20. Todestag Sie schickte Pittiplatsch in den Märchenwald - Ingeborg Feustel

Mit ihren Büchern wie "Antonio und Großvater Autobus", "Ein Wald und Schweinchen Jo" oder "Tuppi Schleife und die drei Grobiane" wuchs in der DDR jedes Kind auf. Und wenn nicht, dann kannte er zumindest die "Geschichte aus dem Butzemannhaus" oder den Abendgruß des "Sandmännchens". Ingeborg Feustel gehörte in der DDR zu den erfolgreichsten Kinderbuchautoren - nicht nur im Osten. Ihre Bücher wurden auch in Westdeutschland verlegt sowie in Belgien, Schweden und Norwegen.

Pittiplatsch und Schnatterinchen
Pittiplatsch ("Ach du meine Nase") und Schnatterinchen ("Nag, nag") Bildrechte: dpa

"Ach du meine Nase", pflegt er zu sagen: Pittiplatsch der Liebe. Der freche Kobold. Und wenn was faul ist, weiß Schnatterinchen sofort: "Dahinter steckt bestimmt wieder ein Koboldtrick, nag, nag."

Nein, liebes Schnattchen. Hinter Pittiplatsch steckt Ingeborg Feustel. Geboren wird sie 1926: ein widerborstiges Kind, das die Schule schwänzt und lieber durch die Natur streift. Trotzdem wird sie nach ein paar Semestern Mathematikstudium 1945 Neulehrerin.

Es gab keine Hefte und jeder Bleistift wurde in vier Teile zerbrochen. Es gab auch keine Lesebücher. Da dachte ich mir für meine Schüler Geschichten aus. Das machte mir Spaß, und so wird dies der Beginn meiner Schriftstellerlaufbahn.

Ingeborg Feustel, Pittiplatsch-Erfinderin

Ingeborg Feustel veröffentlicht über 20 Kinderbücher

Szene der Sandmännchen Geschichte: Pittiplatsch - Pitti und die Koboldflöte
Moppi und Pittiplatsch Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

1960 wird Feustel freiberufliche Schriftstellerin, eine vielseitige. Neben der Arbeit für das Sandmännchen, für das sie außer Pittiplatsch, dem Lieben, auch seinen Freund Moppi erfindet, schreibt Ingeborg Feustel über 20 Kinderbücher. 1965 erscheint ihr erfolgreichstes Buch "Antonio und Großvater Autobus" über die Freundschaft eines kleinen Jungen mit einem alten, zerbeulten, stillgelegten Autobus auf dem Schrottplatz der Stadt.

Auszug aus "Antonio und Großvater Autobus" "'Tuck-tuck!' sagt da Großvater Autobus. 'Komm - ich fahre dich an das kühle Meer!' Antonio lachte ganz laut. 'Aber Großvater Autobus! Du lügst ja wie die alte Donna Barbara! Ein Autobus ohne Scheiben und ohne Schutzbleche - was ist das schon für ein Autobus!' Großvater Autobus aber war sehr gekränkt. 'Tuck, tuck' sagte er. 'Man kann alles, wenn man nur will!' Und plötzlich rumpelte der alte, gelbe Autobus über die Büchsen und Tonnen bis zur staubigen Landstraße."

Liedtexte schreibt Ingeborg Feustel ebenfalls. Neben der Arbeit für das Sandmännchen, den Büchern und dem Kinderfunk, wo sie 1990 im Butzemannhaus, Kinderfragen beantwortet.

Wo fallen ihnen Geschichten ein? Überall. Manchmal, wenn ich durch den Wald gehe, und manchmal im Garten und manchmal sogar abends im Bett. Dann stehe ich ganz schnell auf und schreibe mir ganz schnell auf, was mir eingefallen ist.

Ingeborg Feustel, Kinderbuchautorin

 Für Kinder schreiben - eine Quelle für den Schriftsteller

Ingeborg Feustel: Ein Wald und Schweinchen Jo
Buchcover "Ein Wald und Schweinchen Jo" Bildrechte: Beltz | Der KinderbuchVerlag

Zur Kreativität kommt Disziplin. Aufgestanden wird im Hause Feustel - auch Ehemann und Sohn sind Schriftsteller - um halb sechs. "Wir vereinen uns 6:15 Uhr am Frühstückstisch. Ab 7:00 Uhr sitzt jeder an seinem Arbeitsplatz. Bis Mittag wird streng gearbeitet. Am Nachmittag wird das Manuskript durchgearbeitet und abgetippt. … Sonntags male ich meistens", erzählt Feustel.

Wie jede gute Kinderbuchautorin will Ingeborg Feustel gar nichts anderes, als für Kinder zu schreiben. Sie sind ein faszinierendes und unbestechliches Publikum. "Und", so die Kinderbuchautorin weiter: "Sie melden sämtliche Wünsche an, die sie als Leser haben. Oder sprechen über ihre Probleme. Das ist sozusagen für den Schriftsteller eine Quelle. Natürlich begegnen einem nie fertige Geschichten, aber tausend Einzelheiten." Aus diesen Einzelheiten schrieb Ingeborg Feustel Geschichten, die auch noch 20 Jahre nach ihrem Tod Leser begeistern.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | Kalenderblatt | 23. November 2018 | 06:40 Uhr

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