Trauer Karel Gott gestorben

In seiner tschechischen Heimat nannte man den Sänger und Komponisten "Meister". In Deutschland blieb er meist der Schlagersänger, obwohl das nur ein Teil seines künstlerischen Repertoires war. Karel Gott verkaufte mehr als 50 Millionen Tonträger und wurde durch den Titelsong zu "Biene Maja" bekannt. Nun ist er im Alter von 80 Jahren gestorben.

Karel Gott tritt beim Konzert in Prag, 2019.
Karel Gott (1939 - 2019) Bildrechte: dpa

Der tschechische Sänger und Komponist Karel Gott ist tot. Er starb am Dienstag kurz vor Mitternacht nach langer Krebserkrankung. Das berichtete die tschechische Nachrichtenagentur CTK unter Berufung auf seine Sprecherin am Mittwoch. Seine Leukämieerkrankung hatte Karel Gott im September öffentlich gemacht. 2015 war bei ihm bereits an Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert worden. Nach einer Chemotheropie galt er als geheilt – bis dann in diesem Jahr bekannt wurde, dass er an aktuer Leukämie leidet. Karel Gott wurde 80 Jahre alt.

Auf der Bühne wurde Karel Gott von Alt und Jung bewundert. In seiner Karriere, in der er Rock 'n' Roll, Jazz, Blues und Country interpretierte sowie Opern- und Operettenstücke sang, nahm Gott rund 150 Alben auf und verkaufte mehr als 50 Millionen Tonträger. In seinem Heimatland Tschechien nannten ihn die Menschen "Mistr" ("Meister"), ein Ehrentitel, der vor ihm nur an den Reformator Jan Hus vergeben wurde.

Der tschechische Präsident Milos Zeman sagte am Mittwoch, der Tod Karel Gotts sei eine "ungeheuer traurige Nachricht für unser ganzes Land". Er sei "ein wirklicher Künstler" gewesen, "der sein Leben anderen geschenkt hat". Auch der tschechische Regierungschef Andrej Babis äußerte sich zum Tod des Künstlers und bezeichnete ihn als einen der größten Tschechen. Mit seinen Liedern habe ihn Karel Gott seit seiner Jugend begleitet, so der 65-jährige Politiker: "Ich werde eine Kerze anzünden und mir eines seiner Lieder aus den 60er-Jahren anhören."

Vom Elektriker zum Superstar

Die Karriere des Karel Gott beginnt eher holprig. Als einziges Kind seiner Eltern 1939 in Pilsen geboren, zieht Karel Gott als Jugendlicher mit seiner Familie nach Prag. Dort will er eigentlich Maler werden – seine große Leidenschaft galt damals dem Zeichnen und Malen. Gott bewirbt sich deshalb an der Prager Kunstgewerbeschule, allerdings erfolglos. Notgedrungen beginnt er eine Elektrikerlehre, die dem Künstler Karel aber nicht glücklich macht: "Ich war ein Kino-Freak, ein Fanatiker für alte Filme, in denen man diese Charmeure sieht. Als junger Mann wollte ich auch so sein. Aber als Elektromechaniker, muss ich leider sagen, das wirkte nicht", sagte Gott einmal rückblickend.

Der Sinatra des Ostens

Karel Gott
Karel Gott bei einem Auftritt 1964 Bildrechte: IMAGO/CTK Photo

Und so kommt es, wie es kommen muss: Am Prager Konservatorium studiert Gott Anfang der sechziger Jahre Gesang. 1963 erscheint seine erste Single, eine tschechische Version von Henry Mancinis "Moon River". In den folgenden Jahren sind seine Lieder regelmäßig in den tschechischen Hitparaden zu finden und Gott avanciert schon mit Ende 20 zum Superstar in seiner Heimat – der Tschechoslowakei. In einem seiner Konzerte sitzt ein Plattenmanager aus dem Westen. Er holt Karel Gott 1967 zum ersten Mal in die Bundesrepublik Deutschland. Noch im selben Jahr singt Karel Gott in Las Vegas. Ein No-Name aus dem Ostblock, aber angekündigt als eine Sensation. Das renommierte "Time Magazine" beschreibt Gott als "Sinatra des Ostens". 1968 vertritt er bereits Österreich beim Grand Prix Eurovision mit dem von Udo Jürgens komponierten Lied "Tausend Fenster" und landet auf dem 13. Platz.

Star-Status in BRD und DDR

Den Durchbruch in Deutschland feiert Gott 1970 mit dem Titel "Einmal um die ganze Welt und die Taschen voller Geld." Die Plattenfirma Polydor strickt ihm ein Geschäftsmodell für den westdeutschen Markt. Er wird "Die goldene Stimme aus Prag" und auf Anhieb einer der populärsten Schlagersänger in der Bundesrepublik.

In den 70er-Jahren darf Karel Gott dann auch in der DDR auftreten. Ein Sänger aus dem Ostblock, aber mit dem Status eines Weststars – das ist und bleibt einmalig. Den Verantwortlichen des DDR-Fernsehens ist der Weltbürger aus Prag allerdings nicht ganz geheuer. "Die haben gesagt: 'Einmal um die ganze Welt' kannst du bei uns nicht singen, Karel, ist das klar? Bei uns nicht!'" Während Gott in Tschechien auch andere Genres bedient, bleibt er in Deutschland meist der Schlagersänger. Eines seiner bekanntesten deutschen Lieder ist die Titelmusik der Zeichentrickverfilmung von "Biene Maja". Weitere Lieder sind "Lady Carneval" (1968), "Weißt du wohin" (1969), "Babicka" (1979) und das von Ralph Siegel komponierte Lied der ARD-Fernsehlotterie "Und die Sonne wird wieder scheinen" (1982). 2009 veröffentliche er zusammen mit dem Rapper Bushido das Lied "Für immer jung", das Platz 5 in den deutschen Charts erreichte.

Politisch zurückhaltend

1968 gehört Karel Gott zu denen, die den Prager Frühling herbeisingen – keine Protestlieder, Rock 'n' Roll genügt. Für die Jugendlichen verkörperte allein schon sein Körperwurf eine ungewohnte Freiheit. Direkt unterstützen will Karel Gott die Opposition seines Landes aber nicht – im Gegenteil: 1977 ist er einer von 2.000 Unterzeichnern, die die sogenannte "Anticharta" unterschreiben, die sich gegen die von Oppositionellen entworfenen Charta 77 richtet. Zeit seines Lebens vertritt Gott die Meinung, dass Politik und Kunst besser zu trennen sind. Als Unterstützer des Regimes sieht er sich nie.

Karel Gott
Karel Gott bei einem Auftritt in der ZDF-Hitparade in den 70er-Jahren. Bildrechte: dpa

1971 kehrt Gott von einer Konzertreise in der BRD nicht zurück. Er pokert mit den Mächtigen. Er will sich nicht länger von ihnen gängeln und teilweise auf lächerliche Art und Weise zensieren lassen, sondern ungehindert zwischen zwei Welten leben und arbeiten. Die Staatsmacht spielt mit, er darf reisen und auftreten, solange er sich loyal gegenüber dem System erweist.

Karel Gott Darinka "Fang das Licht" 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

02:57 min

https://www.mdr.de/meine-schlagerwelt/video-26598.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Familie als Jungbrunnen

Karel Gott und Frau Ivana
Karel Gott und Frau Ivana Bildrechte: IMAGO

2008 heiratet Karel Gott seine 37 Jahre jüngere Freundin Ivana Machackova in Las Vegas. Der Schlagersänger hatte sich in der Vergangenheit selbst als "ewiger Junggeselle" bezeichnet und sich im April 2006 gemeinsam mit Machackova über die Geburt von Tochter Charlotte Ella gefreut. Zwei Jahre später kommt Töchterchen Nelly-Sophie zur Welt. Zwei erwachsene Kinder hat er zu diesem Zeitpunkt bereits. Die Kinder hätten ihm die glücklichsten Jahre seines Lebens beschert, und sie seien für ihn eine Inspiration weiterzumachen. "Ich möchte wie ein romantischer Sänger wirken, der verliebt ist. Ich hatte Angst, wenn ich heirate, kommt die Romantik abhanden. Stattdessen gibt es die Alltagsprobleme. Das war auch ein Grund, immer neue Romanzen zu erleben."

Karel Gott Auftritt Juni 2018 Prag 8 min
Bildrechte: IMAGO

Mehr zu Karel Gott

Karel Gott 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

02:34 min

https://www.mdr.de/meine-schlagerwelt/video-210524.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kultur kompakt | 02. Oktober 2019 | 11:30 Uhr

Abonnieren