MDR DOK Creative Sehenswerte Dokus über das Corona-Frühjahr 2021

Was tun, wenn die Meinungen zu Corona und zum Umgang mit der Pandemie die Familie spalten? Was macht eine Köchin im Corona-Lockdown, wenn ihr Restaurant nicht öffnen darf? Wie hält sich eine Künstlerfamilie über Wasser? Unter anderem diesen Fragen widmen sich die künstlerischen Dokumentarfilme der Reihe MDR DOK Creative, bei der regionale Filmemacherinnen und Filmemacher im Frühjahr 2021 den Problemen und Folgen der Corona-Pandemie nachgegangen sind. Beim Filmfest Dresden feiern die Filme ihre Weltpremiere.

Sendereihenbild MDR Dok Creative 5 min
Acht Kurzdokumentarfilme sind im Rahmen der Initiative MDR DOK Crfeative entstanden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Ein Jahr März" von Judith Meister und Samuli Salonen

Die Leipziger Filmemacherin Judith Meister und der Filmemacher Samuli Salonen haben in ihrem Film "Ein Jahr März" versucht, den Geist der Corona-Zeit einzufangen. Dafür haben sie sich gemeinsam mit Schauspieler Soheil Boroumand auf eine Reise durch die Stadt begeben und Leipzigerinnen und Leipziger nach ihrer Zeit in der Pandemie befragt: Hatten Sie mehr Zeit nachzudenken? Haben Sie noch Hoffnungen? Sollte alles werden wie zuvor, oder was sollte sich vielleicht ändern? Vier Tage waren sie dafür in vier verschiedenen Stadtteilen unterwegs. Das Ergebnis ist ein schwarz-weißer Kurzdokumentarfilm, in dem 24 Menschen vor der Kamera spontan über das vergangene Jahr nachdenken.

Ein Jahr März 13 min
Bildrechte: MDR/Samuli Salonen

Über Judith Meister und Samuli Salonen

Judith Meister hat Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien studiert. Neben der Umsetzung eigener Kurzfilme und Videoinstallationen arbeitet sie seit 2015 als Kamerafrau und Videokünstlerin für Theaterproduktionen und Performances, unter anderem am Schauspiel Leipzig und mit verschiedenen freien Gruppen.

Samuli Salonen ist Filmemacher und lebt in Leipzig. Er hat 2010 die Audiovisuelle Medienschule in Helsinki absolviert und arbeitet seitdem als freier Cutter, Kameramann und Regisseur. Seit 2011 hat er mehrere Kurzfilme und Musikvideos produziert. Sein letzter Kurzdokumentarfilm "About Finnish Manhood" feierte auf dem DOK Leipzig 2019 Premiere.

"Morgengesang mit Autobahn" von Jonas Eisenschmidt und Marc Eberhard

Vom Industrie-Sound zu den Klängen der Natur: Patrick Franke ist Feldbiologe und sogenannter Field-Recordist. Er geht hinaus in Freie und nimmt dort unter anderem Vogel- und andere Tierstimmen auf. Für ihren Kurzdokumentarfilm "Morgengesang mit Autobahn" haben die beiden Leipziger Filmemacher Jonas Eisenschmidt und Marc Eberhard den Ornithologen Franke begleitet und festgehalten, was er da "draußen" sucht und was er findet. Entstanden ist ein Film über Geduld, Sehnsucht, Klangkunst aus Vogelstimmen und unseren Umgang mit der Natur – vor allem in Zeiten der Corona-Pandemie.

 

"Sara" von Claudia Euen

Der Film "Sara" erzählt von einem 15-jährigen Mädchen in Hoyerswerda. Sara trifft sich mit Freunden, liebt Serien und ist genervt vom Homeschooling während der Corona-Krise. All das, was auf den Großteil ihrer Generation zutreffen könnte, wird begleitet von einer großen Ungewissheit: Sara Aliev könnte jeden Tag abgeschoben werden. Vor sechs Jahren kam sie mit ihren Eltern aus Georgien nach Deutschland auf der Suche nach einem besseren und sicheren Leben. Die Leipziger Autorin und Filmemacherin Claudia Euen nimmt den Zuschauer mit in den Alltag der 15-Jährigen – in die Schule, zum Treffen mit der Freundin oder den Ausflug mit Eltern und zu ihren Lehrern und den Menschen, die sie unterstützen – und zeigt ein Leben zwischen jugendlichem Freiheitsdrang und Zukunftsplänen und der ständigen Sorge vor der Abschiebung.

Sara 15 min
Bildrechte: MDR/Yellowtable Media, Claudia Euen

Über Claudia Euen

Claudia Euen ist Filmemacherin und Autorin aus Leipzig. Nach einem Studium in Weimar und Lyon und diversen Auslandsaufenthalten arbeitet sie seit 2012 als freischaffende Autorin und Filmemacherin. Euen war Chefredakteurin des Leipziger Stadtmagazins "Kreuzer" und realisierte Texte, Radio- und Fernsehreportagen, unter anderem für den MDR, Deutschlandfunk und Spiegel Online. Seit 2017 ist sie außerdem Autorin für die Politischen Magazine des MDR.

"Die Stimme der Elefanten" von Chiara Fleischhacker

Elefantenohren waschen, Gehege säubern, Tiere füttern und beschäftigen: In "Die Stimme der Elefanten" wirft Dokumentarfilm-Regie-Studentin Chiara Fleischhacker einen Blick in den Zoopark Erfurt – genauer gesagt in das Elefantenhaus. Denn auch wenn im Corona-Lockdown die Zoobesucher ausbleiben, geht für Tiere und Pfleger die Routine weiter. In dem 15-minütigen Kurzdokumentarfilm erzählen sie von "ihrer" Herde und wie sie den Alltag ohne Besucherinnen und Besucher erleben. Fleischhacker zeigt auch, wie sehr die Erfurterinnen und Erfurter die Tiere vermisst haben.

Die Stimme der Elefanten 15 min
Bildrechte: MDR/Chiara Fleischhacker

Über Chiara Fleischhacker

Chiara Fleischhacker wurde 1993 in Kassel geboren. Sie studiert seit 2015 an der Filmakademie Baden-Württemberg Dokumentarfilm-Regie und lebt in Erfurt. Während ihres Studiums drehte sie drei Dokumentarfilme und drei szenische Kurzfilme, die auf zahlreichen, internationalen Filmfestivals liefen und mehrfach ausgezeichnet wurden. Zuletzt drehte sie einen persönlichen Dokumentarfilm "Die Störche fliegen hoch", der im Rahmen von "Corona Creative" im MDR veröffentlicht wurde.

"Immer wieder von vorn" von Lutz Gregor

In "Immer wieder von vorn" erzählt der freie Filmemacher Lutz Gregor die Geschichte von Fatim aus Halle-Neustadt – eine Frau voller positiver Energie. Die 40-Jährige ist vor mehr als zehn Jahren der Liebe wegen von Mali nach Deutschland gekommen. Mittlerweile ist die Ehe in die Brüche gegangen, doch Fatim ist geblieben. In wöchentlichen Briefen an ihre Schwester in Mali gibt Fatim Einblicke in die zahlreichen Neuanfänge, die sie durchlebt hat und die ihr bevorstehen. "Immer wieder von vorn" ist eine 15-minütige Geschichte von Mut und Durchhaltevermögen, von Wünschen und Hoffnungen und über die Unterschiede der Menschen in Mali und Halle – auch im Umgang mit der Corona-Pandemie.

Immer wieder von vorn 15 min
Bildrechte: MDR/Lutz Gregor

Über Lutz Gregor

Lutz Gregor arbeitet seit 1983 als freier Filmemacher für verschiedene Fernsehsender. Seine Arbeiten umfassen international ausgezeichnete Dokumentarfilme, Fernsehdokumentationen sowie Tanzfilme. Er unterrichtet an Medien-, Tanz- und Kunsthochschulen. Sein bekanntester Film "Mali Blues" ist 2016 erfolgreich in den deutschen und amerikanischen Kinos und auf internationalen Festivals gelaufen und war einer der zwölf Nominierten des Deutschen Dokumentarfilmpreises 2017.

"Wer braucht jetzt Kunst" von Olaf Held

Was macht eine Künstlerfamilie in Corona-Zeiten, wenn keine Konzerte, Ausstellungen oder Theatervorstellungen möglich sind? Dieser Frage geht der gebürtige Chemnitzer Olaf Held in seiner 15-minütigen Dokumentation "Wer braucht jetzt Kunst" nach. Der Filmemacher zeigt Momentaufnahmen der Chemnitzer Künstlerfamilie Kummer, die während der Pandemie zwischen Stillstand und sturem Weitermachen kämpft: Während Vater Jan Kummer gegen das Nichtstun anmalt, performen die Töchter Nina und Lotta Homevideos für die Fans ihrer Band Blond, und Mutter Beate Düber versucht, per Online-Unterricht ein Theaterstück einzustudieren. Familie Kummer steht sinnbildlich für eine ganze Branche, für die im Lockdown der Pausenknopf gedrückt wurde.

Wer braucht jetzt Kunst 15 min
Bildrechte: MDR/Filmkombinat, Olaf Held

Über Olaf Held

Olaf Held hat an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam studiert und ist seit 2011 als freier Regisseur, Dramaturg und Drehbuchautor tätig. Er gibt Drehbuchkurse, unter anderem für die Chemnitzer Filmwerkstatt, ist Gastdozent der mitteldeutschen Nachwuchsförderung TP2 Talentpool und freier Autor für das MDR Kurzfilmmagazin "Unicato". Helds Kurzfilme wurden mehrfach ausgezeichnet. So erhielt er den Goldenen Reiter des Filmfests Dresden (2010, "Vatertag") und den Deutschen Kurzfilmpreis (2013, "Short Film").

"Die Überkümmelung des Wassers" von Maik Priebe

Das Restaurant "Frieda" in Leipzig hat im März 2020 einen Michelin-Stern erhalten – doch in den Genuss der Sterneküche kamen 2020 wohl nur wenige. Als Filmemacher Maik Priebe Mitte April 2021 zu den Dreharbeiten vor Ort ist, ist das Restaurant seit sechs Monaten coronabedingt geschlossen. Die Küche bleibt dennoch nicht kalt: Inhaberin Lisa Angermann und ihr Lebensgefährte Andreas Reinke entwickeln köstliche Kreationen für die Zeit nach der Pandemie. Priebes Doku "Die Überkümmelung des Wassers" beleuchtet die Schwierigkeiten der Gastronomen in der Krise und hält gleichzeitig ihre Kochkunst in beeindruckenden Makroaufnahmen fest.

"Ich weiß nicht" von Jan-Luca Ott

Die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen hat in der Gesellschaft zu vielen Debatten geführt, die teils sogar Familien gespalten haben. Bei der Mutter des Filmemachers Jan-Luca Ott aus Leipzig haben sich Kritik an Corona-Einschränkungen und am kapitalistischen System mit Verschwörungsmythen gemischt. Darüber hat er regelmäßig mit ihr diskutiert – am Telefon und später auch wieder bei Besuchen – und mit Argumenten dagegen gehalten. Trotz aller Konflikte bleiben beide miteinander im Gespräch. Das hat Jan-Luca Ott in seinem Film "Ich weiß nicht" festgehalten.

Ich weiß nicht 9 min
Bildrechte: MDR/Jan-Luca Ott

Über Jan-Luca Ott

Jan-Luca Ott studiert seit 2018 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Er ist Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes und als freier Künstler tätig sowie als Regisseur, freier Autor, Editor und Kameramann im Bereich Film und Fernsehen.

Zur Dokumentarfilm-Initiative MDR DOK Creative Unter dem Motto "Neustart! Neustart?" hatte der Mitteldeutsche Rundfunk im Februar 2021 Filmschaffende zur Teilnahme bei der Dokumentarfilm-Initiative "DOK Creative" aufgerufen – mit dem Ziel, die Branche zu stärken. Die Produktion von acht dokumentarischen Kurzfilmen wurde vom MDR mit 100.000 Euro finanziert.

Die acht ausgewählten Projekte von sowohl etablierten als auch jungen Regisseurinnen und Regisseuren feiern exklusiv beim 33. Filmfest Dresden am 15. Juli Premiere auf der großen Leinwand.

Mehr zu MDR DOK Creative und anderen Dokus

Ein Jahr März 8 min
Bildrechte: MDR/Judith Meister

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 15. Juli 2021 | 22:40 Uhr

Abonnieren

Kultur

Katrin Schumacher mit Audio
MDR Literaturexpertin Katrin Schumacher reist nach Brünn und Prag, um wichtige tschechische Autoren im Vorfeld der Leipziger Buchmesse zu treffen. Bildrechte: MDR/Uwe Mann, honorarfrei