DDR-Filmgeschichte Lieblingspaula der DDR: Angelica Domröse feiert 80. Geburtstag

Im Theater gibt sie die "Schöne Helena" und im Fernsehen die "Effi Briest". Unvergessen bleibt sie aber vor allem als Paula im DEFA-Klassiker "Legende von Paul und Paula": Die 1941 in Berlin geborene Schauspielerin Angelica Domröse. Trotz großer Film- und Fernseherfolge nahm ihre Schauspielkarriere in der DDR ein abruptes Ende – Grund hierfür ist eine berühmte Protestresolution.

Winfried Glatzeder und Angelica Domröse im DEFA-Film "Die Legende von Paul und Paula".
Winfried Glatzeder und Angelica Domröse im DEFA-Film "Die Legende von Paul und Paula" (1973) Bildrechte: MDR/ Progress

"Ich hab das Buch angefangen und nicht mehr aus der Hand gelegt. Eine wunder-, wundervolle Rolle, die Paula. Ich habe noch nie eine so kräftige und realistische Rolle angeboten bekommen von der DEFA, und ich hoffe, dass das ein überdurchschnittlicher DEFA-Film wird" – ein Interview aus dem Jahre 1972, entstanden während der Dreharbeiten zu "Legende von Paul und Paula". Die von Angelica Domröse formulierte Hoffnung, sie erfüllt sich bekanntermaßen. Es entsteht ein überdurchschnittlicher DEFA-Film, gleichzeitig ein überdurchschnittlich erfolgreicher Film. Geliebt bis heute. So sehr, dass die Schauspielerin und ihre Paula in der Wahrnehmung faktisch verschmolzen sind.

Karrierebeginn bei der DEFA

Die Karriere von Angelica Domröse nimmt mit 17 Konturen an. Per Zeitungsannonce sucht die DEFA nach einem "jungen, fröhlichen, hübschen Mädchen" für eine Hauptrolle. Die kino- und theaterbegeisterte Berlinerin bewirbt sich und wird prompt genommen. "Verwirrung der Liebe" heißt der Film. Darauf ließe sich wahrscheinlich eine ansehnliche Laufbahn vor der Kamera aufbauen, aber Angelica Domröse genügt das nicht. Sie studiert an der Filmhochschule in Babelsberg und geht ans Berliner Ensemble: "Mein Ehrgeiz lag darin, es irgendwie zu schaffen, überdurchschnittlich zu werden in diesem Beruf. Und das hat was mit Arbeit zu tun, und das hat was mit Maßstäben zu tun, und die schienen mir damals am Berliner Ensemble die höchsten zu sein", erinnert sich Domröse.

Verfolgt vom Image der "Brigitte Bardot der DDR"

Angelika Domröse in "Verwirrung der Liebe"
Angelika Domröse in "Verwirrung der Liebe" (1959) Bildrechte: MDR/DEFA Stiftung

So sehr sie die Maßstäbe und die Arbeit der Schauspieler am hiesigen Theater – geradezu ehrfürchtig – schätzt, leicht hat es Angelica Domröse hier nicht. Ihr Image als "Brigitte Bardot der DDR", verbunden mit hohen Popularitätswerten, scheint so manchem nicht recht zum gepflegten Ernst der heiligen Brecht-Hallen zu passen. 1966 wird ihr mitgeteilt, dass ihre Zeit hier vorbei ist. Die Volksbühne wird zur neuen Heimat. Es ist auch eine Befreiung. Angelica Domröse: "Man muss Menschen begegnen, glaube ich am Theater, also Gleichgesinnten, mit denen man arbeiten kann und die mit einem arbeiten wollen. Sonst kann sich ein Schauspieler sehr schnell aufbrauchen. Oder man nutzt sie einfach nur aus, die Leute. Das macht man beim Film und Fernsehen fast ausschließlich."

Karriereende in der DDR nach berühmter Protestresolution

Im Theater gibt Angelica Domröse Peter Hacks "Schöne Helena", im Fernsehen die "Effi Briest", im Kino spielt sie die Hauptrolle in "Unterm Birnbaum". Doch dann kommt die Biermann-Ausbürgerung und auch sie unterschreibt die berühmte Protestresolution. Die anschließenden Schikanen, die Tatsache, dass Angelica Domröse isoliert wird, führen dazu, dass sie mit ihrem Mann Hilmar Thate das Land gen West verlässt. Eine ihrer letzten Arbeiten in der DDR ist eine wichtige Nebenrolle in Heiner Carows "Bis dass der Tod euch scheidet".

Paul Schramm (ANDRE JUNG), Kommissarin Bilewski (ANGELICA DOMRÖSE)
Angelica Domröse als Komissarin Bilewski im Polizeiruf. Bildrechte: IMAGO / United Archives

Über einen Mangel an Aufgaben braucht sich Angelica Domröse im Westen nicht zu beklagen. Allerdings: eine neue Paula ist nicht darunter. Bis weit in die Neunziger Jahre steht sie noch regelmäßig vor der Kamera, macht sich dann allerdings wegen des Ausbleibens guter Rollenangebote rar.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 04. April 2021 | 08:45 Uhr

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