Drehen unter Pandemiebedingungen Neues Kompetenzzentrum will Filmteams nach Görlitz locken

Bei der diesjährigen Berlinale gehört der prominent besetzte Film "Fabian oder Der Gang vor die Hunde" zu den Favoriten. Der 2019 in Görlitz gedrehte Film ist ein weiteres Aushängeschild für die inzwischen international bekannte Filmstadt. Doch "Görliwood" hat seine Potentiale längst nicht ausgeschöpft: dort wurde jüngst ein Filmbüro ins Leben gerufen, das sich als Kompetenzzentrum für Filmmanagement in der Corona-Pandemie versteht. Aber worin genau liegen die Kompetenzen des neuen Filmbüros?

Postkarte mit Schriftzug "Görlitz" an der Landeskrone 4 min
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MDR KULTUR - Das Radio Mi 03.03.2021 12:00Uhr 03:46 min

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"Grand Budapest Hotel", "Die Vermessung der Welt" oder ganz aktuell "Fabian oder Der Gang vor die Hunde" – die Liste mit Filmen ist lang, für die das barocke Eckhaus am Görlitzer Untermarkt die passende Kulisse geliefert hat. Es ist die erste Station des so genannten "Walk of Görliwood", auf dem man den Drehort Görlitz quer durch die Stadt erkunden kann. Zumindest wird Henrik Greisner, Locationmanager und Produktionsleiter für zahlreiche Filme, nicht müde, den Produktionsfirmen immer wieder aufs Neue Görlitz als Drehort zu empfehlen.

Wir haben ja in den pandemischen Zeiten die riesige Schwierigkeit, dass wir nie die richtigen Ansprechpartner haben, weil die sind entweder gerade in Kurzarbeit oder sie sind im Homeoffice und können halt Sachen nicht entscheiden, und das bauen wir um.

Henrik Greisner, Locationmanager und Produktionsleiter

Damit meint Henrik Greisner das neu gegründete Filmbüro Görlitz, in das er seit Februar seine Erfahrungen und vor allem auch seine internationalen Kontakte in der Filmbranche mit einbringt.

Anlaufstelle für Dreharbeiten unter Pandemiebedingungen

Eine solche Anlaufstelle für Produktionsfirmen mit direktem Draht zu den jeweiligen Ansprechpartnerinnen und -partnern vor Ort, zum Beispiel in der Stadtverwaltung, ist deutschlandweit bisher einmalig. Doch damit nicht genug, will man sich hier auf Filmen unter Pandemiebedingungen spezialisieren. Denn, so weiß Henrik Greisner, die Aufwendungen dafür können schon mal zehn Prozent des Budgets verschlingen.

Yvonne Catterfeld und Götz Schubert beim Drehstart der ARD-Krimireihe "Wolfsland" in Görlitz.
Yvonne Catterfeld und Götz Schubert beim Drehstart der ARD-Krimireihe "Wolfsland" in Görlitz. Bildrechte: MDR/Steffen Junghans

Dank der Erfahrungen bei den Dreharbeiten zur ARD-Krimireihe "Wolfsland" im Corana-Jahr 2020 wurde ein Anfang in Görlitz bereits gemacht. Nun soll das Beratungs- und Vermittlungsangebot intensiviert werden. Kerstin Gosewisch gehört ebenfalls zum Filmbüroteam und bringt das Knowhow vor Ort mit, da sie seit Jahren seitens der Stadt Görlitz Filmproduktionen betreut.

Wir können vieles vermitteln vor Ort, wir können den Kontakt zu Laboren herstellen.

Kerstin Gosewisch, Filmbüro Görlitz

Kerstin Gosewisch führt aus: "Wir wissen, was Möglichkeiten sind, um schnell mal Flächen zusätzlich in Anspruch zu nehmen, weil man einfach einen größeren Platzbedarf hat. Das geht bis dahin, wo man eben Zelte vor Ort bekommen kann, Reinigungsunternehmen, weil Hygiene-Auflagen ganz anders definiert werden als in normalen Zeiten. Das ist etwas, was wir bündeln wollen, um es Produktionen in geeigneter Form zur Verfügung zu stellen."

Enger Austausch mit neuer Filmakademie Görlitz geplant

Das ist aber nur ein Anfang. Kerstin Gosewisch und ihr Kollege Henrik Greisner haben sich noch mehr vorgenommen bis Ende des Jahres – so lange läuft das Projekt vorerst. Finanziert wird es von der Stadt Görlitz und mit bis zu 200.000 Euro vom Freistaat Sachsen, vertreten durch die Mitteldeutschen Medienförderung.

Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt unter anderem auf einem engen Austausch mit der Filmakademie Görlitz, die unter dem Dach der Hochschule Zittau/Görlitz im Herbst an den Start gehen soll, wo Studierende an die Produktionsfirmen vermittelt werden können. Zudem wird der wirtschaftliche Faktor jetzt stärker betont, damit künftig auch mehr Dienstleister und Handwerker bei den Produktionen einbezogen werden.

Kerstin Gosewisch erklärt: "Siehe 'Grand Budapest Hotel', da ist vieles von der Studio Babelsberg AG auch gemacht worden, die hatten ihre Firmen, sprich Ausstatter schon dabei. Da haben in erster Linie Gastronomie und Hotellerie von profitiert, aber ich denke, das bietet jetzt wirklich die Möglichkeit und es wird sich dann auch sichtbar machen, indem Produktionen einfach sagen: Wenn wir in Görlitz arbeiten, dann haben wir das und das vor Ort."

Und letztlich nicht nur in Görlitz, denn auch die gesamte Region, bis hin nach Bautzen, will man künftig – seitens des Filmbüros und letztlich dann der Filmkameras – mehr in den Blick nehmen.

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 03. März 2021 | 06:10 Uhr

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