Stiftungsleiterin Stefanie Eckert Wie die DEFA-Stiftung den alten Filmen zu mehr Sichtbarkeit verhelfen will

Während sich DEFA-Filme früher auf DVD sehr gut verkauften, lassen die Klickzahlen auf Streaming-Portalen aktuell noch zu wünschen übrig. Damit fällt eine der Haupteinnahmequellen der Stiftung weg, die heute über 700 Spielfilme der DEFA verwahrt. Stiftungsleiterin Stefanie Eckert erklärt im Gespräch mit MDR KULTUR, warum DEFA-Filme auf Online-Plattformen bisher noch keine großen Erfolge erzielten und wie die Stiftung das in Zukunft ändern will.

Die DEFA-Stiftung verwaltet sämtliche Filme der DEFA und macht sie als Teil des nationalen Kulturerbes für die Öffentlichkeit nutzbar. Dazu zählen 700 Spielfilme, rund 2.500 Dokumentar- und Kurzfilme sowie 950 Animationsfilme. Doch der Trend weg von der DVD hin zum Streaming schlägt sich bei der Filmerbeeinrichtung negativ zu Buche, wie Vorständin Stefanie Eckert im Gespräch mit MDR KULTUR mitteilte.

Die DEFA-Stiftung leide darunter, dass der DVD-Verkauf in den letzten Jahren massiv zurückgegangen sei. Das sei eine der Haupteinnahmequellen gewesen, da die private Stiftung keine institutionelle Förderung vom Bund erhalte. Auch wenn Filme im Fernsehen gezeigt oder online gestreamt werden, bekomme die Stiftung dafür zwar gewisse Prozente. Allerdings können diese Einnahmen den DVD-Einbruch nicht ausgleichen.

Also heutzutage hat eben nicht mehr unbedingt jeder das Bedürfnis, eine DVD physisch in der Hand zu haben und sie dann auch zu besitzen, sondern es wird immer mehr gestreamt. Und die Umsätze, die man mit dem Stream hat, die gleichen noch nicht die Verluste bei den DVDs aus.

Stefanie Eckert, DEFA-Stiftung

Werbung auf Instagram, Twitter und co.

Das liege auch daran, dass DEFA-Filme auf den Streaming-Plattformen wenig sichtbar seien. Während man im stationären Handel als DVD greifbar war, sei man auf Online-Plattformen erstmal unsichtbar. Wer nicht gezielt nach DEFA suche, würde bei Plattformen wie Amazon Prime auch keine Filme wie die Legende von Paul und Paula vorgeschlagen bekommen.

Laut Eckert rentiere es sich nicht mehr, Bannerwerbung zu kaufen, um Aufmerksamkeit zu generieren. Heute müsse man über Online-Kanäle wie Instagram oder Twitter Werbung machen und zeigen, dass man präsent ist:

Man muss über Presse, über Radio, über Fernsehen immer wieder auch zeigen: Es gibt uns. Und das ist deutlich anstrengender geworden als noch vor einigen Jahren.

Stefanie Eckert, DEFA-Stiftung

Mehr Unterhaltungsfilme ans Licht bringen

Paul (Winfried Glatzeder) will Paula (Angelica Domröse) zurückerorbern. Er kampiert vor ihrer Wohnungstür, Paula geht am Morgen heimlich weg.
"Die Legende von Paul und Paula kennt ja jeder", so die Stiftungsleiterin. Sie will in Zukunft mehr DEFA-Unterhaltungsfilmen zu Sichtbarkeit verhelfen. Bildrechte: mdr/rbb/PROGRESS Film-Verleih/Herbert Kroiss

Die Stiftungsleiterin beklagt weiter, dass DEFA-Filmen in der Vergangenheit nur Beachtung geschenkt wurde, wenn sie gesellschaftspolitische Aussagen getroffen hätten. Die vielen Unterhaltungsfilme seien da durchs Raster gefallen und sollen in Zukunft mehr Aufmerksamkeit bekommen. Mit einer Konferenz will sich die Stiftung Ende 2021 dem Unterhaltungsgenre der DEFA zunächst wissenschaftlich nähern.

Die Digitalisierung aller DEFA-Filme soll in den nächsten Jahren helfen, sich im Online-Geschäft zu etablieren. Die Stiftung arbeite daran, jedes Jahr eine Auswahl an 70-Millimeter-Filmen zu digitalisieren und dann entsprechend neu im Kino, auf Blu-Ray und auf Festivals zu zeigen. Eckert hofft, dass DEFA-Filme in Zukunft wieder an frühere Erfolge anknüpfen können, als diese noch ein Millionenpublikum angezogen haben.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. Mai 2021 | 12:00 Uhr

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