Zum 100. Geburtstag Herbert Köfer – der älteste aktive Schauspieler der Welt

"Neumann, zweimal klingeln", "Geschichten übern Gartenzaun" und "Rentner haben niemals Zeit": Die Schauspiellegende Herbert Köfer spielte sich in über 300 Film-, Fernseh- und Hörfunkproduktionen sowie zahlreichen Theaterinszenierungen ins Herz des Publikums. Vor allem im komödiantischen Bereich prägte er die Film- und Fernsehlandschaft der DDR entscheidend mit. Geboren 1921 in Berlin, feiert Herbert Köfer am 17. Februar seinen 100. Geburtstag – an Ruhestand ist aber noch lange nicht zu denken.

Herbert Köfer
Herbert Köfer ist eine wahre Schauspielerlegende. Am 17. Februar 2021 feiert er seinen 100. Geburtstag. Bildrechte: imago images / Viviane Wild

Dass das Alter nur eine Zahl ist, beweist die DDR-Schauspiellegende Herbert Köfer jeden Tag aufs Neue: Noch immer tingelt er von einer Talkshow in die nächste, ist gern gesehener Gast in Fernseh-Produktionen und gewährt den rund 4.500 Abonnenten seines eigens bespielten Facebook-Accounts private Einblicke in seinen Alltag in Corona-Zeiten. Die Schauspielerei an den Nagel zu hängen und sich in den wohlverdienten Ruhestand abzusetzen, kommt für Herbert Köfer auch im hohen Alter von 100 Jahren nicht in Frage. Und so hält er seit September 2017 den Rekord des "ältesten, aktiven Schauspielers der Welt" aufrecht.

Wenn andere am Geburtstag jammern: 'Oh weh, schon wieder ein Jahr älter', sage ich: Ich bin glücklich darüber. Es ist schön, das Leben geht weiter!

Herbert Köfer, Schauspieler

Bühnendebüt mit 19 Jahren

Herbert Köfer wird am 17. Februar 1921 im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg geboren. Seine kaufmännische Lehre, die er auf Wunsch seiner Eltern begonnen hatte, bricht er nach nur einem halben Jahr ab. 1937 beginnt er ein Studium an der Schauspielschule des Deutschen Theaters in Berlin, der heutigen Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Sein Bühnendebüt gibt er mit nur 19 Jahren am Stadttheater Brieg im damaligen Schlesien. Doch die Karriere des aufstrebenden Jungschauspielers erfährt eine jähe Unterbrechung: Im Jahr 1941 wird Köfer zur deutschen Wehrmacht eingezogen, dort zum Funker ausgebildet und an die Ostfront versetzt.

Trotz der Wirren des Zweiten Weltkriegs bleibt seine Schauspiellust ungebrochen: Und so soll Köfer sogar in britischer Kriegsgefangenschaft seiner Leidenschaft in einer Theatergruppe weiter nachgegangen sein.

Mit Kriegsende kehrt Köfer auf die Berliner Bühnen zurück und erhält schon bald Engagements mit anspruchsvollen Rollen, unter anderem am Neuen Berliner Künstlertheater, der Volksbühne, dem Deutschen Theater und beim Kabarett Kleine Bühne. Doch schon bald scheint die Faszination des gerade neugegründeten Fernsehens auch Köfer in den Bann zu ziehen.

Sprecher der ersten Ausgabe der "Aktuellen Kamera"

Bild eines Mannes in einer Papiercollage
Als erster Sprecher der Nachrichtensendung "Aktuelle Kamera" startet Herbert Köfer den Sendebetrieb des DDR-Fernsehens. Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv

Dem Ruf des Fernsehens folgend, moderiert Köfer am 21. Dezember 1952 die Erstausgabe der Nachrichtensendung des Deutschen Fernsehfunks "Aktuelle Kamera" und schreibt damit als erster Nachrichtensprecher im deutschen Fernsehen Geschichte. Für Köfer allerdings ist das ein Job ohne Zukunftsperspektive, denn schon bald wird seine journalistische Karriere vom Intendanten höchstpersönlich mit folgender Begründung im Keim erstickt:

Herr Köfer, wir müssen das einen Profi machen lassen. Sie sprechen die Nachrichten nicht, sie spielen sie.

Und doch bleibt Köfer dem DDR-Fernsehen treu – nur eben nicht als Nachrichtensprecher, sondern als talentierter und facettenreicher Unterhaltungskünstler: Unter anderem tritt er in der Sendung "Da lacht der Bär" auf und spielt in Fernsehreihen wie "Maxe Baumann" und "Rentner haben niemals Zeit", der DEFA-Filmkomödie "Aber Doktor" und in "Geschichten übern Gartenzaun" sowie der Fortsetzung "Neues übern Gartenzaun".

Herbert Köfer (Hans Neumann) und Irma Münch (Marianne Neumann)
Herbert Köfer mit Kollegin Irma Münch in "Neumann, zweimal klingeln" (1968-1983) Bildrechte: MDR/Deutsches Rundfunkarchiv/Gudrun Hensling

Zusätzlich sorgt Köfer in den 80er- und 90er-Jahren als Moderator der Sendungen "Das blaue Fenster" und "Treffpunkt Kino" für ausgelassene Stimmung im DDR-Fernsehen. Auch sein Engagement im Hörfunk ist unvergessen: Den Hörerinnen und Hörern von "Radio DDR I" bleibt er vor allem durch die allwöchentlich ausgestrahlte Hörspielserie "Neumann, zweimal klingeln", in der er in insgesamt 764 Folgen die Rolle des sozialrealistischen Familienvaters spielt, in Erinnerung.

Talent auch für ernste Rollen

Obgleich Köfers Steckenpferd zweifelsfrei seine komödiantischen Rollen sein mögen, beweist er als SS-Offizier in "Nackt unter Wölfen", seiner Rolle als Gutsverwalter von Studmann im vierteiligen Fernsehfilm "Wolf unter Wölfen" sowie seiner Verkörperung eines fahrerflüchtigen Mörders im DDR-Krimi "Polizeiruf 110: Ein Schritt zu weit" auch ein Talent für ernstere Filmrollen.

So wurde aus Herbert Köfer ein vom Publikum und von der Politik gefeierter Volksschauspieler, der für seine Darstellung im TV-Fünfteiler "Krupp und Krause" sowohl mit dem Nationalpreis der DDR I., als auch mit dem Vaterländischen Verdienstorden in Bronze und Gold ausgezeichnet wurde.

Auch nach der Wende erfolgreich

Schauspieler Herbert Köfer erhält die Ehrenhenne in der Kategorie "Lebenswerk".
2002 und 2020 erhält Herbert Köfer die Goldene Henne für sein Lebenswerk. Bildrechte: dpa

Auch nach dem Mauerfall knüpft Köfer erfolgreich an seine DDR-Laufbahn an und spielt in verschiedenen Serien, darunter "Unser Charly" und "Schloss Einstein". Als er im Jahr 1995 mit Mitte 70 seine erste Autobiografie veröffentlicht, ist deren Titel "Das war's noch lange nicht" Programm: So oft, wie in keinem anderen Theater, steht er regelmäßig auf der Bühne der Comödie Dresden, zu sehen in "Pension Schöller", "Sonny Boys" und "Ritter Ludwig". Auch in Fernsehsendungen wie "SOKO Leipzig" und in der MDR-Produktion "In aller Freundschaft" bleibt er ein gern und oft gesehenes Gesicht.

Sein Geheimnis? Das Publikum hält ihn jung

Mit 82 Jahren gründet Herbert Köfer sein eigenes Tourneetheater "Köfers Comödiantenbühne". Mit 95 Jahren spielte er in Curt Flatows Komödie "Ein gesegnetes Alter" einen widerspenstigen Rentner. Zuletzt steht er im September 2020 im Alter von 99 Jahren im Rahmen der ARD-Reihe "Polizeihauptmeister Krause" für den Film "Krauses Zukunft" vor der Kamera. Im selben Jahr veröffentlicht Köfer unter dem Titel "99 und kein bisschen leise" seine dritte Autobiografie. Heute lebt der vierfache Familienvater in dritter Ehe mit der Sängerin und Schauspielerin Heike Köfer am Seddiner See in Brandenburg.

Damit widmet Herbert Köfer nun schon 84 Jahre seines 100-jährigen Lebens der Schauspielerei. Ob als Kleingärtner, Cowboy, in verstrickten Doppelrollen oder in Shakespeare – es gibt kaum eine Rolle auf dem Bildschirm, der Filmleinwand oder auf der Theaterbühne, die Herbert Köfer im Laufe seiner Karriere noch nicht verkörpert hat. In diesem Sinne – Fortsetzung folgt!

Herbert Köfer bei Riverboat
Herbert Köfer im Februar 2020 zu Gast bei Riverboat, der MDR-Talkshow aus Leipzig Bildrechte: imago images/STAR-MEDIA

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Lebensläufe | 18. Februar 2021 | 23:10 Uhr

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