Prof. Karola Wille
Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks: Prof. Karola Wille. Bildrechte: MDR/Florian Leue

Gespräch Karola Wille: "Eine gute Demokratie braucht aufgeklärte Bürgerinnen und Bürger"

Die Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks, Prof. Karola Wille, stellt 2019 unter das Motto "Es geht um Demokratie". Bei MDR KULTUR erklärt sie, welche Rolle öffentlich-rechtliche Medien dabei spielen und was sie dabei noch besser machen können und sollten.

Prof. Karola Wille
Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks: Prof. Karola Wille. Bildrechte: MDR/Florian Leue

2019 ist ein Jahr der Jubiläen, wenn es um die Demokratie geht. So heißt es nicht nur "30 Jahre Friedliche Revolution", sondern in diesem Jahr jährt sich auch die Gründung der Weimarer Republik zum 100. Mal. Und die Demokratie ist ebenso im gesellschaftlichen Diskurs wieder aktuell. Auch deswegen hat die Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks, Prof. Karola Wille, die Rundfunkanstalt unter das Themenjahr "Es geht um Demokratie" gestellt.

Meinungs- und Urteilsbildung als Kern der Arbeit

Im Gespräch mit MDR KULTUR erklärt sie, warum gerade dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk hierbei eine besondere Rolle zukommt. Für sie braucht eine gute Demokratie aufgeklärte Bürgerinnen und Bürger – und genau darin sieht sie den Kern der Arbeit des MDR. Es sei dessen Aufgabe, das zu ermöglichen und es gehe darum, dass der MDR als Medienhaus "Journalismus so gestalte, dass die Menschen ihre eigene Meinung bilden können."

Wir sind als öffentlich-rechtliche Medien in der Verantwortung, dass wir unseren Bürgerinnen und Bürgern eine freie Meinungs- und Urteilsbildung ermöglichen.

Prof. Karola Wille, MDR-Intendantin
Prof. Dr. Karola Wille
Karola Wille möchte, dass Journalismus wieder mehr mit den Menschen in den Dialog tritt. Bildrechte: MDR/Martin Jehnichen

Dies könne darüber geschehen, dass die Medien über die vielfältigen, gesellschaftlichen Themen berichten und die Lebenswirklichkeit der Menschen differenziert darstellen. Hier sieht Wille auch eine große Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Medienvertreter müssten sehr viel nachdenken, was sie für den Zusammenhalt der Gesellschaft tun könnten – gerade öffentlich rechtliche Medien.

Polarisierung der Gesellschaft

Sie selbst teile die Einschätzung des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, dass es "sowas wie Fliehkräfte in der Gesellschaft gibt. Dass ein Stück Polarisierung begonnen habe." Medienvertreter würden mittlerweile selbst erleben, dass es "Wut, Hass und Empörungsfetzen" gäbe. Angriffe auf die Presse- und Medienfreiheit seien für sie ein Thema, dass sie zutiefst berühre. Hierin sieht die MDR-Intendantin auch eine wichtige Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im demokratischen Gemeinwesen: Angriffe auf diese Freiheitsrechte zu erkennen und ihnen entgegenzuwirken. Dies seien Rechte, "die wir hier im Osten Deutschlands vor nicht einmal 30 Jahren errungen haben" und die man verteidigen müsse.

Mehr Kontakt mit den Menschen

Dies gelinge in ihren Augen darüber, dass man sich wieder bewusst machen müsse, was Qualitätsjournalismus bedeute – dass man Fakten von Meinungen trenne. Dass die Lebenswirklichkeit der Menschen differenziert dargestellt werde. Und dass Journalisten überall im Land unterwegs sind, sowohl in den Städten als auch auf dem Land.

Ich glaube in so einer Zeit kommt es darauf an, zu zeigen, was dieses Land ausmacht, was die Menschen ausmacht, worauf sie stolz sein können.

Prof. Karola Wille, MDR-Intendantin

Dies sei auch ein Ziel von ihr: Dass Medien mit den Menschen wieder mehr in Kontakt treten – auch, um womöglich entstandene Gräben zu überwinden. Wille sagte, man könne ein "Stück zur gesellschaftlichen Integration beitragen, indem wir mehr nachdenken: Wie können wir den Dialog befördern? Wie schaffen wir es, dass die Menschen mehr miteinander sprechen?" Es sei ihr wichtig, dass man lernt, verschiedenste – und auch schwierige – Meinungen auszuhalten und sich mit ihnen auseinandersetzt.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 05. Januar 2019 | 11:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Januar 2019, 16:03 Uhr

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