Kati Naumann
Kati Naumann besuchte als Kind häufig ihre Großeltern im thüringer DDR-Grenzgebiet Bildrechte: MDR/Olaf Parusel

Gespräch Kati Naumann nimmt die Leser mit in die DDR-Grenzzone

Kati Naumann verbrachte als Kind wundervolle Tage in tödlicher Umgebung, wenn sie ihre Großeltern im DDR-Grenzgebiet besuchte. Sie gingen im Sperrgebiet spazieren, auch wenn sie dort regelmäßig kontrolliert wurden. In ihrem Roman erkundet Naumann nun auch den Teil der Geschichte, der ihr damals verborgen blieb, Zwangsabschiebungen und das Eingesperrtsein im eigenen Heim. Bei MDR KULTUR war sie zu dem Buch "Was uns erinnern lässt" und ihren persönlichen Erinnerungen im Gespräch.

Kati Naumann
Kati Naumann besuchte als Kind häufig ihre Großeltern im thüringer DDR-Grenzgebiet Bildrechte: MDR/Olaf Parusel

Die Schriftstellerin Kati Naumann schildert in ihrem neuen Roman "Was uns erinnern lässt" nicht nur das Leben im Sperrgebiet der DDR, es ist auch eine Reise in die eigene Vergangenheit. Als Kind verbrachte Naumann viel Zeit an der gesicherten DDR-Grenze, denn ihre Großeltern lebten dort. Mit ihnen unternahm sie Spaziergänge in der Landschaft, bei denen sie zwar häufig kontrolliert wurden – was sie damals nicht verwunderlich fand, da sie sich von ihren Großeltern beschützt empfand.

Der Thüringer Wald und auch das Sperrgebiet ist die Welt meiner Kindheit, damit bin ich groß geworden. Das ist für mich die heile und glückliche Welt meiner Kindheit. Ich hab das als Kind gar nicht merkwürdig empfunden.

Kati Naumann über ihre Kindheitsbesuche bei den Großeltern im DDR-Grenzgebiet


Der Westen leuchtete nicht

Auch den nahen Westen bekam Naumann mit, jedoch erschien dieser weniger faszinierend, als erhofft. Ihre Großeltern zeigten ihr bei den Wanderungen manchmal von den Bergen aus den anderen Teil Deutschlands.

Und das war immer ein ganz merkwürdiges Gefühl. Ich hab dann auch immer versucht zu gucken. Ich dachte immer, das müsste doch leuchten oder das müsste irgendwie ganz besonders aussehen – aber das sah auch nicht anders aus als bei uns.

Kati Naumann über den Blick in den Westen in ihrer Kindheit
Kati Naumann, Was uns erinnern lässt
Cover des Romans "Was uns erinnern lässt" von Kati Naumann Bildrechte: HarperCollins

Erst durch die schriftstellerische Beschäftigung mit dem Grenzgebiet für ihren Roman bekam Naumann die extreme Lebenssituation im DDR-Grenzgebiet mit. Sie sprach mit Zeitzeugen und las sich Wissen an, um die Fakten zu kennen.

So wurden bei der "Aktion Ungeziefer" 1952 als "politisch unzuverlässig" geltende Menschen zwangsumgesiedelt. Diese wurden am frühen Morgen aus ihren Häusern weggeholt und auf Lkws verladen. Dabei hatten sie teilweise Todesängste, da sie nicht wussten, wohin sie gebracht werden.

Verschiedene Zeitebenen

In der 500 Meter breiten Sperrzone der Grenze ist auch der Roman angesiedelt. In der heutigen Zeit macht sich die Roman-Protagonistin Milla auf die Suche nach verfallenen "Lost Places". Dabei findet sie das mittlerweile verfallene "Hotel Waldeshöh" und in dessen Keller unter anderem einen Schulaufsatz von Christine zum Thema "Wie stelle ich mir das Jahr 2000 vor?" Milla begibt sich auf die Spurensuche und findet tatsächlich Christine. Der Roman betrachtet den Ort und seine Entwicklung dadurch auf verschiedenen Zeitebenen.

Kati Naumann im Kurzporträt

Kati Naumann
Kati Naumann Bildrechte: MDR/Clementine Künzel

In Leipzig wurde Kati Naumann 1963 geboren. Sie studierte Museologie und arbeitete anschließend im Buchmuseum der Deutschen Bücherei sowie im Musikinstrumenten-Museum der Universität Leipzig. Sie veröffentlichte Romane wie "Die große weite Welt der Mimi Balu" und "Nachtflug", gemeinsam mit Sophie Cremer. Zudem schreibt Kati Naumann  Kinder-Hörspielreihen wie "Die kleine Schnecke Monika Häuschen". Auch verfasste sie Songtexte für verschiedene Künstler, so für das Klassik-Duo Marshall & Alexander oder das Libretto zum Musical "Elixier" mit der Musik von Tobias Künzel von "Die Prinzen".

Angaben zum Buch Kati Naumann: "Was uns erinnern lässt"
416 Seiten, gebunden, 20 Euro
ISBN: 978-3959672474
Verlag HarperCollins

Kati Naumann auf Lesetour 20.03.2019 | 16:30 Uhr | Leipzig: Gutenberg Schule
23.03.2019 | 11:30 Uhr | Leipziger Buchmesse, Halle 5
23.03.2019 | 14:00 Uhr | Leipziger Buchmesse, LVZ Autoren-Arena
23.03.2019 | 18:00 Uhr | Leipzig liest: Café Ganos
28.03.2019 | 17:00 Uhr | Schwedt: Frauenzentrum
05.04.2019 | 19:00 Uhr | Schwarzenberg, Buchhandlung blätterwerk
10.04.2019 | 20:15 Uhr | Bischofswerda: Buchhandlung Heinrich
14.05.2019 | 19:00 Uhr | Leipzig: Buchhandlung Ludwig im Hauptbahnhof
18.05.2019 | 20:00 Uhr | Pirna: Schloss Struppen
13.06.2019 | 19:00 Uhr | Sonneberg, Stadtbibliothek
09.10.2019 | 19:00 Uhr | Weißenfels: Fürstenhaus

Zuletzt aktualisiert: 02. März 2019, 17:21 Uhr

Meistgelesen bei MDR KULTUR

Abonnieren