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Der Filmpublizist Fred Gehler leitete zehn Jahre lang das Festival Dok Leipzig, damals noch "Internationale Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmwoche". Jetzt ist er im Alter von 86 Jahren gestorben. Bildrechte: dpa

TrauerFrüherer DOK Leipzig-Chef Fred Gehler gestorben

20. April 2023, 20:24 Uhr

Der frühere Leiter der DOK Leipzig, Fred Gehler, ist tot. Wie das Festival bekanntgab, starb Gehler bereits am 13. April im Alter von 86 Jahren.

Leipziger Filmlegende "Casino"

Fred Gehler, Jahrgang 1937, studierte zunächst Journalismus. Ab Mitte der 60er-Jahre war er freischaffender Filmpublizist und wurde künstlerischer Leiter des Leipziger Festivalkinos "Casino". MDR KULTUR-Autor Wolfgang Schilling kann sich nicht mehr erinnern, wann er Fred Gehler das erste Mal im Leipziger "Casino" begegnete, erzählt er im Feuilleton. Wer damals "wirkliche Filme" sehen wollte, wäre in diese Kino-Legende gegangen. Doch das Kino hätte eben nicht nur von den Filmen gelebt, die das Publikum dort sehen konnte, sondern von Gehlers Einleitungen vor Beginn. Diese seien immer auf den Punkt gewesen, seine Art sei einzigartig in der DDR gewesen.

Das "Casino" lebte nicht nur von den Filmen, sondern auch von Fred Gehlers Einleitungen. Knapp, immer auf den Punkt gebracht. Eine Schule des Sehens. Das konnte Fred Gehler. Da hatte er seine Art. Die war einzigartig in der DDR.

MDR KULTUR-Autor Wolfgang Schilling im Feuilleton

Leiter des Dokfilm-Festivals

Von 1994 bis 2003 war er Leiter des Leipziger Dokfilm-Festivals, das damals noch "Internationale Leipziger Dokumentar- und Kurzfilmwoche" hieß. Er verhinderte damals das Aus für das Festival, dessen Fortbestand in der Wendezeit angesichts sinkender Zuschauerzahlen und mangelnder finanzieller Unterstützung fragwürdig war.

"Gehler hat die Grundlage dafür gelegt, dass das Festival langfristig überleben konnte und wieder zu dem großen und wichtigen Filmfestival avanciert ist", erklärt der Filmhistoriker und Journalist Andreas Kötzing im Gespräch mit MDR KULTUR. Ohne Gehler wäre das Festival vielleicht in den 90ern auf der Strecke geblieben, vermutet er.

Wir sind Fred Gehler nach wie vor dankbar für sein Engagement für den künstlerisch-politischen Film und den Fortbestand unseres Festivals.

Würdigung auf der Website von Dok Leipzig

Gehler war für die Stasi tätig

Weiterhin verfasste Gehler für das DDR-Fernsehen und den ORB mehrere filmhistorische Essays. Als Vorsitzender des Stiftungsrats der DEFA-Stiftung führte er seine filmpublizistische Arbeit weiter. Als seine Vergangenheit bei der Staatssicherheit publik wurde, löste das Kontroversen aus.

Andreas Kötzing, der 2012 Gehlers Tätigkeit als IM für die Staatssicherheit der DDR aufgedeckt hatte, bedauert, dass sich Fred Gehler diesem Kapitel seiner Vergangenheit nie gestellt hat. "Er hat die Akte geleugnet und dann auch keine Auseinandersetzung mehr darüber gesucht", so Kötzing. Über mehrere Jahre hatte Gehler sehr intensiv für die Staatssicherheit Berichte sowohl aus seinem beruflichen wie auch seinem privaten Umfeld geliefert.

Zwar gebe es daran wenig zu bagatellisieren oder schönzureden, doch Gehlers Verdienste "bleiben davon natürlich unberührt". „Fred Gehler zählt auf jeden Fall zu den wichtigsten und streitbarsten Filmpublizisten in der DDR“, resümiert Andreas Kötzing.

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Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 20. April 2023 | 17:10 Uhr