Aktion "Kunst fürs Kino" Corona-Pandemie: Halles Künstler helfen Programmkinos

Ein Kunstwerk von Marc Fromm, ein privates Klavierkonzert oder Bühnenbilder aus der Oper – das bieten Halles Künstler jetzt an, um Spenden für die Kinos der Stadt zu sammeln. Die Aktion nennt sich "Kunst fürs Kino".

Bilder zur Aktion - Kunst fürs Kino - aus Halle
Der Künstler Marc Fromm versteigert seine Arbeit, um Halles Kinos in der Pandemie zu unterstützen. Bildrechte: Dirk Braungardt

Bei "Kunst fürs Kino" werden Kunstwerke versteigert, um Programmkinos in Halle zu helfen. Initiiert haben die Hilfsaktion Sven Sandow und Dirk Braungardt, die eigentlich als Bühnenmeister und Seitenmeister an der Oper Halle arbeiten. Die Versteigerung hat Anfang Februar begonnen und soll mindestens vier Wochen dauern. Angeboten werden Kunstwerke, Arbeiten, Teile von Bühnenbildern aus dem Opernhaus oder ein privates Klavierkonzert im Thalia-Kaufhaus auf dem halleschen Marktplatz.

Kinosaal im Puschkino Halle
Die Plätze im Puschkino in Halle bleiben seit Monaten leer. Bildrechte: Puschkino Halle

Seit Wochen sind die Kinos wieder coronabedingt geschlossen. Auch der Infokasten vor dem Puschkino in Halle ist verwaist und verdreckt, die Aushänge veraltet. Kinobesitzer Torsten Raab setzt sich ab und zu zusammen mit einem Freund in einen seiner zwei Kinosäle, um zusammen eine DVD zu schauen. Wann sein Kino wieder öffnen kann, steht in den Sternen. Es gebe Einrichtungen und Menschen, die es schwerer trifft als ihn, sagt Raab. Über die "Kunst fürs Kino"-Aktion freut er sich dennoch.

Freunde unterstützen

Auktions-Mitinitiator Sandow sagt zu seiner ganz persönlichen Motivation: "Ich bin mit Torsten Raab seit 40 Jahren befreundet. Wir sind zusammen zur Schule gegangen." Sandow habe seinen Werdegang beobachtet, wie er zusammen mit Wolfgang Burkart vom Luchskino, die beiden Kinos aufgebaut habe. "Es ist mir eine Ehre, dass ich da jetzt immer hingehen kann. Und ich freue mich immer, wenn ich ihn sehe und wir über Filme reden können. Er hat eine sehr große Bildung, was die Filme betrifft. Das macht Spaß, alles zu erfahren." Und, das sei ihm auch noch wichtig zu erwähnen: "Es gibt kein Popcorn."

Bilder zur Aktion - Kunst fürs Kino - aus Halle
Die Macher von "Kunst fürs Kino" in Halle Bildrechte: Dirk Braungardt

Keine popkornkauenden Kinder, das gefällt Sandow. Das Puschkino ist wie sein zweites Wohnzimmer, ein Ort, den man nicht missen möchte, der mittlerweile zu seiner Stadt gehört. Sandow gefällt die persönliche Verbindung, wo man sich auch mal einen Film wünschen kann. Er hat das schon mehrmals genutzt und so zum Beispiel  "Der Barbier von Sibirien" auf den Spielplan gesetzt.

Die persönliche Nähe zu den Leuten ist schön, wenn man sich helfen kann. Und es sind nun mal Freunde von uns und die muss man unterstützen in so einer Zeit, in der es wie jetzt richtig schlecht läuft. Das würden sie für uns genauso tun, logischerweise.

Sven Sandow, Mitinitiator der Aktion "Kunst fürs Kino"

Künstler machen mit

Bilder zur Aktion - Kunst fürs Kino - aus Halle
Das Schaufenster zur Aktion "Kunst fürs Kino" Bildrechte: Dirk Braungardt

Sandows Opernkollege Dirk Braungardt findet die Idee gut, eine Auktion für die Kinos zu machen und beteiligt sich daran.

Seitdem steht sein Handy nicht mehr still, viele Künstler beteiligen sich, so Braungardt: "Wir haben jetzt Kunstwerke eingesammelt, viele Künstler angeschrieben und viele oder die meisten haben sich selber gemeldet. Die Kunstwerke sammeln wir gerade ein." Die Kunstwerke werden dann in den Schaufenstern der Thalia-Buchhandlung auf dem halleschen Marktplatz präsentiert, ebenso auf einer Webseite.

Parallel dazu gibt es eine Webseite und da kann man nachvollziehen, was angeboten ist und wo das jeweilige Gebot steht. Wir versuchen, das täglich zu aktualisieren, sodass man wirklich gucken kann, wenn ich ein Gebot  abgegeben habe: Bin ich noch der Höchstbietende oder nicht?

Dirk Braungardt, Mitinitiator der Aktion "Kunst fürs Kino"

Ob nun der renommierte Grafikdesigner Helmut Brade, der international bekannte Keramiker Martin Möhwald oder der Bildhauer Marc Fromm, alle wollen mitmachen und steuern ihre Kunst bei.

Mit dabei ist auch die Bühnentechnikerin Yaroslava Sydorenko. Auch sie hat ein ganz besonderes Verhältnis zum Puschkino, dem kleinen Innenstadtkino in Halle: "Ich komme ursprünglich aus der Ukraine, und als ich nach Halle umgezogen bin, das war ungefähr vor zweieinhalb Jahren, habe ich ein Plakat beim Puschkino gesehen von dem Film 'Donbass'." In dem Film geht es um all die Sachen, die gerade im Osten oder speziell in der Ukraine passierten und teilweise immer noch passieren. Es sei ein Film, der in der Ukraine nicht überall gezeigt werde. "Das Programm, was die Programmkinos in Halle anbieten können, das ist schon was Besonderes."

Ein Stadtgebäude in schwarzweiß
Die Zazie Kino & Bar ist eines von Halles Programmkinos, das durch die Aktion unterstützt werden soll. Bildrechte: Charlotte Kramer/Zazie GmbH

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Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 04. Februar 2021 | 06:15 Uhr

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