Kunstmuseum Moritzburg Karl Lagerfeld – die weltweit erste Retrospektive zu seinem fotografischen Werk

Andreas Höll
Bildrechte: MDR/Hendrik Kirchhof

Vor rund einem Jahr ist Karl Lagerfeld gestorben, und nun gibt es in Halle an der Saale die weltweit erste Retrospektive zu seinem fotografischen Werk. Sie vereint rund 300 Arbeiten, die noch zu Lebzeiten gemeinsam mit Karl Lagerfeld eigens für die Präsentation im Landeskunstmuseum Moritzburg ausgewählt und produziert wurden. Zugleich bietet sie einen facettenreichen Überblick zum lichtbildnerischen Schaffen des Designers: von der Modefotografie über Architektur- und Landschaftsbildern bis hin zum Selbstporträt. "Karl Lagerfeld – Fotografie – Die Retrospektive" heißt diese Schau, die bis zum 6. Januar 2021 verlängert wird.

Lagerfeld-Ausstellung in der Moritzburg
Das Kunstmuseum Moritzburg in Halle präsentiert die Karl Lagerfeld-Retrospektive Bildrechte: MDR/Hanna Romanowsky

Karl Lagerfeld und Halle an der Saale – diese Verbindung kam auch zustande, weil der kunstsinnige Modeschöpfer schon lange vom Hausheiligen der Moritzburg fasziniert war, und das war der Maler Lyonel Feininger. Dazu der Direktor Thomas Bauer-Friedrich: "Karl Lagerfeld wusste von den Feininger-Beständen hier in unserer Sammlung, Feininger, der die große Halle-Serie für Halle, für das Museum, dann auch geschaffen hat. Und Karl Lagerfeld hatte schon 1990 seine große Inszenierung von Mode im Setting der Gemälde von Feininger aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg geschaffen. Das führen wir jetzt zusammen: unsere Sammlung mit dem Zyklus "Hommage an Feininger" von Karl Lagerfeld."

Anselm Feuerbach und Edward Hopper inspirierten Karl Lagerfeld

Drei Menschen
Karl Lagerfeld: Narrenschanzen, Hommage à
Feininger, 2005
Bildrechte: Karl Lagerfeld

Karl Lagerfeld ließ sich immer wieder von den Helden der Kunstgeschichte inspirieren – auch für seine Werbekampagnen für das Modehaus Fendi. Seine früheste Arbeit stammt aus dem Jahr 1984. Da präsentiert er seine Models in den historistischen Bildwelten des Malerfürsten Anselm Feuerbach. Und zwei Jahrzehnte später, da kreist er dann um einen amerikanischen Superstar der Nachkriegszeit.

"Wir haben dann aus den 2000er-Jahren eine andere Fendi-Modekollektion, die er im Stil von Edward Hopper inszeniert hat, wo er also in einem Studio genau diese Backsteinarchitektur inszeniert und mit dieser kühlen Lichtästhetik die Kollektion ins rechte Licht rückt", führt Bauer-Friedrich aus.

Karl Lagerfeld wollte sein Publikum überwältigen

Ob Hopper, Feuerbach oder Feininger, der Rückgriff auf die Kunstgeschichte ist bei Lagerfeld Programm. Und auch die Filme von Fritz Lang oder die Puppen von Sophie Taeuber-Arp gehören zu seinem postmodernen Fundus. "Aus all diesem hat er etwas Eigenes kreiert, was alles immer hochästhetisch ist, große Inszenierung ist immer die große Geste, das Wecken von Emotionen auch letztendlich", so Bauer-Friedrich.

Er selber hat aber nie den Anspruch verfolgt, große neue Kunst zu schaffen, sondern letztendlich große Gestaltung, große Inszenierungen, die den Besucher überwältigen, die ihn begeistern. Und in diesem Sinne haben wir versucht, auch die Ausstellung zu inszenieren. Er selber hat sich nie als Künstler verstanden.

Thomas Bauer-Friedrich, Direktor Kunstmuseum Moritzburg

Ein Blick in die modernen Wunderkammern der Ausstellung

Lagerfeld-Ausstellung in der Moritzburg
Blick in die Karl Lagerfeld-Retrospektive - an der Wand: aus dem Fotoprojekt "Daphnis und Chloé" Bildrechte: MDR/Hanna Romanowsky

Kein Künstler - dafür aber ein bildgewaltiger Mythen-Manager mit einer barocken Lust an der Inszenierung, das ist das Markenzeichen des Fotografen Karl Lagerfeld. Und deshalb gibt es jetzt im Kunstmuseum Moritzburg auch Räume, die an moderne Wunderkammern erinnern. Wie z. B. eine Blackbox, in der Architekturfotos stimmungsvoll illuminiert werden. Oder es gibt einen weißen Raum mit einer Art Stoff-Vorhängen aus Fotografien.

Thomas Bauer-Friedrich: "Wir nennen es die Sala Bianca, ein Rückgriff auf den Palazzo Pitti in Florenz, wo wir auf überlebensgroßen Textilbahnen mit Licht inszenieren, Mode inszenieren, mit Sound arbeiten und vor allem 'Daphnis und Chloé', sein fotografisches Großprojekt, was auf silberne und goldene Leinwände gedruckt ist – also die emotionale Überwältigung des Besuchers ist so ein wenig das Ziel."

Der schöpferische Umgang mit verschiedenen Fototechniken

Lagerfeld-Ausstellung in der Moritzburg
Blick in die Karl Lagerfeld-Retrospektive im Kunstmuseum Moritzburg Bildrechte: MDR/Hanna Romanowsky

Die Ästhetik der Überwältigung beruht bei Karl Lagerfeld jedoch auf der perfekten Beherrschung des Handwerks, und dazu zählt auch der schöpferische Umgang mit den verschiedensten Fototechniken. "Es geht los mit den ältesten Techniken der Daguerreotypie, wo in fast metallisch kühler Sachlichkeit das Bild auf der Metallplatte entsteht. Wir haben, wenn wir dann im 20. Jahrhundert sind, Polaroid-Transferdrucke, die fast wie aquarelliert wirken bis hin zu ganz klar strukturierten sachlichen grafischen Elementen, wenn er den Eiffelturm in Paris fotografiert."

Der Modeschöpfer Karl Lagerfeld stand immer im Rampenlicht, und auch der Fotograf war stets im Bilde. Das trifft natürlich vor allem auf seine Selbstporträts zu, die im Innenhof der Moritzburg präsentiert werden. Und die zeigen auch ein überlebensgroßes Ego – gepaart mit einem wunderbaren Sinn für Ironie und die eigene Endlichkeit – ganz so, wie er es einst so unsterblich formuliert hat:

Meine Devise im Leben ist: Es fängt mit mir an und hört mit mir auf.

Karl Lagerfeld

Verlängerung Die Schau "Karl Lagerfeld – Fotografie – Die Retrospektive" im Kunstmuseum Moritzburg wird bis zum 6. Januar 2021 verlängert.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 06. März 2020 | 18:05 Uhr