Nachrichten & Themen
Mediathek & TV
Audio & Radio
MDR KULTUR im RadioMDR KULTUR im FernsehenÜber unsKontaktSuche
Auch die Kinos dürfen im November-Lockdown keine Besucher empfangen. Bildrechte: MDR/Ole Steffen

Kino im Corona-Lockdown

Christian Bräuer: Fürs Kino streiten zu dürfen ist ein Privileg

von Ole Steffen, MDR KULTUR

Stand: 23. November 2020, 17:15 Uhr

Als Geschäftsführer von mehreren Kinos in Berlin und Dresden und als Vorsitzender der "Gilde Deutscher Filmkunsttheater – AG Kino" ist Christian Bräuer eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Kinobranche. Im Gespräch mit MDR KULTUR verrät er, wie er dieses Corona-Jahr erlebt hat und wie er in die Zukunft blickt.

Der Delphi-Filmpalast ist wohl eines der ehrwürdigsten Kinos in Berlin. Errichtet wurde das Gebäude bereits 1927 – zunächst genutzt als Tanzlokal. Zum Kino wurde der Delphi-Palast dann 1949. Mit seinen goldenen Lampen und roten Wänden erstrahlt der große Saal auch heute noch als cineastische Reminiszenz an die Anfänge des Kinos. Der Delphi-Filmpalast gehört zur Kinogruppe, dessen Geschäftsführer Christian Bräuer ist.

Auf den Fluren des Filmpalastes wird renoviert, doch drinnen im Saal ist es ruhig, als MDR KULTUR Bräuer zum Interview trifft. Denn nach ein paar Monaten Öffnung sorgte der "Lockdown Light" wieder für geschlossene Filmtheater. Gleichwohl kam gerade kurz vor der zweiten Schließung noch einmal ganz viel Zuspruch von Kinoliebhabern, sagt Christian Bräuer. "Das Publikum ist nochmal in die Kinos geströmt, haben gesagt: 'Egal welchen Film. Hauptsache Kino.' Wäre ein Traum, wenn das sonst auch wäre."

Zwischen schlaflosen Nächten und Optimismus

Christian Bräuer brennt fürs Kino – auch wenn ihm die Corona-Krise schon schlaflose Nächte bereitet hat. Bildrechte: MDR/Ole Steffen

Die Kraft für diese herausfordernden Monate hat Christian Bräuer auch aus einer umtriebigen Leidenschaft für die Branche und den Job geschöpft. Entfacht wurde diese bereits im Kindesalter. Damals in den 70er-Jahren im Landkreis Altötting "im tiefsten Bayern", wie er sagt. Seine Oma sei zu der Zeit mit einem Kinobetreiber liiert gewesen. "Da war es für mich als kleines Kind mit das größte, wenn ich die besucht habe, dort helfen zu dürfen, den Saal aufräumen zu dürfen und vielleicht war das eine ganz frühkindliche Prägung", erinnert sich Bräuer.

Trotz Leidenschaft und Kraft für den Job habe die Corona-Krise aber auch schon mal für schlaflose Nächte gesorgt, sagt der Kino-Macher. Gerade wegen der Verantwortung für mehrere Kinos in Berlin und Dresden habe sich sein Leben in den vergangenen Monaten sehr beschleunigt. "Geschlossene Kinos machen mehr Arbeit als offene", sagt Christian Bräuer. Dazu gehörten vor allem viel Organisation, das Erstellen von Hygienekonzepten, die Regelungen von Kurzarbeit und als Interessenvertreter der AG Kino auch Absprachen mit der Politik.

Was nach dem Winter kommt, bleibt ungewiss

Auch die Kino haben Hygienekonzepte ausgearbeitet – darunter auch für genügend Abstand der Kinobesucher untereinander zu sorgen. Bildrechte: MDR/Ole Steffen

Gleichwohl versucht der Kino-Macher konstruktiv in die Zukunft zu blicken: "Ich glaube wir Kinos haben nur eine Chance, wenn wir versuchen zu antizipieren, was danach kommt, weil eins ist klar: In vielen Bereichen – und auch bei uns – wird das Leben danach anders sein." Doch, was genau dieses Andere, dieses neue Leben nach Corona ausmachen wird, kann keiner sagen. Eine Erkenntnis aber, die Christian Bräuer aus diesen schwierigen Monaten mitgenommen hat, ist trotz der Anstrengung auch das Wissen darüber, dass seine Position, sich für das Kino als Kulturort einsetzen zu dürfen, keine Selbstverständlichkeit ist.

Darüber diskutieren zu dürfen, dafür streiten zu dürfen, dass es das Kino so weiter gibt – das ist in der Summe in aller erster Linie nicht viel Arbeit für mich, das ist in aller erster Linie ein wahnsinniges Privileg.

Christian Bräuer, Vorstandsvorsitzender der AG Kino

Solidarität in Gesellschaft und Kinobranche

Der Blick, den Christian Bräuer auf das Kino hat, bleibt also trotz Krise ein lebendiger und fordernder Blick – hin zum Weiterentwickeln und Anpassen an die neue Wirklichkeit. Zudem erlebe er eine Gesellschaft, die durch die Krisenmonate zusammengewachsen ist und  solidarischer miteinander umgeht. Er sehe das beim Programmkino Ost in Dresden, "dass wir da unglaublich über die vielen Jahre mit der Nachbarschaft verwoben sind, dass da eine sehr große Solidarität und Verbundenheit mit dem Kino da ist", so Bräuer. Dieser Gedanke an das Miteinander, die Nachbarschaft und die Solidarität trage ihn durch die Krise.

Ihr Browser unterstützt kein HTML5 Audio.

ARD-Themenwoche: #WieLeben?Der Kino-Macher Christian Bräuer von der AG Kino

Dieses Thema im Programm:MDR KULTUR - Das Radio | 21. November 2020 | 08:15 Uhr