Dokumentarfilm "Waterproof" – Starkes Filmdebüt über die erste Klempnerin Jordaniens

Frauen in muslimischen Ländern dürfen nichts – so das gängige Klischee. Damit will die Doku "Waterproof" der Görlitzerin Daniela König nun aufräumen. Sie porträtiert eine Gruppe von selbstbewussten und emanzipierten Frauen, die in Jordanien die ersten Klempnerinnen sind.

Vier Frauen stehen auf einem flachen Hausdach, eine trägt einne Staubsauger in der Hand
Bisher ein Novum in Jordanien: Ein Team aus Klempnerinnen. Bildrechte: Daniela König

Wenn in Jordanien ein Klempner gerufen wird, steht normalerweise ein Mann vor der Tür. Ist eine Frau einem muslimisch geprägten Land wie Jordanien dann alleine zu hause wird es problematisch, denn: Nur wenn ein männlicher Verwandter dabei ist, dürfen Frauen einen Handwerker in ihr Haus lassen.

Ein Klempnerinnen-Team als Lösung

Ein Klempnerinnen-Team verspricht also die Lösung: Khawla und Aysha sind zwei von ihnen – und sie porträtiert der Film "Waterproof". Während die beiden an Armaturbrettern schrauben und Rohre inspizieren, tauschen sie sich nebenbei über ihr Leben und ihre Träume aus, werden zu Freundinnen.

Der jungen Filmemacherin Daniela König aus Görlitz gelingt ein empathisches Dokumentarfilmdebüt. Ein Coming-of-Age Film für Frauen ab 40, der sich der Frage stellt: Kann ich mich nochmal neu erfinden? Und was muss ich dafür tun? Für Ayscha und Khawla ist das ganz klar: Sie haben noch viele Wünsche. Dazu gehört auch ein eigenes Unternehmen zu gründen und ganz einfach ihr eigenes, selbstbestimmtes Leben zu führen.

"Waterproof" will Stereotype abbauen

Die Regisseurin des Films "Waterproof", Daniela König.
Regisseurin des Films, Daniela König. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Aus der deutschen Perspektive würde man vermuten, dass genau das für Frauen in einem Land wie Jordanien schwer bis unmöglich ist. Der Film zeigt – und das ist auch sein Verdienst – dass das nur die halbe Wahrheit ist. Regisseurin König will darauf aufmerksam machen, dass das Vorurteil, dass muslimische Frauen "nichts dürfen", einfach nicht stimme.

Gerade Jordanien ist ein unheimlich liberales Land.

Daniela König, Regisseurin

Wenn man durch die Straßen Ammans gehe, sagen teilweise die Frauen den Männern wo es lang gehe, so König. Die sei auch eine ihrer Intentionen gewesen: "Stereotypen abbauen und den Leuten zeigen, so dass eure Assoziationen sind nicht immer richtig, da steckt noch so viel mehr dahinter, es ist nicht immer nur der Nahe Osten sondern es ist, ja, ein Land, was Repräsentation verdient hat."

Gegenseitige Unterstützung

Während der Recherche- und Dreharbeiten zu "Waterproof" lernt sie das jordanische Selbstverteidigungsprogramm "SheFighter" kennen. Und Sarah Barakah. Zusammen mit ihr hat sie die Idee, außschließlich Frauengruppen zu trainieren, nach Deutschland gebracht. Mittlerweile bieten sie Workshops an und bringen Frauen Kampfsport- und Selbstverteidigungstechniken bei. Die Message dahinter: unterstützt euch!

König sagt: "Es geht um starke Frauen. Die Zeiten für den Ellenbogen sind halt einfach vorbei." Das alles sei unnötig – und deshalb sei es ihr sowohl mit dem Film als auch bei "SheFighter" wichtig, dass sich Frauen gegenseitig unterstützen.

Der Traum der Selbstständigkeit

Filmszene aus 'Waterproof'
Filmszene aus "Waterproof" Bildrechte: Rise and Shine Cinema

Sich selbst verwirklichen und etwas wagen – das macht auch Aysha. Als alleinstehende Frau kümmert sie sich nach dem Tod ihres Mannes nicht nur um den Haushalt, sondern auch um ihre Kinder und erfüllt sich oben drauf noch ihre Wünsche. Ihr Ziel: eines Tages ein eigenes Unternehmen starten. Der Weg dahin muss nicht immer knochenhart sein.

Noch vor ihrem 40. Geburtstag realisiert Aysha den Traum der Selbstständigkeit, verteilt Visitenkarten in ihrem Dorf. Die Reaktionen der Männer darauf: überraschend wohlwollend.

Inspiration für junge Mädchen

Filmszene aus 'Waterproof'
Filmszene aus "Waterproof" Bildrechte: Rise and Shine Cinema

Daniel König fansziniere das, weil es noch nicht genug Geschichten über starke Frauen gebe. "Es muss halt einfach mal jemand mit einer Kamera kommen und sagen: Ey, guck mal, die reißt das gerade voll." Und das Schöne am Filmemachen und Aufzeigen so starker Persönlichkeiten sei es, so die Regisseurin, dass es eine Art Schneballeffekt gebe. "Am Ende sieht es ein junges Mädchen und fühlt sich davon inspiriert."

Die jordanischen Klempnerinnen kommen uns sehr nah, auch, weil sie uns ähnlicher sind, als wir denken. Die Stärke und Heiterkeit die sie ausstrahlen steckt an und macht "Waterproof" zu einem überraschenden Filmdebüt. Seine größte Leistung: Starke Frauen vor und hinter der Kamera.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | artour | 05. März 2020 | 22:05 Uhr

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