DEFA, Polizeiruf, Theater Jaecki Schwarz wird 75: Warum er in jeder Rolle glänzt

Jaecki Schwarz spielte sich schon mit seinen DEFA-Rollen in die Herzen der Menschen. Nach dem Mauerfall eroberte er das ganze Land, so in seiner Rolle als Hauptkommissar Schmücke im "Polizeiruf 110". Am 26. Februar 1946 wurde Schwarz in Berlin geboren. MDR KULTUR-Filmexperte Knut Elstermann blickt mit Schwarz noch einmal auf dessen Lebensetappen der Schauspielers, der sich auch stark für queere Menschen einsetzt.

Der Schauspieler Jaecki Schwarz als Kommissar Herbert Schmücke.
Jaecki Schwarz hat in seinem Leben weit über 100 Film- und Fernsehrollen gespielt Bildrechte: dpa

Seit Beginn der 70er-Jahre gehörte Jaecki Schwarz zu den Filmen der DEFA wie ein Gütesiegel. In großen und in winzigen Rollen war er oft dabei, ein vertrautes, jungenhaftes Gesicht, ein geborener Berliner mit Witz und Schlagfertigkeit. Er war der junge Krause in dem viel gesehene Fernseh-Fünfteiler "Krupp und Krause" (1969), war der einfühlsame Freund des Blinden in Egon Günthers "Der Dritte" (1972) und lieferte in "Märkische Forschungen" (1982) ein kleines, komödiantisches Glanzstück als Polizist an der Mauer ab, der das Weitergehen mit bürokratischer Wortklauberei verweigert.

Unaufgeregtes Spiel

Herb (Jaecki Schwarz), abgebrochener Student und Aushilfsfernfahrer, hat sich in Johanna (Jutta Hoffmann) verliebt.
Jaecki Schwarz an der Seite von Jutta Hoffmann in "Weite Straßen – stille Liebe" (1969) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es lag wohl an dieser Unaufgeregtheit seines Spiels, an der Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, dieser für ihn so typischen Natürlichkeit, dass man ihn nicht übersah, obwohl man ihn buchstäblich fast immer sah.

Der am 26. Februar in Berlin geborene Schwarz – er ist also genau so alt wie die DEFA – wurde zwei Mal an der Berliner Schauspielschule abgelehnt und studierte schließlich in Babelsberg. Fünf Jahre lang, von 1969 bis 1974, spielte er am Theater in Magdeburg, unter anderem einen legendären Puck im "Sommernachtstraum". Die Jahre in Magdeburg betrachtet er als wichtigste Schauspielschule seines Lebens, denn hier konnte er schnell große Rollen spielen, sich ausprobieren und entfalten, was ihm später am berühmten Berliner Ensemble sehr zugute kam.

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Prägende Filme

Vor allem zwei Filme werden in Erinnerung bleiben, Egon Günthers "Die Schlüssel" (1974) an der Seite von Jutta Hoffmann und "Ich war neunzehn" (1968), mit dem für Schwarz alles begann. Konrad Wolf engagierte den Schauspielschüler für diesen autobiografischen Film über die letzten Kriegstage, der zu den besten deutschen Produktionen gehörte. Schwarz ahnte nicht, dass er damals Filmgeschichte schrieb. Wolf nutzte geschickt die jugendliche Unbefangenheit und den offenen Blick von Schwarz, weil sie genau zu seiner Figur des deutschen Emigrantensohnes passten, der in sowjetischer Uniform in die fremde Heimat kommt.

Kampf für Rechte von queeren Menschen

Nichts entgeht den aufmerksamen Blicken der Kommissare Schmücke (Jaecki Schwarz, re) und Schneider (Wolfgang Winkler)
Nichts entgeht den aufmerksamen Blicken der Kommissare Schmücke (Jaecki Schwarz, re.) und Schneider (Wolfgang Winkler) Bildrechte: MDR/Saxonia Media/Domonkos

Nach der Wiedervereinigung führte Schwarz ein sehr öffentliches Leben, sprach über seine Alkoholsucht, den Trennungsschmerz nach der langjährigen Partnerschaft mit einem Schauspielkollegen, über schwere Erkrankungen.

Schwarz, der immer offen schwul lebte, setzt sich aktiv für die Rechte von queeren Menschen ein und nutzte dafür seine gesamtdeutsche Bekanntheit, die er natürlich vor allem seinem Hauptkommissar Schmücke zu verdanken hat. Bis zum letzten Fall 2013 ermittelte er an der Seite seines Freundes Wolfgang Winkler fünfzig Mal in Halle! Auch dieser Figur gab er Menschlichkeit, Natürlichkeit, Zugänglichkeit. Sie machte ihn in ganz Deutschland zum Star.

DEFA-Geschichte

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 26. Februar 2021 | 08:40 Uhr

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