75 Jahre DEFA Die große Charakterdarstellerin Jutta Wachowiak

Sie war eine der großen Charakterdarstellerinnen im Deutschen Theater, bei der DEFA und im DDR-Fernsehen – Jutta Wachowiak, die im Dezember vergangenen Jahres 80 Jahre alt wurde. Die Zauberkraft des Spielens erahnte die geborene Berlinerin schon früh. Ihre Mutter nahm das Mädchen oft mit ins Theater, auch um dem Alltag einer unglücklichen Ehe zu entfliehen. Jutta Wachowiak erlebte nach den Vorstellungen, wie belebt und glücklich die Mutter war. So begann ihr Weg auf die Bühne und vor die Kamera.

Jutta Wachowiak
DEFA-Schauspielerin Jutta Wachowiak Bildrechte: Knut Elstermann

Auch wenn Jutta Wachowiak zunächst den Beruf der Stenotypistin erlernte, war ihr klar, dass es sie auf die Bühne zog. An der Berliner Schauspielschule wurde sie abgelehnt, aber in Babelsberg angenommen, wo sie das Handwerk gründlich erlernte. Erste Engagements hatte sie am Potsdamer Hans-Otto-Theater und von 1968 bis 1970 in Karl-Marx-Stadt, damals ein einzigartiges Spiel-Labor für später sehr berühmte Schauspieler wie Ulrich Mühe, Horst Krause und Christian Grashof. Von dort ging sie an das Deutsche Theater in Berlin, zu deren prägenden Darstellerinnen sie gehörte.

Starke Ausstrahlung vor der Kamera

Auf seiner Flucht aus deutscher Kriegsgefangenschaft lernt der russische Sergeant Grischa (Josef Karlik) die resolute Partisanin Babka (Jutta Wachowiak) kennen.
Szene aus dem Film "Der Streit um den Sergeanten Grischa" von 1968 - Jutta Wachowiak als Partisanin Babka Bildrechte: MDR/DRA/Alexander Schitko

Bald wurden auch das Fernsehen und die DEFA auf die Schauspielerin mit der eigenwilligen, starken Ausstrahlung, der großartigen Sprechkultur und sehr natürlichen Spielweise aufmerksam. Ihre erste große Rolle spielte sie in der Arnold-Zweig-Fernseh-Verfilmung "Der Streit um den Sergeanten Grischa" von 1968. Unzählige Figuren folgten, die sie im ganzen Land bekannt machten.

Mit ihrem intelligenten und intensiven Spiel gab sie auf der Bühne des Deutschen Theaters Figuren wie der Sonja aus "Onkel Wanja" oder "Maria Stuart" unvergessliche, persönliche Konturen. Bei der DEFA erschütterte und rührte sie Publikum vor allem in ihrem wohl wichtigsten Film "Die Verlobte" – das ganz unheldische Porträt einer eingekerkerten, antifaschistischen Widerstandskämpferin, die allein ist mit ihrer Angst und ihrer Sehnsucht nach der großen Liebe ihres Lebens.

MDR KULTUR-Podcast zum 75. Geburtstag der DEFA

In unserem Podcast zum 75. Geburtstag der DEFA sprechen wir mit Jutta Wachowiak vor allem über ihre Arbeiten bei der DEFA, wo sie auch fünf, sehr sensible, leise und kritische Filme allein mit Roland Gräf drehte. Diese Werke wie "Märkische Forschungen" , "P.S." und "Fallada – Letztes Kapitel" zählt sie selbst sehr zurecht zu ihren besten Arbeiten, denn hier wurde auf sehr subtile und subversive Weise Kritik an den bleiernen Zuständen im Lande geübt.

Jutta Wachowiak beschreibt sich als eine "schwierige Schauspielerin" für Regisseure, die nicht auf Augenhöhe mit ihr arbeiten wollen, die ihre Angebote nicht zu schätzen wissen. Die beliebte Schauspielerin, die zu den Organisatorinnen der Proteste 1989 gehörte, spricht sehr offen über die Depression, unter der sie nach der Wende litt, als sie wie viele Kollegen in ein tiefes berufliches Loch fiel und tief betroffen war von der pauschalen Verurteilung von DDR-Biografien, darunter auch ihre eigene.

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Jutta Wachowiak und Harald Juhnke 06/95 an einem Gartenzaun.
1995 spielte Wachowiak mit Harald Juhnke in dem Film "Der Trinker", basierend auf Hans Falladas autobiografisch geprägten Roman. In dem DEFA-Film "Fallada – Letztes Kapitel" von 1988 hatte sie die Ehefrau des Schriftstellers Hans Fallada gespielt. Bildrechte: imago/teutopress

Mehr zur DEFA und dem DDR-Fernsehen

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | "Mir nach, Canaillen!" | 07. Februar 2021 | 10:15 Uhr

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