Filmkritik "Futur Drei": Ein anderer Blick auf Migration

Knut Elstermann
Bildrechte: Jochen Saupe

Parvis muss Sozialstunden in einem Flüchtlingsheim leisten, wo er eine neue Perspektive auf seine Herkunft und die Welt entdeckt. Er lernt die Geschwister Banafshe und Amon kennen, mit denen er eine tiefe Verbundenheit entwickelt. Geschickt verbindet der Film Partyszenen, queeren Sex und innige Momente. Zu Recht wurde der Film "Futur Drei" von Faraz Shariat bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet.

Film "Futur drei"
Benjamin Radjaipour, Banafshe Hourmazdi und Eidin Jalali Bildrechte: Edition Satzgeber
Film "Futur drei"
Benjamin Radjaipour als Pavis Bildrechte: Edition Satzgeber

Parvis (Benjamin Radjaipour), ein junger Deutsch-Iraner aus Hildesheim, muss nach einem Ladendiebstahl in einem Heim für Geflüchtete als Übersetzer Sozialstunden leisten. Er trifft dort auf das Geschwisterpaar Banafshe und Amon (Banafshe Hourmazdi und Eidin Jalali) und verliebt sich in den jungen Mann. Parvis versteht, dass auch er als Angehöriger der zweiten Generation schon zu den Privilegierten gehört – eine wichtige neue Perspektive in diesem Film, der in jeder Hinsicht neue Horizonte eröffnet.

Ausgezeichnet

"Futur 3" – eine Zeitform, die es im Deutschen nicht gibt – hat sehr zurecht den wichtigsten deutschen Nachwuchspreis "First Steps" gewonnen, auch das wunderbare Hauptdarsteller-Trio wurde dort ausgezeichnet. Außerden hat der Film den Teddy gewonnen, weitere Preise folgten.

Film "Futur drei"
Eidin Jalali und Benjamin Radjaipour Bildrechte: Edition Satzgeber

Diese Zukunft, dieser Futur 3, liegt in einem Erzählen, das von innen kommt, und in einer Utopie des Zusammenlebens, die der autobiografische und sehr wahrhaftige Film mit großer Zärtlichkeit seinen Figuren gönnt. So wie in dem Film reibungslos und selbstverständlich hochprofessionelle Darsteller neben Laien agieren (Shariats eigene Eltern sind hier zu sehen), so verbindet er auch höchst unterschiedliche Erzählelemente – wilde Partys, unverkrampfte Sexszenen, innige Momente der Gemeinsamkeit, sogar echte Homevideos aus der Kindheit des Regisseurs – zu einer sehr lebendigen Einheit.

Genre: Drama
Regie: Faraz Shariat
Besetzung: Eidin Jalali, Bennjamin Radjaipour, Banafshe Hourmazdi
Im deutschen Kino ab: 24.09.2020
Produktionsland: Deutschland
Bewertung: ★ ★ ★ ★ ★ (5 von 5 Sternen)

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 24. September 2020 | 08:10 Uhr

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