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Highlight auf dem Filmfest Dresden: Unter dem Titel "Das süße Wort Freiheit" sind litauische Underground-Filme von Artūras Barysas zu sehen. Bildrechte: Vytis Barysas

KurzfilmfestivalFilmfest Dresden: Diese fünf Filme sollten Sie gesehen haben

21. April 2023, 11:01 Uhr

Auf dem Filmfest Dresden werden 371 Kurzfilme gezeigt – in diesem Jahr stechen im Programm vor allem politische Themen hervor: Sei es ein berührender Film über junge Mütter im Asyl, eine wichtige Doku über den rassistischen Anschlag in Solingen oder eine Komödie über das angespannte Verhältnis zwischen Rumänien und Russland. Diese fünf Filme zählen in diesem Jahr zu den Highlights des Dresdner Kurzfilmfestivals.

von Grit Krause, MDR KULTUR

"The Potemkinists" – Komödie über Geschichte, Erinnerung und Kino

Von Co-Festivalleiterin Anne Gaschütz

Kurzfilm muss sich häufig mit Langfilm vergleichen. Oder anders ausgedrückt, Kurzfilm wird oft als Übung vorm Langfilmdebüt für junge Filmschaffende betrachtet. Dass dem nicht so ist, zeigt unter anderem der Regisseur Radu Jude, welcher neben sehr erfolgreichen Langfilmen wie dem Berlinale-Gewinner 2021 "Bad Luck Banging or Loony Porn" auch jedes Jahr mindestens einen neuen Kurzfilm produziert. Einer dieser Filme läuft in diesem Jahr im Internationalen Wettbewerb des Filmfest Dresden.

Beim Filmfest Dresden ist der neue Film des rumänischen Regisseurs Radu Jude zu sehen, der 2021 den Goldenen Bären der Berlinale gewann. Bildrechte: microFILM

Mit seiner gewohnt überzogenen humoristischen Art lässt Jude in "The Potemkinists" seine zwei Protagonist*innen über Geschichte, Erinnerung und nicht zuletzt das Kino sinnieren. Er ist dabei sowohl politisch als auch selbstironisch, zieht Parallelen zur Vergangenheit und ist dabei so brandaktuell wie es nur im Kurzfilm möglich ist.

Angaben zum Film und Termine

Internationaler Wettbewerb 2
"Potemkinistii" / "The Potemkinists"
Rumänien, 2022
Regie: Radu Jude

Screenings:
21. April 17:30 Uhr, Schauburg
22. April 15 Uhr, Schauburg

"Mother prays all day long" – Kurzfilm über weibliche Körper, Mutterschaft und Asyl

Von Co-Festivalleiterin Sylke Gottlebe

Dieser mutige Kurzfilm hat mich tief berührt. Der Film setzt ein starkes Zeichen für ein unabhängiges Kino – wahrhaftig, lebensnah, überragend authentisch! Die beiden Hauptdarstellerinnen, Regisseurin und Co-Autorin in persona, geben sich viel Freiheit, um Heteronormativität sowie gesellschaftliche Erwartungen an den weiblichen Körper und die Mutterschaft zu hinterfragen.

Im Nationalen Wettbewerb des Filmfests Dresden ist der Film "Mother prays all day long" im Rennen um den Goldenen Reiter. Bildrechte: Hoda Taheri

Die Komplexität offenbart sich in den Dialogen mit ihren Müttern. Gegensätzliche Lebensentwürfe zweier Generationen stehen sich gegenüber. Stark sind die Sorgen der Mütter um ihre Töchter. Im Vordergrund steht die Beziehung der jungen Frauen, die einen Weg aus dem Asylverfahren suchen. Jedoch geht es um viel mehr. Dokumentarische Stilmittel verstärken die Unmittelbarkeit des Geschehens. Ich bewundere es sehr, wie sich Hoda Taheri und ihr Team für ein freies, selbstbestimmtes Leben der Frauen einsetzen.

Angaben zum Film und Termine

Nationaler Wettbewerb 4
"Madar Tamame Rooz Doa Mikhanad" / "Mother prays all day long"
Deutschland, 2022
Regie: Hoda Taheri

Screenings:
21. April 19 Uhr, Schauburg
22. April 20:30 Uhr, Zentralkino

"ChemKids" – Film über Chemnitz jenseits ostdeutscher Klischees

Von Drehbuchautorin Viola Lippmann, Mitglied der Auswahlkommission für den Mitteldeutschen Wettbewerb

Der Kurzfilm "ChemKids" von Julius Gintaras Blum hat bei uns, der Auswahlkommission, des Mitteldeutschen Wettbewerbes einen starken Eindruck hinterlassen. Der Film erzählt Chemnitz als Zuhause, als Stadt mit Geschichte. Er richtet einen liebevollen Blick auf seine Bewohnerinnen und Bewohner, jung, alt und allem dazwischen.

Beim Dresdner Filmfest gehört der Film "ChemKids" im Mitteldeutschen Wettbewerb zu den Favoriten. Bildrechte: Philipp Schäfer

Dabei verzichtet der Film auf die immer gleichen Klischees und Bilder und zeigt lieber das, was ist – das, was gut ist. Authentisch und poetisch, erzählt der Film ein Lebensgefühl und stellt Fragen, die sich wohl jeder von uns schon einmal gestellt hat. Ein inspirierendes Werk über eine Stadt, die sehr viel mehr ist als eine Schlagzeile.

Angaben zum Film und Termine

Mitteldeutscher Wettbewerb
"ChemKids"
Deutschland, 2022
Regie: Julius Gintaras Blum

Screenings:
22. April 20:15 Uhr, PK Ost

"Deine Strasse" – Doku über den rassistischen Brandanschlag in Solingen

Von Programmkoordinator Sven Pötting

Ich habe mich in meinem bisherigen Berufsleben viel mit Erinnerungskultur in verschiedenen Kontexten und deren medialer Repräsentation beschäftigt. Die Kurzdokumentation "Deine Strasse", deren politische und poetische Kraft sich durch die Kombination aus Bild und Text (und die unverwechselbare Stimme von Sibylle Berg) entfaltet, hat mich wie kaum ein anderer Film zu diesem Themenkomplex beeindruckt.

In Dresden ist die Doku "Deine Strasse" über den rassistischen Anschlag in Solingen ein einzigartiger Beitrag zum Thema Erinnern und Verdrängen. Bildrechte: Güzin Kar

Erinnert wird der nun 30 Jahre zurückliegende rassistische Brandanschlag von Solingen. Vernichtet wurden dabei nicht nur fünf Menschenleben, der rechte Terror zerstörte auch die Leben der Angehörigen und Überlebenden. Der Film von Güzin Kar ist für mich ein einzigartiger Beitrag zum Thema Erinnern und Verdrängen, ein Spiegel deutscher Einwanderungs- und Erinnerungspolitik.

Angaben zum Film und Termine

Schwerpunkt "Exit Happyland!" - Making Heimat
"Deine Strasse"
Schweiz, 2020
Regie: Güzin Kar

Screenings:
21. April 20.30 Uhr, Kino im Kasten
23. April 18 Uhr, Schauburg

"Das süße Wort Freiheit" – Kurzfilme eines litauischen Underground-Filmers

Von Kurator und Filmwissenschaflter Dr. Claus Löser

Anfang der 80er-Jahre hatte ich in Karl-Marx-Stadt diese seltsamen Filme gedreht. Seither war ich überall auf der Suche nach Seelenverwandten, vor allem im Osten. Menschen mit ähnlichen Lebenserfahrungen mussten auch filmisch ähnlich denken. In Polen, Ungarn, Tschechien, auch in Russland wurde ich bald fündig. Von Jewgeni Jufit in St. Petersburg hörte ich zum ersten Mal von Artūras Barysas aus Litauen. Es vergingen weitere Jahre, bis mir ein Flyer des "Horse Hospital" in London in die Hände fiel, in dem Filme von "Baras" angekündigt waren. Über Facebook lernte ich David Ellis in London kennen, der die Vorführungen organisiert hatte. Durch ihn kam ich in Kontakt zu Dovydas Bluvšteinas in Vilnius. Dann ging alles ganz schnell.

Auf dem Filmfest Dresden gibt es die Chance, den litauischen Underground-Filmer Artūras Barysas zu entdecken. Bildrechte: Vytis Barysas

Festivalleiterin Sylke Gottlebe war sofort begeistert von der Idee, diese verrückten, traurigen, wunderschönen Kurzfilme aus dem Litauen der 1970er- und 1980er-Jahre in Dresden zu zeigen. Und so können wir diesen Schatz nun, zum ersten Mal in Deutschland, endlich einer größeren Öffentlichkeit zeigen.

Angaben zum Film und Termine

Retrospektive
"Das süße Wort Freiheit – Der litauische Underground-Filmer Artūras Barysas (1954-2005)"

Screenings:
22. April, 19 Uhr, Schauburg

Redaktionelle Bearbeitung: Valentina Prljic

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 18. April 2023 | 08:10 Uhr