Mehrjähriges Großprojekt Dresdner Musiker Felix Räuber sucht den Klang seiner sächsischen Heimat

Felix Räuber, der ehemalige Frontsänger der Band Polarkreis 18, sucht nach den Klängen seiner Heimat. Der gebürtige Dresdner reist dafür mit einem Aufnahmegerät durch Sachsen und nimmt typische Klänge auf. Die will Räuber zu Songs verarbeiten. So soll in den nächsten Jahren eine Sinfonie der Kulturen sowie eine mehrteilige TV-Dokumentation entstehen.

Felix Räuber im Tagebau bei Dreharbeiten
Felix Räuber bei Dreharbeiten im Tagebau Bildrechte: Siegfried Michael Wagner

Der gebürtige Dresdner Felix Räuber, ehemaliger Frontsänger der Band Polarkreis 18, sucht die Klänge seiner Heimat Sachsen. Und das ganz konkret, mit Aufnahmegerät im Gepäck: In seinem neuen Projekt mit dem Namen "Wie klingt Heimat" fährt der 36-Jährige in die unterschiedlichsten Winkel Sachsens, um zuzuhören: Zu hören, wie die sorbischen Osterreiter singen, wie die Wälder im Zittauer Gebirge rauschen, wie der Bürgerchor Hoyerswerda Gundermanns Lieder singt, wie im Musikwinkel im Vogtland die Geigen klingen.

Eine Sinfonie der Kulturen

Felix Räuber mit Marc Oliver Rühle bei Drehortrecherche
Felix Räuber mit Marc Oliver Rühle bei der Drehortrecherche Bildrechte: Siegfried Michael Wagner

Es ist eine musikalische Reise, die nicht auf Monate, sondern auf Jahre angelegt ist. Nach jeder seiner Begegnungen vor Ort, die auch mit der Kamera begleitet werden, soll ein Lied entstehen. Lieder vom Musiker Felix Räuber, der mittlerweile als Sänger im gleichnamigen Soloprojekt unterwegs ist. Dazu will er die Geräusche und Lieder, die er gesammelt hat, aufgreifen und daraus Songs schreiben, die nach einer Mischung aus "Soundtrack-Musik, Popmusik und klassischer Musik" klingen, wie Räuber berichtet: "So verwebt sich sozusagen Vergangenheit und Zukunft miteinander." Gebündelt soll daraus die sogenannte Sinfonie der Kulturen werden. Aber nicht nur das: Aus jeder der zehn Begegnungen vor Ort entsteht auch eine TV-Dokumentation. Die Ausstrahlung sowie die Präsentation des Albums sind für 2022 geplant.

Blick auf die Heimat aus der Ferne

Felix Räuber mit dem Bürgerchor Hoyerswerda
Felix Räuber mit dem Bürgerchor Hoyerswerda (Im September 2020) Bildrechte: Siegfried Michael Wagner

Bei diesem Mammutprojekt ist Räuber nicht allein unterwegs. Der Sänger setzt es mit alten Weggefährtinnen und Weggefährten aus Dresden um, wie auch seinem Grundschulfreund Marc Oliver Rühle. Eine gemeinsame Reise der beiden 2018 nach Nordkorea war es auch, die den Anstoß für das Projekt gab. Räuber begleitete den Journalisten Rühle bei dessen Recherchereise in das abgeschirmte Land. Die Ferne weckte das Interesse an der eigenen Heimat. Denn auf dem Heimflug, noch ganz benommen von der Beschallung durch Kim Jong Uns Propaganda, ging ihnen irgendwo über der sibirischen Steppe ein Licht auf.

Wir haben uns dann echt gefragt "Was soll das?" Wir fliegen einmal um die Welt, um "das Exotische" zu finden. Dabei haben wir eigentlich gar keine Ahnung, was direkt vor unserer Haustür los ist.

Felix Räuber, Musiker
Felix Räuber mit Daniel Wessela, Kantor der Osterreiter der Gemeinde Ralbitz-Rosenthal in der Katharinen-Kirche in Ralbitz
Felix Räuber mit Daniel Wessela, Kantor der Osterreiter der Gemeinde Ralbitz-Rosenthal in der Katharinen-Kirche in Ralbitz (Im September 2020) Bildrechte: Siegfried Michael Wagner

So begann die Recherche. Eine Suche nach der Heimat, transportiert über das Medium, welches dem Sänger Felix Räuber am nächsten steht: die Musik. Nachdem er vor 22 Jahren mit der Band Polarkreis 18 vor allen Dingen eines wollte: In die Welt hinaus und global orientiert sein, besinnt sich der gebürtige Dresdner nun auf seine Wurzeln.

Für ihre Recherche haben sich Felix Räuber und sein Team insgesamt zehn sogenannte Kulturfelder ausgesucht: Sie nennen es Kulturkreise. Dazu gehört neben den Osterreitern und der Natur im Zittauer Gebirge auch eine Auseinandersetzung mit der Migrationskultur in Sachsen, wie der ethnischen Minderheit der Vietnamesen, die mit der DDR-Geschichte eng verbunden sind. Oder aber ein Blick in die Lausitz, wo die Anwohner täglich Braunkohlebagger hören. Für diese Menschen werde der Klang ihrer Heimat, so Felix Räuber, tatsächlich durch den Schutt und Lärm ausgemacht – aber auch von den Liedern aus der Chorprobe des Bürgerchors in Hoyerswerda, wo das Liedmaterial von Gerhard Gundermann gesunden werde.

Der schöne Klang von Heimat

Das Anliegen von Felix Räuber und seinem Team ist es, den Heimatbegriff selbst aktiv zu besetzen. Für Räuber ist Heimat etwas Philosophisches. Die Versuche von rechts, den Begriff politisch identitär aufzuladen, nehme dem Wort die Freiheit, sagt er.

Heimat ist ein unfassbar schönes Wort mit einem ganz offenen, getragenen Klang. Es ist auch ein Wort, das man in vielen Sprachen versteht. Zum Beispiel das isländische Wort für Heimat heißt: heimalandi.

Felix Räuber, Musiker

Nach mehrjähriger Vorbereitungszeit startet das Projekt "Wie klingt Heimat" von Felix Räuber zu Ostern in der ersten Station mit der Begleitung der sorbischen Osterreiter.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. März 2021 | 16:40 Uhr

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