grenzen ihrer eigenen Möglichkeiten wissen.

"Die Veränderung, die ansteht, und die so bedrohlich wirkt, ist Überfremdung, sozusagen das Leben in einer globalisierten Welt: Wie kann man sich da noch zurechtfinden und wie beheimaten?", so Junkermann. Hier sei die Beheimatungskraft der Kirchen nicht mehr so groß. "Und da helfen auch keine christlichen Werte."

Mit Kompromissen leben

Bischof Feige weist darauf hin, dass sich die katholische Kirche selbst erst zu einem demokratischen Verständnis durchkämpfen musste. Wenn heutzutage bestimme Entscheidungen fielen, dann seien das nicht immer Entscheidungen im Sinne der katholischen Kirche, so Feige. "Aber wir müssen damit leben. Und das ist eben wichtig für eine demokratische Gesellschaft: mit Kompromissen zu leben." 

Doch bei allem Verständigungswillen: Was die jeweils andere Kirche betrifft, bleiben für beide, die evangelische Bischöfin und den katholischen Bischof, auch offene Fragen. Dinge, die sie bis heute nicht verstehen. Feige sagt: "Das ist manchmal das sehr breite und extreme Meinungsspektrum. In der katholischen Kirche war bislang so die Positionierung etwas einheitlicher gewesen." Und Junkermann ergänzt: "Die Überhöhung des Amtes, die Weihe. Die Aussonderung, die dem Geweihten nochmal eine andere Qualität gibt."

Der Dialog, die Suche nach dem, was verbindet, bleibt eben eine Aufgabe – selbst für beste Freunde.  

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 04. Juni 2019 | 22:00 Uhr