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Konnte für die Verfilmung von Heinrich Schütz' "Auferstehung" gewonnen werden – der Urban Dancer Christian "Robozee" Zacharas Bildrechte: Carsten Beier

"Auferstehung"Wie ein Film die Musik von Heinrich Schütz zum Leuchten bringt

09. April 2023, 04:00 Uhr

Fragte man jemanden vor 400 Jahren, warum wir eigentlich Ostern feiern, hätte er oder sie bestimmt die Antwort gewusst: Die Auferstehung Jesu Christi. Der Kirchgang und damit das Wissen um die biblischen Hintergründe war allgegenwärtig – auch dem damaligen Dresdner Hofkapellmeister Heinrich Schütz, der ein entsprechendes Werk dazu komponierte: die "Auferstehungshistorie". Diese wurde zu Ostern 1623 in Dresden uraufgeführt und wird nun als Film "Auferstehung" eindrucksvoll neu erzählt. Am 9. April feierte der Film in der Schauburg seine Premiere.

von Uta Burkhardt, MDR KULTUR


Zuerst erscheint eine weiße, fast transparente Leinwand. Dahinter ein Körper, ein dünner Körper, nur die Konturen werden sichtbar. Dazu erklingt lyrischer Satzgesang. "Die Auferstehung unseres Herren Jesu Christi" von Heinrich Schütz, vertont im Jahre 1623, wird im Film "Auferstehung" um die Welt der Bilder erweitert: Mit langen Einstellungen, mit gekonntem Einsatz von Licht und Schatten, mit nackten Füßen auf frischem Gras.

Heinrich Schütz beim Wort genommen

"Warum wir gesagt haben, wir machen nicht nur ein Konzert oder eine Performance, sondern drehen einen Film," erklärt Alexander Schneider, der künstlerische Leiter des Projekts, "war, dass Schütz in seiner Anweisung schrieb, dass da vieles mehr sei als nur eine normale Konzertsituation."

Das Ensemble Polyharmonique ist auf die Vokalmusik der Renaissance- und Barockzeit spezialisiert. Bildrechte: Carsten Beier

Diese Anweisung des Komponisten habe man wörtlich genommen, sagt der künstlerische Leiter Alexander Schneider. Gemeinsam mit dem Musikdramaturgen Oliver Geisler entwickelte der Sänger ein Konzept, wie man die "Auferstehungshistorie" filmisch umsetzen könnte. Zu Schütz‘ Zeiten war den Menschen die Ostergeschichte präsent: Jesus‘ Kreuzigung am Karfreitag, das leere Grab, die Wiederauferstehung am dritten Tag.

Wir haben einen Weg gefunden etwas über das Unbegreifliche zu erzählen, über Liebe, Verlust, Tod. Und so hat es vielleicht doch etwas mit uns zu tun – selbst wenn man kein religiöser Mensch ist.

Oliver Geisler, Musikdramaturg

Für die Realisierung des Films holten Schneider und Geisler dann viele Kollegen und Kolleginnen ins Boot – etwa das auf Barockmusik spezialisierte Vokalensemble Polyharmonique, dazu ein Kammerorchester, das auf historischen Instrumenten spielt, einen Tänzer und eine Tänzerin.

Gelungenes Zusammenspiel von Musik und Tanz

"Das Besondere ist, dass wir nicht nur zeitgenössischen Tanz dabeihatten", sagt der künstlerische Leiter, Alexander Schneider, sondern auch einen "Urban Dancer", der ganze neue Formen findet, den Text, den Schütz vertont hat, auszudrücken.

Die Art und Weise, wie sich "Robozee", der Urban Dancer, zur Musik bewegt, ist tatsächlich sehr ästhetisch: oft sind es nur die Hände, die sich minutenlang geschmeidig ineinander verschlingen, dann der ganze Körper. "Popping" nennen die Breakdancer diesen Tanzstil, doch hier ist es mehr das Gefühl, das die Schütz‘sche Musik erzeugt – ein meditatives Tanzen, das die mystische Stimmung um die Geschehnisse der Auferstehung nachempfindet.

Die Tänzerin Giulia Russo und der Urban Dancer Christian "Robozee" Zacharas halfen, Heinrich Schütz' "Auferstehung" in Szene zu setzen. Bildrechte: Carsten Beier

Schütz' "Auferstehung" als Gesamtkunstwerk

Gedreht wurde im Sommer 2022 im Zentralwerk in Dresden mithilfe der Filmproduktionsfirma CentreFilms aus Radebeul. Die Filmemacher kommen selbst aus der Tanzszene, sind also mit Musik und Bewegung vertraut und wissen deshalb sehr gut, welche Effekte und Techniken sich für einen solchen Film eignen.

"Wir haben mit Kranfahrten gearbeitet, mit Vertigo-Effekten, mit Nebel", sagt der Regisseur und Filmproduzent Felix Roßberg. "Manches haben wir erst vor Ort ausprobiert – etwa den Tanz von oben zu filmen. Auch die Länge des Films war eine Herausforderung: 50 Minuten, das ist anders, als wenn man kurze Videos oder Imagefilme dreht."

Der Film "Auferstehung" ist ein gelungenes Zusammenspiel von Musikerinnen und Musikern, Sängern, Tänzern und Film-Crew. Bildrechte: Carsten Beier

Das Gesamtkunstwerk kann nun im Kino bestaunt werden: Am Ostersonntag, dem 9. April 2023, wird der Film "Auferstehung" in Dresden erstmals gezeigt – 400 Jahre nach der Uraufführung des Werks von Heinrich Schütz.

Weiterführende Informationen"Auferstehung" – eine filmische Erzählung über Liebe, Glauben und das Unbegreifliche mit Musik von Heinrich Schütz

Premiere:
So, 9. April 2023, 19 Uhr
Filmtheater Schauburg Dresden

Im Anschluss an den Film: Talk mit den Macherinnen und Machern

(Redaktionelle Bearbeitung: Tina Murzik-Kaufmann)

Musik und Theater in Sachsen

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 09. April 2023 | 08:15 Uhr