Vor der Kuratoriumssitzung Neustart für das Karl-May-Museum?

Es gibt Probleme beim Karl-May-Museum und den zugehörigen Gremien. Ein Offener Brief hatte im Mai auf Missstände aufmerksam gemacht. Wie soll sich das Haus für die Zukunft aufstellen? Wie die Zusammenarbeit verbessern? Am Samstag trifft sich dazu das Kuratorium – und will Lösungen finden.

Karl-May-Museum Radebeul - Indianerfigur, die Ausschau hält
Wohin wird es künftig beim Karl-May-Museum in Radebeul gehen? Bildrechte: MDR SACHSEN

Am Samstag trifft sich das Kuratorium der Karl-May-Stiftung um darüber zu entscheiden, wie es weitergehen soll. Was dabei angesichts der Grabenkämpfe und verhärteten Fronten innerhalb des Gremiums unter die Räder kommen könnte, ist das Karl-May-Museum selbst.

Christian Wacker
Christian Wacker verfasste im Mai einen Offenen Brief Bildrechte: Christian Wacker

Von der Ausbreitung von Toleranz, Völkerverständigung und Friedensliebe liest man in der Satzung der Karl-May-Stiftung, und diesen Zielen fühlt man sich demnach auch verpflichtet. Die derzeitige Situation innerhalb des Stiftungskuratoriums lässt davon allerdings nichts erkennen.

Begonnen hat alles im Mai mit einem Offenen Brief des inzwischen gegangen Direktors des Karl-May-Museums in Radebeul, Christian Wacker, in dem er Missstände in der Führungskultur öffentlich machte und mit der Museumsstiftung und deren Vorstand abrechnete.

Im Fokus der Öffentlichkeit

Das Interesse an der Kuratoriumssitzung beschränkt sich längst nicht mehr nur auf einen kleinen, internen Kreis von Karl-May-Kennern und -fans, sondern lässt eine breite Öffentlich aufhorchen. Was wiederum den Druck, sich innerhalb des Gremiums zu Gunsten des Museums zu einigen, erhöht.

Das Karl May Museum 4 min
Bildrechte: MDR JUMP
Das Karl May Museum 4 min
Bildrechte: MDR JUMP

Um die Bedeutung des Hauses noch einmal zu unterstreichen, haben die Mitglieder des wissenschaftlichen Museumsbeirats, der seit 2015 existiert und normalerweise dem Direktor mit seiner fachlichen Expertise zur Seite steht, eine Bestandaufnahme gemacht. Und da ist Karl May, Verfasser von Abenteuerromanen, aber auch pazifistischen Schriften, nur eine Facette.

In Europa einzigartige Sammlung

Holger Kuße, Slavistikprofessor an der TU Dresden und Vorsitzender des Museumsbeirats, sieht die Radebeuler Nordamerikasammlung, oftmals als "Indianermuseum" bezeichnet, als die bedeutendste dieser Art in Europa. Sie sei ein zentraler Bestandteil in der Ausstrahlung und in der Kombination mit einem Schriftsteller- und Literaturmuseum. Das findet sich sonst nirgendwo anders, so Kuße.

Karl-May-Museum Radebeul - grüne Bücher stehen in einem Regal
Die einzigartigen Bestände des Karl-May-Museums Radebeul Bildrechte: MDR SACHSEN

Inzwischen ist es ja so, dass die Sammlung nicht nur eine der bedeutendsten in Europa ist, sondern, dadurch, dass andernorts dieses Thema in ethnologischen Museen eher stiefmütterlich inzwischen behandelt wird, die bedeutendste gezeigte Sammlung ist.

Holger Kuße, Vorsitzender des Museumsbeirats

Auch die Ausstellung im ehemaligen Wohnhaus Karl Mays, der Villa Shatterhand zum Autor selbst hat Seltenheitswert. Dank der originalen Möbel samt des orientalistischen Interieurs, die ein kulturgeschichtliches Schlaglicht auf das ausgehende 19. Jahrhundert werfen, ebenso wie die Bibliothek des Schriftstellers. Laut Kuße findet sich hier unter anderem Informations- und Sprachliteratur mit vielen Anstreichungen von Karl May – die man dann auch in seinen Büchern wieder finden kann. Hierzu gibt es Digitalisierungspläne:

Da gibt es auch eine Projektansatz, den Thomas Bürger, ehemals Direktor der SLUB ins Leben gerufen hat, das Ganze zu digitalisieren, das läuft auch schon, also auch die Bibliothek allein hat einen großen Wert.

Holger Kuße, Vorsitzender des Museumsbeirats

Zu nennen wäre ebenfalls noch die bedeutende Sascha-Schneider-Sammlung aus dem Nachlass von Karl May, der mit dem Jugendstilmaler und Bildhauer befreundet war.

Karl-May-Museum Radebeul - Wandgemälde von Sascha Schneider im Empfangszimmer
Wandgemälde von Sascha Schneider im Empfangszimmer Bildrechte: MDR SACHSEN

Neubau für 10 Millionen?

Bei ihrer Bestandsaufnahme haben es die Beiratsmitglieder jedoch nicht belassen, sondern daraus abgeleitet Empfehlungen formuliert, wie man jetzt weiter verfahren könnte. Zu den Details ihrer Strukturanalyse möchte sich Kuße vor der Kuratoriumssitzung nicht äußern, lediglich dazu, dass das Museum, auch wenn es privat ist, künftig mehr öffentlich gefördert werden müsste.Größter Fördermittelgeber bisher ist der Kulturraum mit knapp 177.000 EUR im Jahr. Für den geplanten Museumsneubau ist von 10 Millionen die Rede. Bei derartigen Beträgen, zumal von der öffentlichen Hand, erscheint eine zeitgemäße, zukunftsfähige Präsentation des Phänomens Karl May nur angemessen, wenn nicht gar zwingend.

Der Neubau ist tatsächlich, abgesehen von starkem Renovierungsbedarf, der eigentlich selbstverständlich ist bei einem Museum, was nun bald 100 Jahre alt ist, essentiell, will man tatsächlich die Potentiale auf Dauer zur Geltung bringen.

Holger Kuße, Vorsitzender des Museumsbeirats

Keine Frauen in Gremien

Und noch einen Blick in die Strukturanalyse lässt Kuße zu. Sämtliche Gremien, auch, wie er selbstkritisch bemerkt, der Museumsbeirat sind ausschließlich mit Männern besetzt. Das muss sich ändern, so Kuße: "Wir halten diese Öffnung für notwendig, einfach auch, weil es eine ganze Reihe von Frauen gibt, die ein Expertise haben und eine Professionalität. Das sehe ich eigentlich relativ positiv."

Gunther Schoß
Indianer in der Literatur und in der Lebenswirklichkeit sind kein rein männliches Thema. Bildrechte: MDR/Michael Schöne

Es sind eine Reihe von Szenarien, die die Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats zur Neustrukturierung von Karl-May-Stiftung und Museum entworfen haben, ihre Umsetzung, wie auch immer, wird Zeit brauchen. Und den Willen zur Veränderung, und der, so hört man von vielen Seiten, geht einher mit der Neuformierung des Kuratoriums und vor allem seines Vorstandes.

Verständlicherweise halten sich die Mitglieder dieses Gremiums im Moment bedeckt. Florian Schleburg, der als Vorsitzender der Karl-May-Gesellschaft im Kuratorium sitzt, gibt dennoch ein kämpferisches Stimmungsbild:

Ich erwarte eine lange, emotional geführte Debatte. Hier prallen ja nicht nur zwei Generationen aufeinander, sondern zwei Prinzipien im Umgang mit Menschen und Inhalten. Aber es geht dieses Mal um den Fortbestand des Karl-May-Museums, es geht um Arbeitsplätze und letztlich um das Weiterleben Karl Mays im 21. Jahrhundert.Und dafür lohnt es sich zu kämpfen.

Florian Schleburg, Vorsitzender der Karl-May-Gesellschaft

Hintergründe zum Streit um Karl May

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 27. Juni 2020 | 07:45 Uhr