MDR DOK Creative-Film "Wer braucht jetzt Kunst" Doku über Familie Kummer aus Chemnitz: Künstler im Corona-Lockdown

Die Chemnitzer Künstlerfamilie Kummer war, wie viele andere Kreative, massiv von den Corona-Einschränkungen betroffen: Vater Jan Kummer ist Bildender Künstler, Mutter Beate Düber Schauspielerin, die Töchter Nina und Lotta Kummer sind Mitglieder der Band Blond und die Söhne Felix und Till Kummer sind mit der Band Kraftklub erfolgreich. Aber ohne Theater, Konzerte und Ausstellungen waren sie während der Corona-Krise quasi arbeitslos. Wie sich die Künstlerfamilie im Homeoffice bei Laune und über Wasser gehalten hat, zeigt Filmemacher Olaf Held im MDR DOK Creative-Kurzfilm "Wer braucht jetzt Kunst".

Wer braucht jetzt Kunst 15 min
Bildrechte: MDR/Filmkombinat, Olaf Held

Jan Kummer ist seit mehr als 20 Jahren Bildender Künstler. Früher war das Chemnitzer Urgestein Sänger der DDR-Avantgarde-Band AG Geige – heute malt Kummer Bilder und verkauft diese weltweit. Als die Corona-Pandemie kam, wurden Ausstellungen und Auftritte abgesagt oder verschoben. Für den 50-Jährigen begann – wie für die gesamte Kunst- und Kulturbranche – eine lange Zeit des Wartens.

Wie diese genau aussieht, beleuchtet die 15-minütige Kurzdokumentation "Wer braucht jetzt Kunst" von Olaf Held. Sie ist eine von acht künstlerischen Kurzdokus der Reihe MDR DOK Creative, die unter dem Motto "Neustart! Neustart?" das Leben, die Sehnsüchte und die Ungewissheiten im Frühjahr 2021 thematisieren.

Einblick in den Corona-Alltag des Künstlers Jan Kummer

Regisseur Olaf Held gibt Einblick in den neuen Alltag des Künstlers und zeigt, dass er trotz allem weitermacht – zum Beispiel in seinem Atelier, wo er jeden Tag aufs Neue gegen das Nichtstun anmalt. "Ich habe mir in der jetzigen Zeit vorgenommen, damit ich nicht völlig aus irgendeinem Rhythmus komme, dass ich immer etwas Angefangenes daliegen habe, dass immer irgendwas da ist, woran ich weiterbastele", sagt er. Nichts tun dürfe nicht passieren – auch wenn er damit momentan eher Kunst auf Halde produzieren würde.

Szene aus dem Dokumentarfilm Wer braucht jetzt Kunst
Einfach weitermachen: Jan Kummer malt in der Corona-Pandemie gegen das Nichtstun an. Bildrechte: MDR/Olaf Held

Ausstellen kann Kummer seine Kunst in der Corona-Zeit nirgends. Die Hoffnung gibt er aber nie auf. Regelmäßig fragt er bei seiner Galeristin nach, wie es unter den aktuellen Corona-Regeln nun mit den geplanten Ausstellungen aussehe. Diese Telefonate führt er hartnäckig alle ein bis zwei Wochen.  

Szene aus dem Dokumentarfilm Wer braucht jetzt Kunst
Eine Künstlerfamilie im Homeoffice Bildrechte: MDR/Olaf Held

Während der Bildende Künstler daheim der Dinge harrt, ist er nicht alleine. Seine Familie ist eine Künstlerfamilie durch und durch, die allesamt von den Corona-Einschränkungen hart getroffen wurden: Die beiden Töchter Nina und Lotta sind Mitglieder der Band Blond, Mutter Beate Düber ist Schauspielerin. Für sie alle wurde in der Corona-Krise der Pausenknopf gedrückt: keine Auftritte im Theater, keine Konzerte, keine Ausstellungen, keine Jobs.

Familie Kummer – ein Teil der Chemnitzer Künstlerszene

Jan Kummer wurde 1965 in Weimar geboren und lebt seit vielen Jahren als Bildender Künstler in Chemnitz. Seit 1999 nutzt er für seine malerischen Arbeiten die Eglomisierung, eine Hintergrund-Glasmaltechnik in Kombination mit den Mitteln der Collage aus Stanniol und anderen Papieren. Er war Gründungsmitglied der Chemnitzer DDR-Alternativband AG Geige. Das Kunstprojekt fiel durch avantgardistisch-multimediale Musik- und Bühnenperformances auf. Kummer und seine Frau, Schauspielerin Beate Düber, sind die Eltern von Felix und Till Kummer (Mitglieder der Band Kraftklub) und Nina und Lotta (Mitglieder der Band Blond).

Eine "kreative Bedarfsgemeinschaft"

Lotta Kummer erklärt: "Wir sind ein bisschen eine kreative Bedarfsgemeinschaft. Wir sitzen hier den ganzen Tag im Atelier und spielen ein bisschen. Wir haben ja alle keine Jobs mehr" – während sie mit Schwester Nina im Atelier eines ihrer Homevideos für die Followerinnen und Follower des Instagram-Kanals der Band produziert. Kurze Partyvideos, als kleine Motivation, da man nirgends feiern kann, wie sie sagen. Vater Jan Kummer hilft tatkräftig, indem er ein rosa Plüsch-Laken als Hintergrund für das Video hochhält.

Szene aus dem Dokumentarfilm Wer braucht jetzt Kunst
Gemeinsam durch die Krise: Jan Kummer hilft seinen Töchtern bei ihren Homevideos für Instagram. Bildrechte: MDR/Olaf Held

Derweil versucht Beate Düber vom heimischen Esstisch aus mit einer Schulklasse in Plauen ein Theaterstück einzustudieren – online versteht sich. Der Kampf mit der schlechten Internetverbindung ist dabei nur einer von vielen.

Szene aus dem Dokumentarfilm Wer braucht jetzt Kunst
Beate Düber versucht in der Corona-Pandemie, mit Schulkindern über Videotelefonie in Theaterstück einzustudieren. Bildrechte: MDR/Olaf Held

"Theater, da muss man sich jetzt nix vormachen, das ist per se Kontakt, Körper, Bewegung. Eigentlich musst du vor Ort Sachen erklären, vormachen", sagt sie. Vom Homeoffice aus ist das alles nicht möglich. Da bekomme sie nicht mal mit, wie es den Kindern gehe. Die meisten machten nichtmal die Kamera an. "Man versucht ein bisschen, zu motivieren, aber es ist eben schwer rauszukriegen, was ihnen gefällt und was sie gerne machen würden. Das sagen sie dir nicht, sie sagen eben meistens nichts", sagt die Schauspielerin etwas frustriert.

Der Corona-Alltag der Künstlerfamile ist ein Alltag zwischen Stillstand und sturem Weitermachen. Regisseur Olaf Held, selbst gebürtiger Karl-Marx-Städter, hat diesen Stillstand – der die gesamte Kunst- und Kulturbranche lahmgelegt hat – in seiner Kurzdokumentation "Wer braucht jetzt Kunst" in schlaglichtartigen Momentaufnahmen festgehalten.

Über Olaf Held Olaf Held wurde 1970 in Karl-Marx-Stadt geboren und studierte an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam und ist seit 2011 als freier Regisseur, Dramaturg und Drehbuchautor tätig.

Er gibt Drehbuchkurse u.a. für die Chemnitzer Filmwerkstatt, ist Gastdozent der mitteldeutschen Nachwuchsförderung TP2 Talentpool und freier Autor für das MDR Kurzfilmmagazin Unicato. Helds Kurzfilme wurden mehrfach ausgezeichnet. So erhielt er den Goldenen Reiter beim Filmfest Dresden (2010, "Vatertag") und den Deutschen Kurzfilmpreis (2013, "Short Film").

Zur Dokumentarfilm-Initiative MDR DOK Creative Der Film "Wer braucht jetzt Kunst" ist einer von acht Kurzdokumentarfilmen der Filminitiative MDR DOK Creative. Unter dem Motto "Neustart! Neustart?" hatte der Mitteldeutsche Rundfunk Filmschaffende zur Teilnahme bei der Initiative aufgerufen – mit dem Ziel, die Branche zu stärken. Die Produktion der acht dokumentarischen Kurzfilmen wurde vom MDR mit 100.000 Euro finanziert.

Die acht ausgewählten Projekte feiern exklusiv beim 33. Filmfest Dresden am 15. Juli Premiere auf der großen Leinwand.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. Juli 2021 | 18:05 Uhr

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