Festival im April Corona, Lockdown, Verschiebung – Wie das Filmfest Dresden die 33. Ausgabe plant

Die Vorbereitungen für das 33. Filmfest Dresden laufen intensiv. Der Auftakt des Kurzfilmfestivals ist eigentlich für den 13. April vorgesehen. Dieser Termin wird stark von der Corona-Krise beeinflusst: Zum einen taucht gerade in den Einreichungen immer wieder das Thema Alltagsmasken auf, zum anderen müssen die Organisatorinnen überlegen, ob, wann und wie das Festival in diesem Jahr stattfinden kann.

Klappstühle mit der Aufschrift Filmfest Dresden
Seit 1989 gibt es das Kurzfilmfestival Bildrechte: dpa

Die Vorbereitungen für das 33. Filmfest Dresden laufen auf Hochtouren – auch wenn der Eindruck im nahezu vereinsamten Büro ein anderer ist, da fast alle im Homeoffice arbeiten. Schließlich müssen derzeit die rund 2.700 Filme gesichtet werden, die für die Wettbewerbe im April von Filmemacherinnen und Filmemachern aus über 100 Ländern eingereicht wurden.

Keine Einbrüche bei Einreichungen

Festivalleiterin Sylke Gottlebe freut sich über den ausgebliebenen Einbruch bei den Einreichungen, den bisher nur wenige Kurzfilmfestivals zu verzeichnen hätten: "Wir sind total froh, weil wir dachten, es gibt eine Corona-Delle, eine krisenbedingte Produktionsdelle. Vielleicht kommt die auch erst nächstes Jahr, aber der Kurzfilm ist sowieso ein bisschen schneller, spontaner, kreativer. Die Kinoproduktion trifft es vielleicht eher."

Drei Goldene Reiter, die Auszeichnungen des Filmfestes Dresden
Zum Filmfest Dresden gehören auch die Auszeichnungen mit dem Goldenen Reiter Bildrechte: dpa

Gottlebe und ihre Co-Chefin Anne Gaschütz sind Mitglieder der nationalen und internationalen Auswahlkommissionen. Gaschütz hat bislang etwa 16 oder 17 Corona-Filme gesehen und dafür in dieser Zeit einen besonderen Blickwinkel eingenommen: "Ich zumindest schaue jetzt die Filme so: Ist der Film unter Corona-Bedingungen entstanden? Manchmal ist es nur so, dass die mit Maske durch die Gegend rennen, aber der Film das Thema gar nicht tangiert. Da bin ich auch froh, weil es bringt nichts, sich diese ganzen Isolationsfilme anzuschauen, die sich häufig sehr gleichen."

Sonderprogramme zu DEFA-Regisseurinnen und Diversity

Parallel zu den Wettbewerben werden auch die Sonderprogramme zusammengestellt. Dazu gehören unter anderem die Fortsetzung der Reihe zu Regisseurinnen der DEFA sowie ein auf drei Jahre angelegter Fokus zum Thema Diversity, der sich in diesem Jahr auf historische und aktuelle Filme zu politischem Aktivismus konzentrieren wird. Alles wie immer, möchte man meinen – trotz Corona-Pandemie. Auch Gottlebe bestätigt, dass sie in der Planung, Vorbereitung und Recherche manchmal tatsächlich die Umstände vergisst. Es haben sich in den letzten Monaten auch noch mal neue Kontakte entwickelt.

Sylke Gottlebe
Sylke Gottlebe Bildrechte: MDR/Hanna Romanowsky

Das Festival ist gewachsen, auch in dieser Krisenzeit, wir haben dieses Jahr zwei neue Filmpreise, einmal einen Kritikerpreis und einen Preis für politisches Engagement. Der ist gestiftet von der Landeszentrale für politische Bildung und so gedeiht das Programm, auch unter Ausnahmebedingungen.

Sylke Gottlebe, Co-Festivalleiterin

Festival unter Corona-Bedingungen

Dennoch stellen sich Gottlebe und Gaschütz zusammen mit ihrem Team auf eine zweite Corona-Ausgabe des Festivals ein. Wobei sie die digitalen Angebote, die es im vergangenen Jahr notgedrungen gab, aus heutiger Sicht als Bereicherung empfinden.

So war es beispielsweise bei der hybriden Version des Filmfests 2020 möglich, nahezu alle Regisseurinnen und Regisseure im internationalen Wettbewerb per Videoanruf in die Kinos zuzuschalten und so Filmgespräche mit dem Publikum zu ermöglichen. Inwieweit das künftig fortgeführt werden kann, ist allerdings immer auch eine Frage des Geldes, unterstreicht Festivalleiterin Gaschütz: "Wenn wir wenig Geld bekommen, müssen wir eine Entscheidung treffen: was ist uns das wichtigste, was wir den Leuten auch online zur Verfügung stellen wollen? Da müssen wir priorisieren. Geht es darum, den Filmschaffenden den Raum zu geben – was das hauptsächliche Anbelangen eines Festivals ist? Oder wollen wir für das Publikum zwei Diskussionsrunden online stellen? Weil jede Übertragung natürlich Geld kostet." Das wurde beim Konjunkturprogramm der Bundesregierung "Neustart Kultur" beantragt, die Fördermittel sind aber noch nicht bewilligt.

Finanzielle Unsicherheit

Auch sonst ist die finanzielle Situation des Festivals alles andere als sicher, denn die Haushaltsentscheidungen stehen sowohl für den sächsischen Freistaat als auch für die Stadt Dresden – zwei wichtige Geldgeber – noch aus. Aber was das betrifft, sind Gottlebe und Gaschütz zuversichtlich.

Mehr Kopfzerbrechen bereitet ihnen eher die Frage, ob das Filmfest angesichts der derzeitigen Corona-Lage überhaupt im April stattfinden kann. So steht auch – wie schon im vergangenen Jahr – eine Verschiebung zur Debatte, in den Sommer vielleicht oder wieder in den September.

Wir können jetzt nicht warten bis zum 12. April und dann entscheiden. Wir müssen irgendwann Ende Januar oder Anfang Februar eine Entscheidung treffen: Werden wir jetzt den April vorbereiten oder müssen wir gucken, wie wir das vielleicht anders gestalten?

Anne Gaschütz, Co-Festivalleiterin

Es wird aber voraussichtlich nicht passieren, dass das Filmfest Dresden komplett online geht. Denn abgesehen von den immensen Kosten, die das mit sich bringen würde, will das Festival seinem Ruf treu bleiben: nämlich dass es ein Publikumsfestival ist – und das gehört in die Kinos.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. Januar 2021 | 18:20 Uhr

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