50-jähriges Jubiläum "Polizeiruf 110": Diese Kommissare prägten die Krimi-Reihe

1971 in der DDR gegründet, zählt der "Polizeiruf 110" heute mit mehr als zehn Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern zu den beliebtesten Krimis im deutschen Fernsehen. Der Erfolg der Krimi-Reihe ist dabei vor allem auf die hochkarätig besetzten Schauspielerinnen und Schauspieler zurückzuführen: Von Peter Borgelt über DDR-Ikonen wie Jaecki Schwarz und Wolfgang Winkler und Jürgen Frohriep als Oberleutnant Hübner bis hin zur modernen Kommissarin Doreen Brasch, gespielt von Claudia Michelsen.

Schmücke (Jaecki Schwarz) und Schneider (Wolfgang Winkler) (Szene aus Polizeiruf 110: Laufsteg in den Tod).
Eines der legendärsten Ermittlerpaare in der 50-jährigen Geschichte von "Polizeiruf 110": Jaeckie Schwarz und Wolfgang Winkler. Bildrechte: MDR/Steffen Junghans

Peter Borgelt als Kriminalkomissar Fuchs

sendungsbezogen
Borgelts erster Polizeiruf: "Der Fall Lisa Murnau" (1971). Bildrechte: © MDR/DRA/Bernd Nickel

Als die Krimi-Reihe "Polizeiruf 110" 1971 ins Leben gerufen wird, nimmt Peter Borgelts Schauspielkarriere rasant an Fahrt auf: Denn in über 80 Folgen wird er in seiner Rolle des Hauptmanns Fuchs so etwas wie der ermittelnde Kriminalkommissar für die ganze DDR. Mag Borgelt als Kommissar auch noch so perfekt agieren, die Staatssicherheit traut ihrem Fernsehoberermittler nicht über den Weg und suchte stets aktiv zu verhindern, dass Borgelt aus der strikt vorgegebenen Rolle des pragmatischen Komissars ausbrechen könnte.

Zäsur nach Mauerfall

Als 1989 die Mauer fällt kommt es für Borgelt zu einer beruflichen Zäsur: Ex-Kriminalhauptmann Fuchs muss sich einer neuen Realität stellen, denn im Polizeiruf halten nun andere Themen Einzug. "Thanners neuer Job" (1991) wird Borgelts letzter Polizeiruf. 1993 erkrankt er an Krebs und stirbt ein Jahr später im Alter von 66 Jahren.

Eberhard Feik als Thanner (r), Peter Borgelt als Hauptkommissar Fuchs (M) und Wolf Roth als Druckereibesitzer Ortner.
1991 spielt Peter Borgelt zum letzten Mal Hauptkomissar Fuchs im "Polizeiruf 110". Bildrechte: dpa

Jürgen Frohriep als Oberleutnant Hübner

Oberleutnant Hübner in einem Raum mit Polizeischülern
Ab 1972 verkörpert Jürgen Frohriep den Oberleutnant Hübner. Bildrechte: MDR/DRA/Laaß

In seiner Rolle als Oberleutnant Hübner im "Polizeiruf 110" avancierte Schauspieler Jürgen Frohriep zum Publikumsliebling der DDR. Seinen Durchbruch feierte er jedoch weit vorher: DDR-Regisseur Konrad Wolf besetzte ihn 1959 als Unteroffizier Walter in der preisgekrönten bulgarisch-deutschen Koproduktion "Sterne". Zwischen 1959 und 1962 steht er für zwölf DEFA-Filme, darunter "Weißes Blut", "Der Kinnhaken" mit Manfred Krug und "Das grüne Ungeheuer" vor der Leinwand.

Als die Rollenangebote Anfang der 70er-Jahre spärlicher werden kommt ein Anruf vom Deutschen Fernsehfunk genau zum richtigen Zeitpunkt: Frohliep erhält das Rollenangebot des Oberleutnants Hübner. Ab 1972 ermittelt er über 60 Mal bis zu seinem letzten Polizeiruf "Keine Liebe, kein Leben" im Jahr 1993. Im selben Jahr wird der an Depressionen und Alkoholsucht leidende Schauspieler wenige Wochen nach seinem 65. Geburtstag tot in seiner Wohnung in Berlin aufgefunden.  

Kommissar Rabe (Michael Kind, re.) möchte verzweifeln, denn der Fall wird zunehmend verzwickter - (Oberkommissar Hübner - Jürgen Frohriep).
1993 spielt Frohriep in "Keine Liebe, kein Leben" zum letzten Mal Oberkomissar Hübner. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Jaecki Schwarz und Wolfgang Winkler als Hauptkommissare Schmücke und Schneider

Hauptkommissar Herbert Schmücke (Jaecki Schwarz, links) und Hauptkommissar Herbert Schneider (Wolfgang Winkler) blicken in Richtung Kamera.
Jaecki Schwarz und Wolfgang Winkler als Hauptkommissare Schmücke und Schneider Bildrechte: MDR/NDR

In das Polizeiruf-Büro in der alten Post am Hanse-Ring kommt Hauptkommissar Schmücke meist zu spät und hofft, dass ihm der überpünkliche Kollege Schneider schon die geliebten Croissants besorgt hat: Jaecki Schwarz und Wolfgang Winkler jagen als Kommissare nicht nur Verbrecher in Halle an der Saale, sondern wirken bei der Aufklärung von Kriminalfällen beinahe so vertraut wie ein altes Ehepaar. Im MDR-Fernsehen hat das Erfolgsduo inzwischen mehr als 40 Fälle gelöst.

Erste Begegnung in Potsdam-Babelsberg

Die späteren "Hauptkommissare" lernten sich schon 1967 in den Filmstudios von Potsdam-Babelsberg kennen: Die Hauptrolle des deutschen Emigranten in sowjetischer Uniform in "Ich war neunzehn", die Winkler hätte spielen sollen, wurde letztlich doch von Schwarz übernommen. Während Schwarz mit dem Film seinen Durchbruch feierte, unterlag Winklers Debüt-Streifen der SED-Zensur.

Letztlich feierten beide Schauspieler große Erfolge, nicht nur in Dutzenden DEFA-Filmen, sondern auch auf Theaterbühnen. Auch im wiedervereinigten Deutschland sind beide Schauspieler weiterhin gut beschäftigt und seit 1996 Hauptkomissare im "Polizeiruf", so auch in der 300. Jubiläumsfolge "Fehlschuss" im Jahr 2009.

Kevin erfährt gerade von Schmücke und Schneider dass sein Freund Sascha gestorben ist.
Schwarz und Winkler in "Fehlschuss", der 300. Jubiläumsfolge des Polizeirufs. Bildrechte: MDR/Saxonia/Wünschirs

Claudia Michelsen als Kommissarin Doreen Brasch

Brasch (Claudia Michelsen) verlässt schwer verletzt das Gebäude.
Brasch (Claudia Michelsen) verlässt schwer verletzt das Gebäude. Bildrechte: MDR/filmpool fiction/Stefan Erhard

Seit 2013 beweist Claudia Michelsen als Kommissarin Brasch im Magdeburger "Polizeiruf 110" ihr feinsinniges Gespür für Menschen. Wortgewandt und humorvoll neigt sie in der Rolle der Ermittlerin dazu, sich hin und wieder leidenschaftlich zu verrennen. Bei der Aufklärung von Verbrechen vertraut sie allerdings nicht nur auf ihren Partner Jochen Drexler, gespielt von Sylvester Groth, sondern vor allem auf ihre eigene Intuition.

Anders als der "Tatort" hat die Krimi-Reihe "Polizeiruf 110" auch heute noch ihren Schwerpunkt im Osten Deutschlands. Eben dort begann auch die Karriere der 1969 in Dresden geborenen Schauspielerin. 1985 bewarb sich Michelsen an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" Berlin. Im Anschluss folgte ein Engagement an der Berliner Volksbühne. Dort arbeitete Michelsen mit namhaften Regisseuren wie Heiner Müller und Frank Castorf zusammen.

1991 engagiert sie Jean-Luc Godard für seinen Film "Allegmagne neuf zero / Deutschland Neu(n) Null". 1995 erhält Michelsen für ihre Rolle im Fernsehspiel "Das schafft die nie" den Max-Ophüls-Preis als beste Nachwuchsdarstellerin. Ihre Darstellungen im Film "12 heißt: Ich liebe dich", im DDR-Drama "Der Turm" und in der Romanverfilmung "Grenzgang" brachten ihr zahlreiche Preise ein, unter anderem den Grimme-Preis.

Staatsanwalt Dellwo untersagt weitere Ermittlungen im Fall Schneider, Brasch (Claudia Michelsen) fordert die Observation von Wegner.
Claudia Michelsen im Polizeiruf 110 "Der Verurteilte" Bildrechte: MDR/filmpool fiction/Stefan Erhard
Claudia Michelsen (Rolle Doreen Brasch) 30 min
Claudia Michelsen (Rolle Doreen Brasch) Bildrechte: MDR/Stefan Erhard

50 Jahre "Polizeiruf 110" Rund um den 50. Geburtstag werden bis Ende Juni im Ersten und den Dritten Programmen zahlreiche "Polizeiruf 110"-Folgen gesendet.

Am Sonntag, den 30. Mai präsentiert der Polizeiruf um 20:15 Uhr in der ARD mit den Schauspielern Peter Schneider und Peter Kurth sein neues Ermittlerteam. Das Drehbuch für die Jubiläumsfolge in Halle mit dem Titel "An der Saale hellem Strande" stammt von Clemens Meyer und Thomas Stuber.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Lebensläufe | 27. Mai 2021 | 23:40 Uhr

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