Nach Corona Projekt Heimatkino – Filmreihe über die Bedeutung der Thüringer Kinolandschaft

Das Kino gehört traditionell zum urbanen Leben, die Lichtspielhäuser sind Treffpunkte, Erholungs- und Unterhaltungsorte, an denen Geschichten erzählt werden, wie schon seit Generationen. Wird das Streaming den Kinogenuss ablösen? Die Filmemacherein Alina Cyranek sagt vehement nein. In ihren Filmen der Reihe "Heimatkino" stellt sie Thüringer Kinos vor.

Metropol Kino 9 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mit ihren Filmen der Heimatkino-Reihe will Alina Cyranek, wie sie sagt, Denkmäler schaffen und keineswegs Grabmale zeigen. Cyranek zeigt sich ganz fest davon überzeugt, dass das Kino trotz und nach Corona und der schwierigen Umstände wie der Streaming-Konkurrenz weiterbestehen wird. Im Kino und insbesondere im Heimatkino, sieht sie einen "Zufluchtsort, wo ich auch wieder sehr geborgen sein kann – wie in so einem Bauch eines Wals." Hier kann an sich zurücklehnen und "einfach mal in einer anderen Welt sein."

Plakate von Kinofilmen und Fotos hängen 2016 an der Wand des Cafes im Kino Schauburg
Zum Kinoerlebnis gehört auch die Gemeinschaft, das Gespräch über den Film nach der Vorstellung Bildrechte: dpa

Auch findet sich Hoffnung in der gegenwärtigen Unsicherheit für die Kinos, wenn beispielsweise in der Corona-Krise in Bad Langensalza vom Burgtheater aus dem Nichts ein Autokino aus dem Boden gestampft wurde, mit Unterstützung auch der Gemeinde und der Stadt.

Identitätsstiftender Ort für die Menschen

Eindrucksvoll ist auch Cyraneks Film über das Metropol in Gera, das von 1998 bis 2014 im Dornröschenschlaf verfallen war und dann von den Geschwisterpaar Karen und Christian Fall wiedererweckt wurde. Denn dem Enthusiasmus der beiden stellte sich auch ein örtliches Misstrauen entgegen, die Befürchtung, dass ihr Kinoprojekt nur von kurzer Verweildauer sein würde. Dem setzten die Macher entgegen, dass ihr Kino ein Heimatort sein kann, ein neuer Ort, der eine Konstanz hat, wie es Cyranek in ihrem Filmporträt beschreibt.

Alina Cyranek
Alina Cyranek Bildrechte: Matthias Ritzmann

Diese Skepsis war da. Und sie – Karen und Christian Fall – haben das aber tatsächlich geschafft, dass dieses Kino wirklich nach Gera gehört und ins Umland. Also, sie haben ganz viele Gäste, die auch aus dem Geraer Umland hinkommen.

Alina Cyranek über das Geraer Metropol

Zu ihrem liebenswerten Blick in das Metropol Gera gehört auch, zu zeigen, dass die Betreiber in ihrem Haus bewusst auf den Verkauf von Popcorn, der Kino-Klischeenahrung, verzichten. Zu teuer seien die Reinigungskosten und die Verunreinigung der Kinosessel.

Das Kino wird immer bestehen

Sitzreihen in einem Kino sind zur Einhaltung der Abstandsregeln gesperrt
Nicht nur die Corona-Krise, auch die Streamingkonkurrenz belastet die Kinos Bildrechte: dpa

Cyranek glaubt zudem fest daran, dass das Kino als einzigartiger Ort des Geschichtenerzählens immer bestehen wird. Es gäbe zwar Geschichten, die im Streaming und auf dem heimischen Fernseher gut funktionieren, so serielle Formate. Andere Filme wiederum funktionieren besser im Kino – und zwar nur im Kino wirklich gut. Die jeweiligen Darstellungsformate können ihrer Meinung nach alle nebeneinander existieren.

Ich glaube, dass sich das alles irgendwie einrenkt und sich selbst reguliert. Es wird einfach Produktionen geben, die gehören ins Kino. Die müssen auf die Leinwand! Die einfach auf dem Bildschirm oder auf dem Fernseher zu Hause nicht funktionieren.

Alina Cyranek

Filme und Kinos

Abonnieren

Kultur

Katrin Schumacher mit Audio
MDR Literaturexpertin Katrin Schumacher reist nach Brünn und Prag, um wichtige tschechische Autoren im Vorfeld der Leipziger Buchmesse zu treffen. Bildrechte: MDR/Uwe Mann, honorarfrei