Trauer Leipziger Hörspiel-Legende Walter Niklaus gestorben

Der Schauspieler und Regisseur Walter Niklaus ist tot. Wie MDR KULTUR von Ehefrau und Tochter erfuhr, starb er am vergangenen Sonnabend im Alter von 96 Jahren in Söllichau, einem Ortsteil von Bad Schmiedeberg.

Genie der Inszenierung und Stimmzauberer

Neben vielen Theater-, Fernseh- und Synchronrollen prägte Niklaus als leitender Regisseur der Leipziger Hörspielproduktion von 1964 bis 1990 die ostdeutsche Funkdramatik. Er arbeitete dazu mit vielen namhaften Darstellerinnen und Darstellern wie Rolf Hoppe, Kurt Böwe, Jutta Wachowiak, Jürgen Hentsch oder Sylvester Groth.

Seine "ungewöhnlich charismatische Radiostimme" und sein "seltenes Genie der Inszenierung" würdigte Matthias Thalheim, bis 2020 MDR-Hörspielchef, in seinem Nachruf. Niklaus habe "alle Facetten des gesprochenen Wortes mit Musik, Geräusch und genau gesetzten Pausen zur Wirkung gebracht und dabei nie die Adressierung an eine breite Hörerschaft aus dem Blick verloren". Als junger Regieassistent sei er Niklaus als "großer Respektsperson" begegnet. Dabei habe sich Niklaus als "sehr freundlicher, sanfter Mensch" erwiesen, "ganz im Gegensatz zu seinen oft martialischen Rollen". Hoppe, dem Freund aus gemeinsamen Tagen an der Bühne in Erfurt, der zuweilen eine Sprechhemmung hatte, habe Niklaus viel Selbstvertrauen gegeben. Von der Hörspiel-Arbeit habe Hoppe dann auch in seinen großen Filmrollen profitiert.

Er war ein sehr freundlicher, sanfter Mensch. Worauf es im Hörspiel ankam, hat Walter Niklaus grandios vorgelebt. Seine Autorität beruhte auf sehr guter Vorbereitung, auf Hartnäckigkeit und Exaktheit.

Matthias Thalheim MDR-Hörspielchef bis 2020

Die Schauspieler Thomas Holtzmann und Angelica Domroese und Regisseur Walter Niklaus (rechts) bei Aufnahmen für die MDR-Hoerspielproduktion "Die Päpstin" nach Donna W. Cross, 07.12.1999
Die Schauspieler Thomas Holtzmann und Angelica Domroese und Regisseur Walter Niklaus (rechts) bei Aufnahmen für die MDR-Hörspielproduktion "Die Päpstin" 1999 Bildrechte: Foto: MDR/Dabdoub

Publikumsrenner "Der Graf von Monte Cristo", "Gräfin Cosel" und "Die Päpstin"

Niklaus, geboren 1925 in Köln, stand zunächst in Erfurt, Cottbus, Schwerin und Leipzig auf der Theaterbühne. Mit seiner markanten Stimme gab er später vielen historischen Fernsehfilmen einen unverwechselbaren Erzählton, etwa in den Fallada-Verfilmungen "Wolf unter Wölfen" und "Kleiner Mann, was nun?" oder im DEFA-Mehrteiler "Sachsens Glanz und Preußens Gloria".

Die Jahrzehnte währende, leidenschaftliche Hörspiel-Arbeit, die Niklaus in Leipzig leistete, sorgte für großes Renommee, an das auch nach der Wende angeknüpft werden konnte, wie sich Thalheim erinnert. "Mathieu Carriere holte er aus Paris für den Grafen von Monte Christo, Thomas Holtzmann kam von den Münchner Kammerspielen und Ulrich Wildgruber aus Hamburg." Bis ins hohe Alter hielt Niklaus dem Radio die Treue und inszenierte für MDR KULTUR zahlreiche Hörspiele, die auch als Hörbücher Publikumserfolge wurden – unter vielen anderen besagter "Graf von Monte Cristo", "Gräfin Cosel" und "Die Päpstin".

Kriminalkomödie in Regie von Walter Niklaus

Walter Niklaus, Thomas Thieme, Sylvester Groth, Jutta Hoffmann 47 min
Bildrechte: MDR/Stephan Flad

Programmtipp MDR KULTUR wird am 22. November, 22 Uhr eine ausführliche Hörspiel-Sendung mit Tondokumenten zur Ehrung von Walter Niklaus ausstrahlen, in der es besonderes auch um sein Schaffen als Autor gehen wird. 

MDR-Hörspiel und Lesezeit

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 08. November 2021 | 09:30 Uhr