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Von Dresden nach Hollywood: Robert Siodmak schuf weltberühmte Filmklassiker – heute ist er in Vergessenheit geraten. Bildrechte: dpa

FilmregisseurRobert Siodmak: Wie ein Sachse in Hollywood Karriere machte

28. März 2023, 15:25 Uhr

Der Dresdner hat in Deutschland, in Frankreich und in Hollywood gearbeitet, auf sein Konto gehen Werke wie der Stummfilmklassiker "Menschen am Sonntag", der Abenteuerfilm "Der rote Korsar" oder der Film noir "Rächer der Unterwelt". Der Filmregisseur Robert Siodmak wurde 1900 in Dresden geboren, floh vor den Nazis in die USA und war in Hollywood als Regisseur erfolgreich. Nach Europa zurückgekehrt, konnte er an diese Erfolge nicht mehr anknüpfen und geriet in Vergessenheit. Am 10. März 2023 jährt sich sein Todestag zum 50. Mal – ein guter Anlass um auf sein bewegtes Leben zwischen Sachsen und Hollywood zu blicken.

von Tom Hartmann, MDR KULTUR

Robert Siodmak hat in seinen Erinnerungen "Zwischen Berlin und Hollywood" geschrieben: "Wenn ich einmal sterbe, stelle ich mir vor, dass meine Freunde beim Essen sitzen. Jemand sagt: Habt ihr gehört, dass Siodmak gestorben ist? Dann sind alle erschreckt, bis einer sagt: Kann ich mal das Salz haben?" Das klingt nach einem, der durchaus Humor besitzt. Aber auch nach einem, der erkannt hat, dass er nicht ganz die Spuren hinterlassen wird, die er eigentlich hinterlassen wollte.

Robert Siodmak stammt aus Dresden

Der im August 1900 in Dresden geborene Regisseur trifft bereits mit seinem ersten Film genau ins Schwarze. "Menschen am Sonntag" entwickelt sich zu einem weltberühmten Stummfilmklassiker. Bis heute besticht die Arbeit durch ihre dokumentarischen Aufnahmen, verblüffend namhaft ist das Team, dass sich um den Regisseur versammelt. Denn dazu gehören Edgar G. Ulmer, Billy Wilder, Roberts Bruder Curt Siodmak und Fred Zinnemann. Das Echo überwältigt den Regie führenden Sachsen, und so "schloss ich mich in der Toilette ein und weinte vor Erleichterung."

Dresdner Regisseur floh aus Nazi-Deutschland

Es folgen größere Filme. Filme wie "Quick", in dem Hans Albers und Lilian Harvey auftreten. Viel Zeit bleibt dem Sachsen mit jüdischer Herkunft in Deutschland allerdings nicht mehr. Mit der Machtübernahme der Nazis verlässt Siodmak die Heimat gen Frankreich, einen Tag vor den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges geht er aus Europa fort und in die USA, wo er weiter arbeiten kann. Sein Credo als Künstler: "Ich will die Leute nicht erziehen, sondern ich will die Leute unterhalten. Das ist wirklich das Ausschlaggebende bei dieser ganzen Geschichte. Es freut mich, irgendeine Sache zu machen, wo man etwas anklagen kann, wo man in eine Geschichte etwas hineinbeziehen kann, was den Leuten, den Zuschauern etwas zu denken gibt, aber das ist nicht meine Aufgabe und nicht meine Absicht."

Ich will die Leute nicht erziehen, sondern ich will die Leute unterhalten

Robert Siodmak, Regisseur

Erfolgreiche Filme mit Burt Lancaster

Als Hollywoodregisseur legt Siodmak wahre Genremeilensteine hin: den großartigen Film noir "Die Wendeltreppe", mit "Rächer der Unterwelt" ein weiteres wichtiges Werk der "Schwarzen Serie "oder "Der rote Korsar" von 1952 – in seinem hinreißenden Mix aus Action und Komik für viele der Inbegriff des Piratenfilms überhaupt. Der unverwüstliche Burt Lancaster spielt die Hauptrolle.

Robert Siodmak bei Dreharbeiten in Hollywood, 1948. Bildrechte: dpa

Rückkehr nach Europa in den 50ern

"Noch nie hat jemand versucht, einen schlechten Film zu machen", sagt Siodmak augenzwinkernd. Er bekennt aber ganz ehrlich: "Selbst unter idealen Voraussetzungen, in einem Film also, den man nach eigenem Wunsch und Geschmack machen kann, darf man von Glück sagen, wenn fünf Minuten darin sind, die befriedigen – einige wenige Szenen, in denen man das verwirklichen konnte, was einem vorgeschwebt hat."

Robert Siodmak mit seiner Frau Bertha. Bildrechte: dpa

Diese Tatsache wird ihm vor allem vor Augen geführt, nachdem er in den Fünfziger Jahren wieder in Europa lebt und Filme macht. Sicher, er dreht "Die Ratten" und "Nachts, wenn der Teufel kam". Doch viel mehr, das die Filmgeschichte unter sich begraben hat. 

Redaktionelle Bearbeitung: Lilly Günthner

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 10. März 2023 | 06:40 Uhr