Ausstellung Wüstenbilder von Sabine Kahane-Noll in Chemnitz

Schrittweise öffnen die Kunstsammlungen Chemnitz ihre Türen, mit dabei das Schlossbergmuseum. Dort war für Mitte März eine Sonderausstellung angekündigt – und dann kam die Corona-bedingte Absage aller Veranstaltungen und die Schließung des Museums. Jetzt kann man sich dort, wenn auch ohne den feierlichen Auftakt, die Arbeiten von Sabine Kahane-Noll ansehen. Sie lebt und arbeitet mit ihrem Mann Chaim in der Wüste Negev in Israel.

Kirchenruine im Avdat National Park, in der Wüste Negev
Kirchenruine im Avdat National Park in der Wüste Negev Bildrechte: imago images/Westend61

Fernab der Metropolen lebt und arbeitet Sabine Kahane-Noll – in Israel, mitten in der Wüste Negev. Die Sonderausstellung mit ihren "Wüstenbildern" hing wegen dem Coronavirus wochenlang nicht eröffnet und ungesehen im Schlossbergmuseum. Ursprünglich war die Schau im Rahmen der Tage der jüdischen Kultur geplant. Doch der Leiter des Museums, Uwe Fiedler, sieht auch ohne diesen Kontext Anknüpfungspunkte zu seinem Haus: Auf der einen Seite das ehemalige Benediktinerkloster und auf der anderen die alttestamentarischen Stätten in der Wüste, mit denen sich die Künstlerin auseinandersetzt.

Diese rohen Leinwände mit diesen kolorierten Kaltnadelzeichnungen. Das ist schon eine tolle Sache.

Uwe Fiedler, Museumsleiter

Der Museumsleiter zeigt sich angetan von Kahane-Nolls Technik, ihren Federzeichnungen und wie sie archaische Materialien mischt und mit einbezieht.

Aus der DDR nach Israel

Bildbeschreibung: Sabine Kahane-Noll: "Aufziehender Sandsturm", 2015, Acryl auf Leinwand, 37 x 38 cm
Sabine Kahane-Noll: "Aufziehender Sandsturm", 2015 Bildrechte: Ilja Kogan, Chemnitz/Freiberg © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Sabine Kahane-Noll hat 1984 zusammen mit ihrem Mann, dem Autor Chaim Noll, die DDR verlassen und lebt seit den 90er-Jahren in Israel. Sie lädt mit ihren Bildern ein zu einer gedanklichen Reise durch moderne urbane Szenerien, spiegelt darauf gleichzeitig aber auch sicher nicht ganz konfliktfreie archaische Lebensentwürfe wider, etwa der Beduinen dort.

Das hätte hier auch eine Highwaykreuzung in den USA sein können. Oder diese Lichter – das assoziiert für mich so was wie Las Vegas.

Uwe Fiedler, Museumsleiter
Sabine Kahane-Noll: "Stadtrand verkabelt", 2018, Kaltnadel coloriert auf Leinwand, 41 x 26 cm
Sabine Kahane-Noll: "Stadtrand verkabelt", 2018 Bildrechte: Ilja Kogan, Chemnitz/Freiberg © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Die Gegensätze sorgen auch bei Uwe Fiedler für Überraschungsmomente: "'Beliam' hier, das Acrylbild auf Leinwand mit dem Eselsreiter, mit der Kafiye über Kopf und Rücken – das hatte ich so ein bisschen erwartet. Umso überraschter war ich dann, als ich diese Straßenszenen hier gesehen habe." Der Erhalt von Kult über Jahrtausende mache für den modernen Rezipienten ein Stück des Faszinosums der Wüstenregionen aus und eben auch von Israel.

Hoffen auf Chaim Noll

Mit Blick auf künftige Lockerungen der Corona-Regeln hofft Museumsleiter Uwe Fiedler, zumindest Chaim Noll zu einem Gespräch in Chemnitz begrüßen zu dürfen. So könne aus erster Hand mehr über das Leben in der Wüste Negev in Erfahrung gebracht werden.

Sabine Kahane-Noll: "Blaue Hügel", 2016, Monotypie auf Papier, 41 x 26 cm.
Sabine Kahane-Noll: "Blaue Hügel", 2016 Bildrechte: Ilja Kogan, Chemnitz/Freiberg © VG Bild-Kunst, Bonn 2020

Die Ausstellung Sabine Kahane-Noll – "Wüstenbilder"
19. Mai bis 4. Oktober 2020
Schlossbergmuseum
Chemnitz

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 25. Mai 2020 | 17:10 Uhr