Dokus, Podcast, Feature "Kinder der Mauer": Wie die deutsche Teilung eine ganze Generation prägte

Als am 13. August 1961 die Mauer gebaut wurde, änderte sich das Leben der damals jungen Generation in der DDR und auch der BRD nachhaltig. Familien wurden auseinandergerissen, Flucht wurde zur Option mit teils tödlichen Folgen, andere wiederum arrangierten sich mit den neuen Gegebenheiten. Die teils dramatischen Auswirkungen auf die heranwachsenden Generation zeigt der Themenschwerpunkt "Wir Kinder der Mauer". Die verschiedenen Beiträge finden Sie hier Online, in der Mediathek, im Fernsehen und im Radio.

Bau der Berliner Mauer am Postdamer Platz 1961
Bau der Berliner Mauer 1961 Bildrechte: dpa

Der Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 sollte auf lange Zeit das Leben vieler Kinder und Jugendlicher bestimmen. Denn die sind noch mehr als die Erwachsenen den Folgen des Mauerbaus ausgeliefert, ohne jede Einflussmöglichkeit auf Politik oder familiäre Entscheidungen: Die deutsche Teilung reißt Familien auseinander, entfremdet Kinder von ihren Eltern und trennt Liebende.

Unzählige junge Ostdeutsche haben zwar Verwandte im Westen, doch mehr als gelegentliche Westpakete und hin und wieder ein Besuch sind über Jahrzehnte nicht denkbar, die Lebenswelten entwickeln sich auseinander. Manche lehnen sich gegen ihren vorgezeichneten Lebensweg auf – andere fügen sich bereitwillig in die Umstände.


Immerhin 1,25 Millionen Menschen verlassen die DDR nach dem Mauerbau für immer. Manche sind kaum 18 Jahre alt und riskieren dabei ihr Leben. Überall in Westdeutschland wachsen deshalb Kinder auf, deren Familien ostdeutsche Wurzeln haben.

Tragische Geschichten als Feature, Doku und Podcast

Unter dem Titel "Wir Kinder der Mauer" werden in einem ARD-Themenschwerpunkt die zahlreichen Geschichten um den Mauerbau erzählt. Die damals Heranwachsenden sind mittlerweile im fortgeschritteneren Alter, haben ihr Leben inzwischen länger ohne als mit Mauer gelebt. Und dennoch bleiben Erinnerungen, Wunden, Fragen und späte Erkenntnisse.

So geht es etwa um die aufwühlende Lebensgeschichte der Ost-Berlinerin Liane Weinstein: Sie wird im Alter von drei Monaten von ihren Eltern getrennt. Der Versuch, sie durch einen Tunnel nach West-Berlin zu holen, scheitert – sie wächst bei den Großeltern in Ost-Berlin auf. Als sie mit elf Jahren endlich ausreisen darf, sind ihre Eltern geschieden, das Verhältnis zu ihnen ist belastet.

Wie die Mauer Leben prägte

Doch auch in umgekehrter Richtung beeinflussen familiäre Entscheidungen das Leben der Kinder: Pro Jahr gehen immerhin über 1.000 Westdeutsche in die DDR, um dort dauerhaft zu leben, viele mit ihren Familien. Einer davon ist der Hamburger Peter Drauschke. Er geht zwei Jahre nach dem Mauerbau mit seinem Freund Erwin freiwillig von der Bundesrepublik in die DDR, weil beide an den Sozialismus glauben. Die Realität zerstört ihre Illusionen: Erwin begeht Suizid, Peter wird nach einem gescheiterten Fluchtversuch verhaftet.

Die Beiträge zum dokumentarischen Schwerpunkt "Wir Kinder der Mauer" finden Sie in der ARD-Mediathek, im Fernsehen, im Radio und im Netz. Dazu gehören der Dokumentarfilm "Wir Kinder der Mauer" und die True-Crime-Story "Wir Kinder der Mauer – Tod in der Ostsee". In der ARD-Audiothek können Sie außerdem ein Hörfunk-Feature und eine Podcast-Reihe hören, zu finden ebenfalls unter dem Titel "Wir Kinder der Mauer".

Bilder aus dem Dokfilm "Wir Kinder der Mauer – Tod in der Ostsee"

Der Tag des Mauerbaus bestimmt auf lange Zeit das Leben vieler Kinder und Jugendlicher. Mehr noch als die Erwachsenen sind sie dem Geschehen ausgeliefert, sind ohnmächtig in Bezug auf Politik und familiäre Entscheidungen. 28 Jahre lang ist die Mauer eine vorgefundene Realität in ihrem Leben. Manche lehnen sich gegen ihren vorgezeichneten Lebensweg auf, andere finden sich mit der Teilung ab. - Der Film erzählt die Geschichte von Menschen, die die DDR als Kinder erlebt haben.
Der Tag des Mauerbaus bestimmt auf lange Zeit das Leben vieler Kinder und Jugendlicher. Bildrechte: MDR/rbb/Stiftung Deutsches Historisches Museum
Der Tag des Mauerbaus bestimmt auf lange Zeit das Leben vieler Kinder und Jugendlicher. Mehr noch als die Erwachsenen sind sie dem Geschehen ausgeliefert, sind ohnmächtig in Bezug auf Politik und familiäre Entscheidungen. 28 Jahre lang ist die Mauer eine vorgefundene Realität in ihrem Leben. Manche lehnen sich gegen ihren vorgezeichneten Lebensweg auf, andere finden sich mit der Teilung ab. - Der Film erzählt die Geschichte von Menschen, die die DDR als Kinder erlebt haben.
Der Tag des Mauerbaus bestimmt auf lange Zeit das Leben vieler Kinder und Jugendlicher. Bildrechte: MDR/rbb/Stiftung Deutsches Historisches Museum
Der Tag des Mauerbaus bestimmt auf lange Zeit das Leben vieler Kinder und Jugendlicher. Mehr noch als die Erwachsenen sind sie dem Geschehen ausgeliefert, sind ohnmächtig in Bezug auf Politik und familiäre Entscheidungen. 28 Jahre lang ist die Mauer eine vorgefundene Realität in ihrem Leben. Manche lehnen sich gegen ihren vorgezeichneten Lebensweg auf, andere finden sich mit der Teilung ab. - Rudi Thurow wurde einer der wichtigsten Fluchthelfer.
Mehr noch als die Erwachsenen sind sie dem Geschehen ausgeliefert, sind ohnmächtig in Bezug auf Politik und familiäre Entscheidungen. Bildrechte: MDR/rbb/Rudi Thurow
Der Tag des Mauerbaus bestimmt auf lange Zeit das Leben vieler Kinder und Jugendlicher. Mehr noch als die Erwachsenen sind sie dem Geschehen ausgeliefert, sind ohnmächtig in Bezug auf Politik und familiäre Entscheidungen. 28 Jahre lang ist die Mauer eine vorgefundene Realität in ihrem Leben. Manche lehnen sich gegen ihren vorgezeichneten Lebensweg auf, andere finden sich mit der Teilung ab. - Nahe des heutigen Mauerparks wurden viele Fluchttunnel gegraben.
28 Jahre lang ist die Mauer eine vorgefundene Realität in ihrem Leben. Manche lehnen sich gegen ihren vorgezeichneten Lebensweg auf, andere finden sich mit der Teilung ab. Nahe des heutigen Mauerparks wurden viele Fluchttunnel gegraben. Bildrechte: mdr/rbb/Sebastian Wagne
 Faltboote der fünf Republikflüchtlinge
Viele versuchen die Flucht. Wie im September 1979: Die gefundenen Faltboote gehören fünf Republikflüchtlingen, die alle aus demselben sächsischen Dorf stammten. Bildrechte: MDR/BStU
40 Jahre später erinnern die Verwandten aus dem Westen an den Tod der Angehörigen bei der missglückten Flucht.
40 Jahre später erinnern die Verwandten aus dem Westen an den Tod der Angehörigen bei der missglückten Flucht. Bildrechte: MDR/Berlin Producers Media GmbH
Bewaffnete Grenztruppen der DDR kontrollieren die Ostsee.
Der Film erzählt die Geschichte von Menschen, die die DDR als Kinder erlebt haben und mit dem Anblick bewaffneter DDR-Grenztruppen aufgewachsen sind. Bildrechte: MDR/BStU
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Die Podcastreihe "Wir Kinder der Mauer"

Übersicht: Alle Beiträge zum ARD-Themenschwerpunkt "Wir Kinder der Mauer" - Dokumentarfilm "Wir Kinder der Mauer"
von Kristin Siebert und Christian von Brockhausen

- True-Crime-Story "Wir Kinder der Mauer - Tod in der Ostsee" (Videos)
Folge 1: Republikflucht
Folge 2: Die Unfall-Lüge
Folge 3: Die Schwester im Westen
Folge 4: Spurensuche

- Radio-Feature: "Wir Kinder der Mauer"
Länge: 54 Minuten

- Podcastreihe "Wir Kinder der Mauer" in sechs Folgen
Folge 1: Rudi Thurow – Ein Grenzsoldat auf der Flucht
Folge 2: Beatrice Hoffmann – Einmal Thüringen, immer Thüringen
Folge 3: Mamo und Dorothee Adugna – Hoch die internationale Solidarität?
Folge 4: Katrin Eder – aus Liebe zu einem Mann und zum Sozialismus in den Osten
Folge 5: Peter Drauschke – Auf der Suche nach kommunistischen Idealen
Folge 6: Markus Pragal – ein Grenzgänger zwischen Ost und West

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 09. August 2021 | 13:40 Uhr

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