Gemälde der drei Heiligen aus dem Morgenland, im Dreikönigssaal des Briger Stockalperschlosses
Gemälde der drei Heiligen aus dem Morgenland, im Dreikönigssaal des Briger Stockalperschlosses. Bildrechte: imago/sepp spiegl

Dreikönigstag Wer waren die Heiligen Drei Könige?

Zu hunderten sind am Dreikönigstag die Sternsinger unterwegs und besingen Caspar, Melchior und Balthasar: die Heiligen Drei Könige. Jene Herren, die dem neugeborenen Jesus Gold, Weihrauch und Myrrhe gebracht haben sollen. So zumindest berichtet es die Bibel, die im weiteren Verlauf über die drei Männer, die ein Stern nach Bethlehem lockte, schweigt. Das hindert spätere Autoren nicht daran, immer mehr über die Drei zu schreiben.

von Hartmut Schade, MDR KULTUR

Gemälde der drei Heiligen aus dem Morgenland, im Dreikönigssaal des Briger Stockalperschlosses
Gemälde der drei Heiligen aus dem Morgenland, im Dreikönigssaal des Briger Stockalperschlosses. Bildrechte: imago/sepp spiegl

Johann Wolfgang von Goethe, der es mit dem Glauben bekanntlich nicht besonders hielt, hat 1781 für die drei heiligen Könige Caspar, Melchior und Balthasar nur Spott übrig:

Die heiligen drei König‘ mit ihrem Stern, sie essen, sie trinken, und bezahlen nicht gern.

Anfang des Gedichts "Epiphanias-Fest" von Goethe

Die heiligen vier Könige?

Weiter heißt es im "Epiphanias-Fest" von Goethe: "Die heilgen drei König‘ sind gekommen allhier, es sind ihrer drei und sind nicht ihrer vier; und wenn zu dreien der vierte wär, so wär ein heilger drei König mehr." So unlogisch ist Goethe nicht. Denn Matthäus nennt in seinem Evangelium keine Zahl:

Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes im Bethlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem.

Die Bibel (Matthäus 2, 1)

Sterndeuter also, von den Evangelisten "Magoi" genannt. Angehörige einer persischen Priesterkaste, die als Astrologen vielen Königen im Orient dienen. Als Könige werden sie erstmals von dem römischen Schriftsteller Tertullian bezeichnet. Und dass es drei sind, ergibt sich aus der Zahl der Gaben, von denen Matthäus berichtet:

Sternsinger in Winterlandschaft, 2017
Wie viele Sterndeuter es genau waren, ist nicht bekannt. Bildrechte: imago/Eibner

... und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. Und da ihnen im Traum befohlen wurde, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem andern Weg wieder in ihr Land.

Die Bibel (Matthäus 2, 11-12)

Die heiligen drei Magier?

Ihr Land? Anders als Matthäus sind die späteren Generationen überzeugt, die Könige kommen aus aller Welt. Der damals bekannte Kamelit Johannes von Hildesheim schreibt Mitte des 13. Jahrhunderts über die Herkunft und das Aussehen der Könige Folgendes:

Melchior (...) war von kleiner Gestalt, Balthasar war von mittlerer Größe, (... ) Caspar war der größte unter ihnen; er war ein schwarzer Äthiopier, daran ist kein Zweifel.

Johannes von Hildesheim

Goethe zweifelt natürlich wieder. Er kennt den Text des Hildesheimer Mönchs und dichtet trotzdem: "Ich endlich bin der schwarz‘ und bin der klein‘, und mag auch wohl einmal recht lustig sein."

Ikonographisch liefert Johannes von Hildesheim all die Zeichen und Bilder, die bis heute die Vorstellung der Heiligen Drei Könige prägen. Allerdings so ganz sicher scheint er sich nicht zu sein, ob es sich wirklich um Könige handelt. Denn ganz am Ende seiner Abhandlung lässt er die Leser wissen, dass die Könige von Heiden, die von der Geburt des Herrn nichts wissen, Magier genannt würden.

Faszination trotz Spott

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
Johann Wolfgang von Goethe verfasste ein Maskenspiel für den Dreikönigstag. Bildrechte: imago/United Archives

Goethe zweifelt natürlich wieder. Aber so ganz konnte sich der Weimarer offenbar doch nicht dem Brauchtum rund um die Heiligen Drei Könige entziehen. Das Sternsingen hatte Anna Amalia verboten. Aber in exotische Rollen zu schlüpfen, dass reizte offenbar den Herrn Geheimrat so, dass er das Gedicht "Ephiphanias-Fest" für ein Maskenspiel am Hofe Anna Amalias in Weimar am 6. Januar 1781 verfasste.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kalenderblatt | 06. Januar 2019 | 08:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Januar 2019, 04:00 Uhr