Festival beginnt Filmfest Dresden startet gestärkt aus der Corona-Krise

Nachdem das Filmfest Dresden 2021, wie schon 2020, wegen Corona im April abgesagt und verschoben werden musste, startet es am Dienstag als Sommerfestival in den Kinos und mit zahlreichen Open Airs. Aus der Corona-Krise scheint das Festival gestärkt hervorzugehen: Neben den begehrten Goldenen Reitern werden auch neue Auszeichnungen vergeben. Deshalb ist das Preisgeld auf insgesamt 70.500 Euro gestiegen. Damit ist das Filmfest Dresden eines der höchstdotierten Kurzfilmfestivals Europas.

Filmfest Dresden 2021
Logo des Filmfests Dresden 2021 Bildrechte: FILMFEST DRESDEN

Das Filmfest Dresden zählte ohnehin seit Jahren zu den höchstdotierten Kurzfilmfestivals Europas, in diesem Jahr hat sich das Preisgeld nun noch einmal erhöht auf 70.500 Euro. 2020 waren es noch 68.000 Euro gewesen. Grund dafür sind unter anderem zwei neue Auszeichnungen neben den begehrten "Goldenen Reitern", um die die Filmemacherinnen und Filmmacher in den Wettbewerben konkurrieren.

So lobt ab diesem Jahr die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung den mit 3.000 Euro dotierten Kurzfilmpreis "Voll politisch" aus. Außerdem wird künftig vom Verband der deutschen Filmkritik der undotierte Dresdner Kurzfilmpreis verliehen. Ansonsten präsentiert sich das 33. Filmfest Dresden im zweiten Corona-Jahrgang in bewährter Manier. Insgesamt 368 Kurzfilme aus 64 Ländern werden an den sechs Festivaltagen über die Leinwände flimmern – im Internationalen und Nationalen Wettbewerb, aber auch in zahlreichen Sonderprogrammen.

Mix aus Online- und Publikums-Veranstaltungen

Beibehalten werden zudem bei der diesjährigen Ausgabe die Online-Angebote für das Fachpublikum. So haben auch die internationalen Filmschaffenden, die Pandemie-bedingt nicht nach Dresden anreisen können, die Möglichkeit, sich an den brancheninternen Mastercalsses, Workshops und Diskussionsrunden zu beteiligen. Letztlich wird aber auch Kinopublikum in den Genuss der hybriden Formate kommen, wenn beispielsweise Regisseurinnen und Regisseure mit kurzen Frage-und-Antwort-Videos während der Vorführungen zugeschaltet werden.

Kein Sommerfestival ohne Open-Air

Zahlreiche Gäste der «Filmnächte am Elbufer» sitzen vor der Kulisse der Dresdner Altstadt mit der Frauenkirche (l-r), dem Hausmannsturm, der Hofkirche und der Semperoper und schauen auf eine Kinoleinwand.
Mit fünf Programmen ist das Filmfest Dresden bei den Filmnächten am Elbufer zu Gast, unter anderem mit den Weltpremieren der MDR-Initiative DOK Creative. Bildrechte: dpa

Das Filmfest Dresden nutzt die Gunst der Stunde, die sich mit der Verschiebung in den Sommer ergeben hat, und zeigt zahlreiche Programme Open Air: traditionell beim Kurzfilm-Open-Air auf dem Neumarkt, das in diesem Jahr vorgezogen wurde und bereits vor dem Festivalstart Filmfestatmosphäre im Dresdner Stadtzentrum verströmt, aber eben auch bei den Filmnächten am Elbufer.

Beide, Filmfest Dresden und die Filmnächte am Elbufer, verbindet eine langjährige Partnerschaft, denn seit über 25 Jahren ist das Festival jeden Sommer mit einer Kurzfilmnacht auf den Elbwiesen zu Gast. Eine Präsenz wie in diesem Jahr ist bisher jedoch einmalig: Das Filmfest Dresden ist bei den Elbnächten mit fünf Veranstaltungen vertreten. Und so werden unter anderem bei der Mitteldeutschen Filmnacht Kurzfilme über die Riesenleinwand vor der weltberühmten Altstadtkulisse flimmern.

MOVE TO CHANGE – Schwerpunkt Aktivismus

Inspiration für die drei Schwerpunktprogramme waren zuallererst die Proteste von Black Lives Matter und der Demokratiebewegung in Hongkong. Doch in den Dokumentar- und Spielfilmen, in den Musikvideos und Animationsfilmen wird politischer Aktivismus weitaus breiter gefasst. Das Debattenspektrum reicht von Rassismus und Migration über Umweltaktivismus bis hin zu Style Politics, wobei sowohl zukunftsgewandte, progressive Positionen präsentiert werden als auch konservative, vergangenheitsgerichtete und solche in Gestalt von Populismus.

Das Thema Aktivismus zieht sich durch das Programm des Filmfests Dresden

Filmszene "Fremd im eigenen Land"  - Junge Menschen mit Migrationshintergrund und deutschen Pässen
1992 veröffentlichte die Heidelberger Hip-Hop-Band Advanced Chemistry ihren Song "Fremd im eigenen Land" – ein Manifest gegen Rassismus und Diskriminierung. Der Musikclip läuft im "Aktivismus"-Programm beim Filmfest Dresden 2021. Bildrechte: Christoph Dreher

Damit nicht genug, zieht sich das Thema Aktivismus nahezu leitmotivisch auch durch andere Programme des Festivals, unter anderem bei den Wettbewerbsbeiträgen, die zunehmend politisch werden – eine Entwicklung, die das Filmfest Dresden aufgreift und in den kommenden Jahrgängen seine Schwerpunktprogramme mit dem Fokus auf Diversität darauf ausrichten wird.

Termine der Festival-Programme: Programm 1: "We insist!"

13.7. um 22:00 Uhr, Schauburg
15.7. um 22:30 Uhr, THALIA
18.7. um 20:00 Uhr, THALIA

Programm 2: "(DIS-)IDENTITY POLITICS"

15.7. um 16:00 Uhr, Schauburg
16.7. um 17:30 Uhr, Schauburg
17.7. um 22.30 Uhr, THALIA

Programm 3: "#SAYTHEIRNAMES"

15.7. um 18:30 Uhr, Gedenkstätte Bautzner Straße
16.7. um 21:30 Uhr, Open Air Tusculum
17.7. um 19:00 Uhr, PK Ost

Retrospektive: Regisseurinnen der DEFA und der freien Szene in der DDR

Filmszene "Tango Traum"
"Tangotraum": In ihrer Doku-Fiktion träumt sich die Regisseurin Helke Misselwitz 1985 von Ost-Berlin ins ferne, unerreichbar scheinende Argentinien. Bildrechte: DEFA Stiftung/Gunther Becher/Lutz Koerner

Mit der Retrospektive greift das Filmfest Dresden den bereits im vergangenen Jahr gesponnenen Faden wieder auf und bringt Filme von nahezu vergessenen Regisseurinnen aus der DDR wieder auf die Leinwand. Namen wie Helke Misselwitz sind zwar nach wie vor ein Begriff, aber im von Männern dominierten DEFA-Kosmos gab es weitaus mehr Filmemacherinnen.

Vor allem sind es Dokumentarfilme, populärwissenschaftliche Filme und Animationsfilme, die ihre Handschrift tragen. Aber auch in der freien Szene griffen Künstlerinnen wie die in Dresden lebende Christine Schlegel zur (meist Super 8-)Kamera und inszenierten experimentelle Undergroundfilme.

Termine der Retrospektive: Programm 1: "Visionen"

13.7 um 20:00 Uhr, THALIA
15.7. um 17:30 Uhr, THALIA

Programm 2: "Der Sound der Revolution"

14.7. um 17:30 Uhr, THALIA
17.7. um 17:30 Uhr, THALIA

MDR DOK Creative – Acht Weltpremieren auf dem Filmfest Dresden

Szene aus dem Dokumentarfilm Wer braucht jetzt Kunst 4 min
Bildrechte: MDR/Olaf Held

Mit DOK Creative hat der Mitteldeutsche Rundfunk zu Beginn des Jahres eine neue Programminitiative gestartet, mit der speziell Dokumentarfilmerinnen und Dokumentarfilmer in Zeiten von Corona unterstützt werden sollten. Diese waren aufgerufen, kreative Filmideen unter dem Motto "Neustart" zu entwickeln, die von den großen und kleinen Geschichten der Pandemie erzählen und darüber, wie sich der Neustart danach gestalten ließe.

Aus 80 Einreichungen wurden letztlich acht Projekte ausgewählt und mit Unterstützung des MDR in Höhe von 100.000 Euro realisiert. Diese künstlerischen, dokumentarischen Kurzfilme erleben während des Filmfests Dresden ihre Uraufführung, auf großer Leinwand unter freiem Himmel bei den Filmnächten am Elbufer.

Termin für MDR DOK Creative: Donnerstag, 15. Juli um 17:30 Uhr, Filmnächte am Elbufer; ab 18:00 Uhr online auf mdr-kultur.de und in der ARD Mediathek und ab 22:40 Uhr im MDR Fernsehen.

15 Jahre "Fokus Québec"

Szene aus dem Film "Hydro-lévesque", das auf dem Filmfest Dresden gezeigt wird.
Mit seinem surrealistischen Experimentalfilm "Hydro-lévesque" ist Mattew Rankin im Fokus Québec vertreten. Bildrechte: Filmfest Dresden

Québec verfügt über eine äußerst lebendige Filmlandschaft, nahezu unerschöpflich scheint die Vielfalt von Stimmen, Perspektiven und Narrativen des Kurzfilmschaffens in der frankophonen Provinz Kanadas zu sein. Das haben die alljährlichen Programme zum Filmfest Dresden immer wieder aufs Neue gezeigt.

Oft lag der Fokus auf aktuellsten Produktionen, Schwerpunkt waren zudem Animationsfilme und es gab Reihen mit Arbeiten ausgewählter Regisseurinnen und Regisseure, bis hin zu einem Tribut, mit dem Denis Côté und seine einzigartigen Filme geehrt wurden. Zum 15. Jubiläum vereint "Fokus Québec" nun Filme aus mehreren Jahrzehnten, darunter vom vielfach preisgekrönten Regisseur Denis Villeneuve.

Termin für "Fokus Québec": Mittwoch, 14. Juli um 20.00 Uhr, Thalia
Freitag, 16.7. um 21.00 Uhr, Schauburg

Weitere Informationen zum Filmfest Dresden: 13.–18. Juli 2021

Spielstätten (Auswahl):

Schauburg Dresden,
Thalia-Cinema Coffee and Cycling,
Programmkino Ost,
Filmnächte am Elbufer,
Clubkino im Lingnerschloss

Tickets gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen, sowie an den Konzertkassen der Kreuzkirche und im Florentinum und an der
Dresden Information an der Frauenkirche.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 13. Juli 2021 | 07:10 Uhr

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