100. Geburtstag Heinz Quermann – der Super-Entertainer der DDR

Heinz Quermann gehörte zu den Institutionen der DDR-Unterhaltung, ob im Fernsehen, Radio oder auf den Bühnen des Landes, wie in Köthen oder Halle. Dazu entwickelte er, vergleichbar mit Frank Elstner in der BRD, unzählige Unterhaltungsformate. Doch auch für andere war er da: für Dieter Hallervorden schrieb er den berühmten "Palim, Palim"-Sketch. Geboren wurde Quermann vor 100 Jahren, am 10. Februar 1921.

Heinz Quermann lächelt in die Kamera.
Heinz Quermann Bildrechte: dpa

Heinz Quermann ist der Tausendsassa der DDR-Unterhaltung: Schauspieler, Theaterintendant, Entertainer, Talente-Vater, Moderator und manches mehr. Selbstironie ist kein Problem für ihn, in Sketchen seiner TV-Dauerbrenner-Show "Zwischen Frühstück und Gänsebraten" kann man über den kleinen, rundlichen Entertainer hören: "Guck mal, wie der schon wieder aussieht! Als wenn er heute zum Frühstück schon seinen Gänsebraten gegessen hätte!"

Schauspieler und Bäcker

Mehrgleisig fährt der Hannoveraner Bäckersohn Quermann von Anfang an. Bäckerlehre und Schauspielausbildung, dazu Musikunterricht an Violine, Klavier.

Sendungsbild
Heinz Quermann Bildrechte: MDR/Hauth

Und ich habe, das ist wahrscheinlich doch einmalig, 1939, innerhalb von vierzehn Tagen meine Schauspielerprüfung bei der damaligen Reichstheaterkammer absolviert und gleichzeitig meine Gesellen-Prüfung als Bäcker.

Heinz Quermann

Den Krieg übersteht Quermann in einer Wehrmachtsbäckerei, später – wie er schreibt – als "Hilfssanitäter mit Schauspielverpflichtungen". Inzwischen wohnt er in Köthen. Die nach Kriegsende einmarschierten Rotarmisten machen den 24-Jährigen zum Intendanten des örtlichen Theaters. In seinen Lebenserinnerungen schreibt Quermann: "Vier Tage nach der Ernennung boten wir vor ausverkauftem Haus einen so genannten bunten Abend und erhielten statt Blumen Lebensmittel. Meine Intendanz währte nur wenige Monate."

Anfänge beim Mitteldeutschen Rundfunk

Dann ruft das Radio: 1948 wird er verantwortlicher Redakteur für Unterhaltung und Kabarett beim Mitteldeutschen Rundfunk. Doch von der Bühne kommt er nicht los, steht als Conférencier in Halles Steintor-Varieté oder beim Köthener Fasching in der Bütt.

Heinz Quermann mit einem Nachwuchstalent
Mit seiner Show "Herzklopfen kostenlos" förderte Heinz Quermann aufstrebende Talente Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Als Moderator im jungen DDR-Fernsehen, dem DFF, schreibt Quermann in den 1950er- und 60er-Jahren TV-Geschichte. In der Live-Sendung "Da lacht der Bär" treten immer wieder auch Künstler aus dem Westen Deutschlands auf. Und mit der Show "Herzklopfen kostenlos" bekommt er seinen Ruf als rühriger Talente-Vater.

Quermann moderiert über vier Jahrzehnte auf verschiedensten Bühnen der DDR, auch in Anwesenheit von Staats- und Parteispitze. Er beherrscht den Spagat zwischen Politik und Unterhaltung, kennt die Spielregeln. Hält sich daran – und reizt sie aus. Quermann ist eine Institution, so wie seine Schlagerrevue, die er von 1953 bis 1990 moderierte und die damit – laut eigener Auskunft – die "längste Hörfunk-Hitparade der Welt" ist.

Heinz Quermann umfasst eine riesige Schallplatte.
Heinz Quermann mit einer Erinnerungsschallplatte zum 25. Jubiläum der "Schlagerrevue" Bildrechte: dpa

Hallervordens "Palim, palim" stammt von Quermann

Er ist ein fordernder, ein disziplinierter Perfektionist, der Sendungen entwickelt und betreut. Und der für andere Texte schreibt – auch im Westen. So schrieb Quermann für Dieter Hallervorden einen ziemlich bekannten Fernseh-Sketch: "Palim, Palim. Guten Tag. Tag. Tag. Was kann ich für sie tun? Ich möchte gern Pommes Frites, ja, haben sie denn eine Flasche mit?"

In den 70ern und 80ern sieht man Quermann seltener im Fernsehen, populär bleibt er dennoch. Was nicht zuletzt an der Weihnachtssendung "Zwischen Frühstück und Gänsebraten" liegt, die er zusammen mit Margot Ebert präsentiert. Immer am ersten Weihnachtsfeiertag, fünfunddreißig Jahre lang. Aufgezeichnet wird sie an verschiedenen Orten, so in der Stadthalle Karl-Marx-Stadt (Chemnitz), dem Kulturpalast in Dresden und häufig im Haus der Kultur in Gera.

Margot Ebert und Heinz Quermann sitzen nebeneinander auf dem Sofa und präsentieren die Weihnachtsgans.
Margot Ebert und Heinz Quermann präsentierten gemeinsam die Weihnachtssendung "Zwischen Frühstück und Gänsebraten" Bildrechte: dpa

Nach dem Mauerfall und kurz vor der Abschaltung des DDR-Fernsehens verabschiedet sich Quermann, inzwischen 70, von seinem Publikum. Später erkrankt er an Alzheimer. Er stirbt 2003 – friedlich eingeschlafen, so heißt es – vor dem laufenden Fernsehgerät.

Kult war seine Schlussformel:

Tschüss und winke winke, Ihr Heinz der Quermann.

Heinz Quermann

Menschen stehen auf einer Bühne.
Abschiedsgala zum Tod von Heinz Quermann "Tschüss und winke, winke" 2003 mit zahlreichen Oststars Bildrechte: dpa

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 10. Februar 2021 | 06:40 Uhr

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