MDR-Produktionen im Rennen Deutscher Dokumentarfilmpreis: "Garagenvolk" und "Lugau City Lights" nominiert

Zwei MDR-Produktionen sind für den Deutschen Dokumentarfilmpreis nominiert. Ins Rennen gehen die Milieustudie "Garagenvolk" von Natalija Yefimkina und die Musik-Doku "Lugau City Lights" von Alexander Kühne und Tim Evers. Verliehen werden die mit insgesamt 33.000 Euro dotierten Auszeichnungen im Juni online.

Garagen in Russland
"Garagenvolk" - Blick in eine andere Welt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der MDR freut sich über zwei Nominierungen für den Deutschen Dokumentarfilmpreis 2020: Ins Rennen um den Hauptpreis geht die MDR/ARTE-Koproduktion "Garagenvolk" von Natalija Yefimkina. Für den Bereich Musik nominierte die Jury "Lugau City Lights - Ein DDR Dorf schreibt Popgeschichte". Der Hauptpreis ist mit 20.000 Euro dotiert und wird von SWR und der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG) gestiftet.

"Garagenvolk" - Dokfilm als Milieustudie

Garagen in Russland 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In "Garagenvolk" taucht Regisseurin Natalija Yefimkina ein in die Welt einer morbiden Garagenanlage, sie erweist sich als Refugium der Männer in einem nordrussischen Bergarbeiter-Ort. Yefimkina zeigt die Garage als alternativen Lebensraum, in dem die Männer Maschinen aus Schrott bauen, Wachteln züchten oder Heiligenfiguren schnitzen, einer der Protagonisten gräbt sich – scheinbar ziellos – unterhalb seiner Garage mehrere Stockwerke in die Tiefe. Der Dokumentarfilm feierte auf der Berlinale Premiere und wurde dort mit dem Heiner-Carow-Preis ausgezeichnet.

Porträt Natalija Yefimkina
Regisseurin Natalija Yefimkina Bildrechte: MDR/Tamtam Film Alex Schneppat

Eine Garagen-Siedlung ist ein Phänomen, das jedem Russen bekannt ist. Ich war als Regieassistentin mit einem Spielfilmprojekt auf der Kola-Halbinsel. Alles, was ich dabei brauchte, habe ich in einer Garage besorgt. Da habe ich verstanden, dass sich in der Garage das eigentliche Leben in Russland abspielt.

Natalija Yefimkina, Regisseurin

"Lugau City Lights - Ein DDR Dorf schreibt Popgeschichte"

Wie ein Dorf im Süden Brandenburgs zu DDR-Zeiten Pop-Geschichte schrieb, erzählt dieser Dokumentarfilm von Alexander Kühne und Tim Evers. Kühne gründete Anfang der 1980er-Jahre in Lugau einen Club, weil sonst nichts los war. Der Erfolg überraschte ihn selbst. Fast alle Musiker, die Kühne und seine Freunde anfragten, kamen nach Lugau. Schließlich wurde der Club "Extrem" Kult, was auch die Staatsgewalt auf den Plan rief. Aus seinen Erinnerungen hatte Kühne in "Düsterbusch City Lights" bereits einen erfolgreichen Roman gemacht. Er erzählt darin von einer Generation, die sich emotional von der DDR verabschiedet hatte und eine eigene Subkultur entwickelte.

Preisverleihung online

Lugau City Lights: Ein DDR Dorf schreibt Popgeschichte
Im Club "Extrem" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Jury des Deutschen Dokumentarfilmpreises tagte in der vergangenen Woche per Videokonferenz. Aus 122 Einsendungen wurden zwölf Produktionen für den Hauptpreis nominiert. Zusätzlich wurden drei Dokumentarfilme aus dem Bereich der Musik von einer Fachjury für den Preis der Opus GmbH vorgeschlagen. Traditionell wird der Deutsche Dokumentarfilmpreis im Rahmen des SWR Doku Festivals in Stuttgart verliehen. Wegen der Corona-Pandemie kann das Festival nicht in gewohnter Form im Juni stattfinden, deswegen soll es eine Präsentation im Netz geben. Insgesamt sind 33.000 Euro Preisgeld in den verschiedenen Kategorien ausgelobt.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. Mai 2020 | 16:30 Uhr