Die Mannschaft des Jugendradios auf dem Dach des Funkhauses in der Nalepastraße in Berlin, wo sie bis zum Umzug nach Halle ihr Domizil hatten.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Vor 25 Jahren Wie aus DT64 MDR SPUTNIK wurde

"Sputnik" - der Name lag ziemlich nah im Frühjahr 1993. Die MDR-Jugendwelle war anfangs nur über Satellit zu empfangen. Doch die Geschichte begann schon vor dem Sendestart - und war keinesfalls einfach.

von Sven Hecker, MDR KULTUR

Die Mannschaft des Jugendradios auf dem Dach des Funkhauses in der Nalepastraße in Berlin, wo sie bis zum Umzug nach Halle ihr Domizil hatten.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Programm hat einen Sympathieeffekt, ganz ohne Frage.

Rudolf Mühlfenzl, damaliger Rundfunkbeauftragter der neuen Bundesländer
Jugendliche errichten bei einer Mahnwache gegen die Abschaltung des Jugendsenders DT 64 eine Wand aus Papp-Radios.
Jugendliche errichten bei einer Mahnwache gegen die Abschaltung des Jugendsenders DT 64 eine Wand aus Papp-Radios. Bildrechte: dpa

Rudolf Mühlfenzl, der Mann, der DT64 hier lobt, hat den Auftrag, das Jugendradio abzuschalten. So wie den Rest des ehemaligen DDR-Rundfunks. Nach der deutsch-deutschen Vereinigung am 3. Oktober 1990 sollen öffentlich-rechtliche Anstalten aufgebaut werden. Auch DT64 - Sympathie hin oder her - soll abgewickelt werden. Doch dagegen regt sich Widerstand. Freundeskreise bilden sich, Petitionen werden verfasst, Konzerte organisiert und Staatskanzleien besetzt. Tausende gehen auf die Straße - für ein Radio.

Den Abwicklungs-Beauftragten, den CSU-Mann Mühlfenzl, bringt das ins Grübeln: "Das Jugendprogramm von DT64 hat - wenn sie so wollen - diesen Schuss Sympathie-Effekt. Frech gemacht, schnoddrig, aber nicht zu frech, gelegentlich ein bissel was zum abschleifen, das muss man natürlich machen. Also da wird einiges passieren und passieren müssen."

Der Kampf gegen die Abschaltung

Trotz prominenten Zuspruchs und spektakulärer Aktionen - ein Jahr vergeht, ohne greifbare Lösungen für DT64. Dann, Ende 1991 - kurz vor der geplanten Abschaltung - eine mehr als überraschende Wendung: Der MDR will DT64 das Weitersenden ermöglichen, zunächst für ein halbes Jahr. Beobachter sind erstaunt:

Die Verwirrung ist perfekt. Ausgerechnet aus dem Hause des MDR wird der Rettungsanker versprochen, für ein Programm, das man dort noch bis in die letzten Wochen hinein kritisch beäugte.

Radio-Bericht für das Funkhaus Nalepastraße, Dezember 1991.
Ein Sputnik-Moderator zieht einen Regler im Studio des MDR-Funkhauses in Halle (Saale) hoch.
Ein SPUTNIK-Moderator zieht einen Regler im Studio des MDR-Funkhauses in Halle (Saale) hoch. Mittlerweile hat der Sender ein neues Logo. Bildrechte: dpa

In etzter Minute dann tatsächlich eine Einigung: Auf MDR-Frequenzen funkt DT64 weiter, der Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg (ORB) - übernimmt für ein paar Stunden täglich. Nach dem zugesagten halben Jahr verabschiedet sich der ORB. Und dem MDR fehlen UKW-Frequenzen. Deshalb sendet er DT64 ab Juli 1992 auf der ziemlich verrauschten Mittelwelle. Eine Zwischenstation, wie es Chefredakteur Michael Schiewack 1993 beschreibt: "Der MDR hat DT64 nicht auf die Mittelwelle abgeschoben, sondern hat das Programm dort mit sehr viel Geld aufgefangen."

Die Mittelwelle ist auf Dauer nicht zu bezahlen, UKW steht nicht zur Verfügung in der nächsten Zeit, das steht jetzt fest. Deshalb haben wir gesagt,  wir versuchen das mit dem Satelliten -  Das wird ein harter Gang, keine Frage.

Chefredakteur Michael Schiewack, Januar 1993

Sender kann bleiben, Name muss gehen

Im Frühjahr 1993 geht DT64 ins All. Der Erhalt des Senders ist nun endlich gesichert. Aber es gibt auch einen Wermutstropfen.

DT64 ist gerettet. Bedauerlich ist, dass der Name weg muss. DT64 ist ein großes Markenzeichen für viele. Aber der Name war leider politisch nicht durchsetzbar.

Chefredakteur Michael Schiewack, Januar 1993

Doch wie soll der Sender stattdessen heißen? Die entscheidende Idee kommt angeblich von Kurt Biedenkopf, damals Ministerpräsidenten Sachsens. "Sputnik" - wie der sowjetische Erdsatellit, der einst den Westen schockte. Und wie die Zeitschrift, die in der End-DDR wegen allzu viel Glasnost verboten wurde. Nun also der Name für ein Jugendradio. Neu und ungewohnt. Der Wellenchef selbst spricht Mut zu, sich und den Hörern: "Einfach nur sagen: Sputnik".

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kalenderblatt | 30. April 2018 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. April 2018, 11:32 Uhr

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