Ein Schwertwal stößt einen Wassernebel aus, in dem sich das licht bricht.
Laut Karsten Brensing haben Orcas eine Kultur, die vermutlich 300.000 Jahre alt ist. Die Raubtiere sind auch als Schwertwale bekannt. Bildrechte: dpa

Tierrechte Meeresbiologe: "Wir müssen unseren Umgang mit Tieren überdenken"

Karsten Brensing spricht sich für bessere Tierrechte aus. Der Meeresbiologe und Verhaltensforscher kritisiert, wie Unternehmen vom Staat unbehelligt die Umwelt zerstören. Er erklärt, dass Tiere wie Schwertwale eine eigene Kultur haben.

Ein Schwertwal stößt einen Wassernebel aus, in dem sich das licht bricht.
Laut Karsten Brensing haben Orcas eine Kultur, die vermutlich 300.000 Jahre alt ist. Die Raubtiere sind auch als Schwertwale bekannt. Bildrechte: dpa

Der Mensch muss überdenken, wie er mit Tieren umgeht – dafür plädiert Karsten Brensing bei MDR KULTUR. Der Meeresbiologe, Verhaltensforscher und Autor aus Erfurt setzt sich für bessere Tierrechte ein. Unsere aktuellen Gesetze und Willenserklärungen allein würden nicht genügen, sie müssten auch konsequent umgesetzt werden, so Karsten Brensing.

Wir haben ein ausgesprochen ausgeklügeltes Rechtssystem. Da müsste eigentlich auch ein Frosch dazu in der Lage sein, sich einen Anwalt zu nehmen, weil sein Lebensraum zerstört wird. Natürlich kann der Frosch das nicht selber machen. Der Jurist müsste das Mandat übernehmen, aber er müsste in genau demselben juristischen Rahmen handeln können und dann auch die Verursacher verklagen können.

Karsten Brensing, Meeresbiologe und Verhaltensforscher

Momentan sei es so, dass Unternehmen umweltschädliche Dinge mit Genehmigung vom Staat holen. Damit seien sie aus dem Schneider. "Dann darf die Firma nicht mehr dafür verklagt werden, dass sie einen Lebenslauf zerstört. Das ist nicht richtig."

Orcas: 300.000 Jahre Kultur

Karsten Brensing erläutert im Gespräch mit MDR KULTUR auch, dass Tiere ebenfalls eine eigene Kultur haben. Der Begriff definiere sich darüber, dass wir Wissen, Tradition und Verhalten weitergeben. So etwas könne man auch im Tierreich finden. Beispielsweise bei Orcas: "Die haben auch eine Esskultur. Es gibt eine Gruppe von Orcas, die essen nur Säugetiere. Eine andere isst nur Fisch. Die leben sogar im gleichen Territorium. Biologisch gibt es keinen Grund, dass diese Tiere nichts miteinander anfangen." Das könne man wissenschaftlich nur mit einem sehr strengen kulturellen Diktat erklären. Genetische Untersuchungen hätten gezeigt, wann sich diese beiden Orca-Populationen voneinander getrennt haben. "Daher wissen wir, dass diese Kultur der Orcas vermutlich schon 300.000 Jahre alt ist", erklärt der Wissenschaftler.

Orca Schwertwahle in Kanada
Vor der Küste Kanadas wuchten sich diese Schwertwale aus dem Wasser. Ausgewachsene Männchen können bis zu 10 Tonnen schwer werden. Bildrechte: IMAGO

Mehr zu Karsten Brensing Karsten Brensing ist einer der erfolgreichsten Wissenschaftsvermittler Deutschlands. Sein Buch "Das Mysterium der Tiere. Was sie denken, was sie fühlen" wurde 2017 zum Bestseller. Seit Jahren setzt sich Brensing für die Rechte der Tiere ein, für effektiven Lärmschutz in den Weltmeeren und für ein besseres Verhältnis aller Lebewesen – inklusive dem Menschen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Karsten Brensing, Meer, Meeresbiologe, Orca, Wal, Schwertwal, Erfurt | 26. Mai 2019 | 12:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. September 2019, 13:17 Uhr

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