"Mission Ulja Funk" 10 Jahre "Der besondere Kinderfilm": Was das Geheimnis eines guten Kinderfilms ist

Seit zehn Jahren gibt es die Initiative "Der besondere Kinderfilm" – und der Name beschreibt sehr treffend das Konzept: Es geht darum, gute Kinderfilme zu fördern. Filme, die durch ihre Themenwahl und altersgerechte Ansprache im besten Fall zu einem Teil der eigenen Kindheit werden. Deren eigenständige und mitreißende Geschichten nah am Lebensgefühl der aktuellen jungen Generation erzählt sind. Mit "Mission Ulja Funk" kommt jetzt die zehnte so geförderte Produktion in die Kinos. MDR KULTUR hat mit Anke Lindemann, der Leiterin der MDR-Redaktion "Kinder und Familie", über den Film und die Initiative gesprochen.

Filmszene: eine alte Frau sitzt neben einem jungen Mädchen.
"Mission Ulja Funk": Protagonistin Ulja Funk mit ihrer Oma Olga, die eine besondere Sicht auf die Welt hat – so wie die wissenschaftsbegeisterte Ulja auch. Und das passt manchmal gar nicht zusammen. Bildrechte: MDR/In Good Company/Ricardo Vaz Palma

MDR KULTUR: Was wurde mit dem Projekt "Der besondere Kinderfilm" seit 2013 aus ihrer Sicht erreicht?

Eine Frau mit langem Haar und auf den Kopf geschobene Brille lächelt in die Kamera.
Gesprächspartnerin Anke Lindemann kennt sich mit kindgerechten Produktionen aus, sie leitet die MDR-Redaktion "Kinder und Familie" Bildrechte: MDR/Robert Hensel

Anke Lindemann: Vor allen Dingen Aufmerksamkeit. Und dass wir im Moment mit "Mission Ulja Funk" den zehnten – wirklich besonderen – Kinderfilm in die Kinos bringen. Und wir haben natürlich noch weitere in der Pipeline. Es kommt ein weiterer besonderer Kinderfilm auch noch dieses Jahr in die Kinos: "Nachtwald". Dann ist noch ein großes Animationsprojekt in Arbeit. Und der MDR selber produziert dieses Jahr – in einem Fall federführend, in dem anderen als kleiner Koproduktionspartner – zwei weitere besondere Kinderfilme.

Wofür steht dann das "besonders" im Namen dieser Initiative?

"Besonders" ist in unseren Fällen, dass wir originäre Stoffe in die Kinos bringen. Die basieren nicht auf Marken, auf vorliegenden Büchern, das sind keine Weiterverfilmung von bestehenden Werken oder ähnliches. Sondern das sind wirklich Geschichten, die haben sich in der Regel wirklich auch junge Autoren – oft Neulinge – ausgedacht und versuchen damit, die Lebenswirklichkeit der Kinder in Deutschland aus einem besonderen Blickpunkt fiktional umzusetzen. Und, wie jetzt in dem Fall "Zirkuskind", auch das erste Mal nonfiktional.

Ist das ihre Idee eines zeitgemäßen Kinderfilms?

Es ist auf jeden Fall was Besonderes, weil wir natürlich damit auch Zeitdokumente schaffen. Zwar sicherlich mit einer gewissen Überhöhung der Lebenswirklichkeit, aber doch relativ nah dran und so, dass wir das Zeitgeschehen durchaus abbilden.

Was ist das Geheimnis für einen zeitgemäßen Kinderfilm? Was muss der heute leisten, was früher vielleicht nicht so wichtig war?

Also ganz wichtig finde ich – und das ist wirklich was Erfreuliches – die grundlegenden Dinge, die die Kinder heute beschäftigen, das sind die gleichen, die Sie als Kind und die ich als Kind durchgemacht haben. Es geht immer, natürlich abgestaffelt nach der Altersstufe, um Freundschaft, um das erste Mal verliebt sein. Wie gehe ich damit um? Wie gehe ich mit anderen um? Wie finde ich meinen Platz in der Welt? Und was möchte ich überhaupt? Das sind so dieser grundlegenden Fragen, die sind für Kinder immer noch essenziell.

Und das ist ganz egal, aus welcher Community das Kind kommt, wie alt es ist, welches Geschlecht es hat. Das ist vollkommen egal. Die beschäftigt wirklich dieses Grundlegende. Und das ist auch immer etwas, was in unseren Filmen eine ganz große Rolle spielt und was die auch so nachhaltig erfolgreich macht.

Ein Junge hält ein Mobiltelefon in die Höhe. Im Hintergrund ein Bestattungsfahrzeug.
"Mission Ulja Funk" ist ein Roadmovie, der von Deutschland über Polen bis nach Weißrussland führt. Und bei dem die Oma schon mal quicklebendig aus einem Leichenwagen schaut. Bildrechte: MDR/In Good Company/Ricardo Vaz Palma

Was ist das bei dem aktuellen Film "Mission Ulja Funk"?

Bei "Mission Ulja Funk" findet eine ganz starke Mädchenfigur zu sich selber und schafft es, sich innerhalb der Familie und der Community, in der sie sich mit der Familie bewegt, zu behaupten. Sie möchte Wissenschaftlerin werden. Das ist sozusagen ein No-Go-Thema, dass ein Mädchen so intellektuell und so klug daherkommt. O-Ton der Oma im Film dazu: "Dann findet die doch nie einen Mann!" Und die Ulja behauptet sich aber. Die setzt sich da durch, die geht ihren Weg. Und das ist ein ganz starkes Empowerment in dieser Figur. Und es ist so lustig! Also es ist wirklich ein Film für die ganze Familie, mit ganz wunderbar schrägen Figuren und einem tollen Humor!

Das ist die Initiative "Der besondere Kinderfilm"

Die Initiative "Der besondere Kinderfilm" hat das Ziel, dem Kinderfilm mehr Gewicht und Präsenz in Kino und Fernsehen zu verleihen. Dazu sollen Filme nachdrücklich gefördert werden, die für sich allein stehen und nicht auf Marken oder literarischen Vorlagen basieren und die sich eng mit der aktuellen Lebenswirklichkeit von Kindern beschäftigen.

Das Fördermodell "Der besondere Kinderfilm" wurde im Jahr 2013 ins Leben gerufen, basierend auf einer Intiative des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, der Filmwirtschaft, der Förderungen des Bundes und einiger Länder sowie der Politik. Zu Beginn standen 15 Institutionen, Förderungen und Verbände hinter der Initiative, mittlerweile sind es 27. Wurden anfangs nur fiktionale Filme gefördert, sind es jetzt auch Dokumentar- und Animationsfilme.

MDR-Intendantin Karola Wille hat sich von Anfang an für die Intiative eingesetzt und 2013 die verschiedenen Interessenvertreter an einem runden Tisch zusammengebracht. Sie freut sich, dass "Der besondere Kinderfilm" in den Jahren zum Erfolgsmodell wurde und sagt: "Wir hatten ja den Anspruch, Qualitätsfilme zu produzieren. Und was mich riesig freut, ist, dass wir es tatsächlich geschafft haben, mit den Filmen, die in diesen zehn Jahren entstanden sind. Dass wir schon über hundert Preise national und international für diese Kinderfilme bekommen haben!"

"Der Besondere Kinderfilm" ist eine Initiative von:

AG Kino – Gilde der deutschen Filmkunsttheater e.V. – AG Verleih – Allianz Deutscher Produzenten Film & Fernsehen – Bayerischer Rundfunk (BR) – Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien – Deutsche Kindermedienstiftung Goldener Spatz – FilmFernsehFonds Bayern – Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein – Filmförderungsanstalt – Film- und Medienstiftung NRW – Freistaat Thüringen – Hauptverband Deutscher Filmtheater HDF KINO e.V. – HessenFilm und Medien – KiKA – der Kinderkanal von ARD und ZDF – Kuratorium junger deutscher Film – Medienboard Berlin-Brandenburg – Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg – Mitteldeutsche Medienförderung – Mitteldeutscher Film- und Fernsehproduzentenverband – Mitteldeutscher Rundfunk (MDR) – Norddeutscher Rundfunk (NDR) – Produzentenverband – Südwestrundfunk (SWR) – Verband der Filmverleiher – Vision Kino – Westdeutscher Rundfunk (WDR) – Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF)

Ein Mädchen mit Roter Mütze und blauer Jacke geht auf der Straße
Ulja ist ein selbstbewusstes, intelligentes Mädchen – und als Filmfigur auch ein zeitgemäßes Rollenmodell. Bildrechte: MDR/In Good Company/Ricardo Vaz Palma

Das Interview hat Ellen Schweda für MDR KULTUR geführt. Redaktionelle Bearbeitung: op

Gruppenfoto vor einem baufälligen Haus.
Das Team der Filmproduktion "Mission Ulja Funk" Bildrechte: MDR/In Good Company/Ricardo Vaz Palma

Der Film "Mission Ulja Funk" "Mission Ulja Funk"
Kinderfilm
Gefördert durch die Initiative "Der besondere Kinderfilm"

Besetzung:
Ulja Funk: Romy Lou Janinhoff
Henk Von Kindermann: Jonas Oeßel
Oma Olga: Hildegard Schroedter
Pastor Simon Brotz: Luc Feit
Irina Funk: Anja Schneider
Evgenji Funk: Ivan Shvedoff
Nelly Brotz: Christina Große
Jolanta Schlegel: Martina Eitner-Acheampong

Gastauftritte von: Bürger Lars Dietrich, Vanity Trash, Shary Reeves, Gesine Cukrowski und Oona von Maydell

Regie: Barbara Kronenberg
Drehbuch: Barbara Kronenberg
Produzentin: Roshanak Behesht Nedjad
Ko-Produzenten: Bernard Michaux (SAMSA FILM), Joanna Szymańska (SHIPSBOY)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 14. Januar 2023 | 10:15 Uhr

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