Keith Richards
Keith Richards Bildrechte: imago/Eastnews

Zum 75. Geburtstag des Stones-Gitarristen Keith Richards: "Aufhören? Ich werd' noch im Rollstuhl spielen."

Keith Richards ist der wohl berühmteste Überlebende der Musikgeschichte. Denn der Mitbegründer der Rolling Stones und Ausnahme-Gitarrist ist dank Drogen und Alkohol oft nur knapp am Musikerhimmel vorbeigeschrammt. Am 18. Dezember ist Richards 75 Jahre alt geworden - und der Vollblutmusiker rockt, und rockt, und rockt …

von Sven Hecker, MDR KULTUR

Keith Richards
Keith Richards Bildrechte: imago/Eastnews

Zur Gitarre gebracht hat Keith Richards sein Großvater, ein früher Jazzmusiker. In seiner Autobiographie erzählt Keith Richards: "Er hatte da diese Gitarre an der Wand hängen. Und er zog mich jahrelang damit auf, dass ich meinen Blick nicht von diesem verdammten Ding wenden konnte - bis er an dem Punkt angelangt war, zu sagen 'Wenn du an sie drankommst, dann lasse ich dich damit spielen.'"

1960, Keith Richards
Doch, das ist tatsächlich Keith Richards. 1960 sah er so aus. Bildrechte: imago/United Archives

Richards ist der Sohn eines Industriearbeiters aus einfachen Verhältnissen und stammt aus Dartford, einem Nest östlich von London. Die erste eigene Gitarre kauft ihm die Mutter 1959 für zehn Pfund. Er interessiert sich für Blues, spielt Stücke von Billie Holiday, Louis Armstrong oder Howlin‘ Wolf nach.

Und er besucht das Kunst-College. Auf dem Weg dorthin, auf dem Bahnhof, kommt es an einem Herbsttag 1961 zu einer alles entscheidenden Begegnung: Er trifft einen anderen Rhythm-and-Blues-Fan: Mick Jagger. Ein Moment, der sein Leben prägt und die Musikgeschichte verändert.

Der Kerl da am Bahnhof heißt Mick Jagger. Er besitzt alle Platten von Chuck Berry. Außerdem ist Mick der größte Rhythm-and-Blues-Sänger auf dieser Atlantikseite, und das meine ich ernsthaft.

Keith Richards in einem Brief an seine Tante Pat

Es ist der Beginn einer schwierigen Freundschaft und der vielleicht erfolgreichsten Kreativ-Kollaboration der Rockmusik. Jagger als Gesicht, Stimme und Stratege, Richards als das musikalische Herz und die Seele der kommenden Unternehmung. Denn die beiden haben eine Mission: Sie wollen, verdammt noch mal, die beste Blues-Band Londons werden.

Zu Jagger und Richards finden dann noch Charlie Watts und Brian Jones. Im Sommer '62 folgt der erste Auftritt der "Rolling Stones". Fortan widmet sich Richards ganz der Musik. Er lebt mit Jagger und Jones in einer WG.

Die 'Rolling Stones' verbrachten das erste Jahr ihres Daseins mit Rumhängen in Kneipen, Essen klauen und Üben.

Keith Richards in seiner Biographie "Life"
1970, Keith Richards
Keith Richards 1970 mit seiner damaligen Freundin Anita Pallenberg und dem gemeinsamen Sohn Marlon in Stuttgart Bildrechte: imago/Pressefoto

Ihr profanes Dasein reicht aber immerhin 1963 für den ersten Plattenvertrag. Und dann, in einer bedröhnten Frühlingsnacht, fällt Richards jenes Riff ein, das Grundlage für ihren Aufstieg werden sollte. "Satisfaction" ist 1965 nicht nur der erste Nummer-Eins-Hit der Stones in den USA, der Song wird auch zum vieldeutigen Schlachtruf einer neuen Generation, zu einer durchaus skandalösen Erkennungsmelodie für die Band. Und Richards gilt seitdem als Riff-Genie, als jemand, der sparsame, aber unverwechselbare Tonfolgen aus dem Handgelenk tropfen lässt.

Mit dem Erfolg wächst aber auch der Druck auf die Band. Ständig sind sie auf Tour. Jagger und Richards brüten unterwegs über neuen Nummern, die Platten werden zwischendurch eingespielt. Sie leben Rock Around the Clock, sind immer unter Volldampf - die obligaten Partys inklusive, dabei Alkohol und Drogen. In den 70er-Jahren wird Richards zum Heroin-Junkie. Berauscht, betäubt, oft auch auf der Bühne. Oft sogar nah genug am Abgrund, in dem schon einige prominente Drogentote des Rock'n'Roll liegen.

Ich war zehn Jahre lang die Nummer eins auf der Wer-stirbt-als-Nächstes-Liste. Ein bisschen traurig war ich schon, als sie mich da runternahmen.

Keith Richards

Noch immer bewegt sich Richards über die Tournee-Bühnen. Lässig fast, mit Knautschgesicht und runtergerockt im Wortsinn, dennoch beweglich in Fingern und Knien. Und noch immer hat er den Blues.

Sein größter Beitrag zur Ikonographie des Pop ist, dass er im Bezug zur ursprünglich schwarzen Musik des Rhythm and Blues das verkörpert, was man den Inbegriff des unanständigen weißen Jungen nennen kann.

Charles Shaar Murray, Musikkritiker
Mick Jagger, Keith Richards, Ronnie Wood und Charlie Watts von The Rolling Stones bei einem Konzert
The Rolling Stones Bildrechte: IMAGO

Es ist wohl die Musik, die ihn bis heute am Leben hält, trotz seines mehr als riskanten Lebenswandels.

Der Rock'n'Roll-Gitarrist ist der wohl berühmteste Überlebende der Musikgeschichte. Am 18. Dezember wurde Keith Richards 75 Jahre alt - und er will vermutlich noch immer weitermachen:

Aufhören? Ich werd' noch im Rollstuhl spielen. Wofür sonst ist das Leben da?

Keith Richards

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. Dezember 2018 | 06:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Dezember 2018, 04:00 Uhr

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