"Animation Perspectives" DOK Leipzig beleuchtet das Potential des Animationsfilms

Blick auf Architektur im Stil von Mies van der Rohe von Claudia Archer
Claudia Archers Blick auf die Architektur von Mies van der Rohe: Fotografien von seinen Bauelementen sind um ihre eigene Achse gedreht und überlagert, bis alles miteinander verschmilzt. Bildrechte: DOK Leipzig 2021, Collapsing Mies, Claudia Larcher

Trends im Filmbereich, speziell auch beim Animationsfilm auszumachen, dafür stand und steht das Internationale Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm. Mit der Reihe "Animation Perspectives" schaut man vor allem in die Randbereiche der Animation. Es geht darum, das Potential dieses Genres auszuloten. Dafür werden jeweils zwei Filmschaffende eingeladen, die sowohl mit ihren Arbeiten auf der Leinwand, als auch persönlich miteinander und mit dem Publikum in Dialog treten. In diesem Jahr, zur dritten Ausgabe dieses Formats, wurden zwei international ausgezeichnete Künstlerinnen eingeladen: die Österreicherin Claudia Larcher und Randa Maroufi aus Marokko.

Tableaux vivants und collagierte Fotografie

Die Arbeiten von Claudia Larcher und Randa Maroufi haben vieles gemeinsam. Allein ästhetisch bedienen sich die Filmemacherinnen ähnlicher Mittel: Immer sind es langsame, geradlinige, nahezu meditative Kamerafahrten und -schwenks, vermeintliche One-Shot-Filme. Ebenso arbeiten sie an der Schnittstelle zwischen Bewegtbild und Stillleben. Tableaux vivants sind ein häufig wiederkehrendes Thema bei beiden, die sich vordergründig im dokumentarisch-experimentellen Genre bewegen.

Die Animation indessen offenbart sich in den Videoarbeiten Randa Maroufis und Claudia Larchers vielmehr durch subtile Eingriffe. So existieren Kamerafahrten oftmals nur virtuell, führen durch und in collagierte Fotografien hinein. An anderer Stelle sind es unscheinbare Manipulationen in den realistisch wirkenden Bildern, die durch ihre Merkwürdigkeiten die vermeintliche Kontinuität der Erzählung unterbrechen.

Einblick in eine häusliche Werkstatt mit einem Segelbild an der Wand. Szene aus dem Film "Heim" der österreichischen Filmemacherin Claudia Larcher
Szene aus dem Film "Heim" der österreichischen Filmemacherin Claudia Larcher Bildrechte: DOK Leipzig 2021, Heim, Claudia Larcher

Animation ist letztlich nur eine technische Geschichte und originär ist es, dass man zwischen zwei Bildern einen Eingriff hat.

André Eckardt, Programmkurator, Leiter der Sektion Animation bei DOK Leipzig

Ein Hauch von Hitchcock

In "Heim" der österreichischen Filmemacherin Claudia Larcher gleitet der Kamerablick durch ein Einfamilienhaus, vom Dachboden bis in den Keller, tastet Raum für Raum samt Inventar ab. Jemand klingelt an der Tür, schemenhaft erkennt man durch das Glas dessen Umrisse, ein Telefon läutet, an der Wand im Schlafzimmer lehnt eine Flinte. Die unheimliche Spannung, die sich hier aufbaut, erinnert an die Meisterwerke eines Alfred Hitchcocks oder auch eines David Lynchs, nur dass das schockierende Moment am Ende ausbleibt.

Mies van der Rohe gedreht und geschichtet

Ihre Faszination für Architektur spiegelt sich unter anderem in "Collapsing Mies" wider. Hier collagiert Claudia Larcher, Jahrgang 1979, Fotografien von Bauelementen des bedeutenden Architekten Mies van der Rohe – Rahmen von Fenstern und Türen, Treppenläufe, Fassaden - lässt diese sich um ihre eigene Achse drehen, mehrfach überlagern, bis schließlich alles so über- und ineinander geschichtet ist, miteinander verschmilzt, dass jeglicher Raum dazwischen, jegliche Transparenz verdrängt wird.

Die Zwischenwelten von Randa Maroufi

Alltagsszene an der Grenze zwischen der spanischen Exklave Ceuta und Marokko.
Szene aus "Ceutas Gate" von Randa Maroufi Bildrechte: DOK Leipzig 2021, Ceuta's Gate, Randa Maroufi

Die aus Marokko stammende Randa Maroufi nimmt den Betrachter in ihrer Arbeit "The Park" mit in einen verlassenen und heruntergekommenen Vergnügungspark in Casablanca, ein Rückzugsort für Jugendliche. Die Medienkünstlerin lässt die Jugendlichen ihren von Langeweile und Gewalt geprägten Alltag in durchkomponierten Szenerien und Tableaux vivants - eingefrorene Bilder - nachstellen. Dabei zeigt Maroufi auch, wie sie durch die sozialen Medien der restriktiven Gesellschaft ihres Landes ins Internet entfliehen, wo sie internationale Trends aufsaugen und sich selbst darstellen.

Drei junge Leute in einem Park in Casablanca. Szene aus "The Park" von Randa Maroufi
Szene aus "The Park" von Randa Maroufi Bildrechte: DOK Leipzig 2021, The Park, Randa Maroufi

Information zur Veranstaltung "Animation Perspectives" Donnerstag, 28.10. um 21:00 Uhr
Passage Kinos Wintergarten

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 28. Oktober 2021 | 07:10 Uhr