Preisverdächtig MDR sechsmal für den Grimme-Preis nominiert – von "Tatort" über Hoyerswerda bis "Schloss Einstein"

Der Grimme-Preis gilt als der Ritterschlag der gehobenen Fernsehunterhaltung. Sechs der insgesamt 74 Nominierungen kommen in diesem Jahr vom MDR, von der Aufarbeitung der rassistischen Pogrome von Hoyerswerda über den Weimarer "Tatort" und die erfolgreiche Kinderserie "Schloss Einstein" bis zur Analyse der "DNA des Ostens". Welche Produktionen nominiert sind, erfahren Sie hier – mit Mediatheks-Link zum Anschauen.

Grimme-Preis
Der Grimme-Preis wird seit 1964 an herausragende Fersehproduktionen vergeben Bildrechte: dpa

Mit gleich sechs Produktionen ist der MDR für den 58. Grimme-Preis nominiert, den angesehnesten Medienpreis Deutschlands. Insgesamt können sich 74 Produktionen und Einzelleistungen Hoffnungen auf die diesjährige Auszeichnung machen, eingereicht waren insgesamt 760. Wer gewonnen hat, wird am 31. Mai bekanntgegeben. Die Preisverleihung erfolgt am 26. August 2022.

"Tatort" aus Weimar

In der Rubrik Fiktion/Spezial sind die Drehbuchautoren Murmel Clausen und Andreas Pflüger "für den stetigen Formatbruch im gemeinsam entwickelten Weimarer 'Tatort'" aufgestellt, so die Nominierungskomission, der in der letzten Folge "Tatort – Der feine Geist" gipfelte, der am 1. Januar 2021 zur Primetime im Ersten zu sehen war.

Aufarbeitung der Pogrome von Hoyerswerda

In der Sparte "Information & Kultur" gehen gleich zwei MDR-Produktionen ins Rennen. Zum Einen die Dokumentation "Hoyerswerda '91 – Eine Stadt, die Gewalt und ihre Aufarbeitung" vom August 2021. Sie bereitet auf, wie es in der kleinen sächsischen Stadt 1991 zu den rassistischen Ausschreitungen kommen konnte, für die Hoyerswerda bis heute als Synonym steht. Es wird aber auch der heutige Umgang mit dem Debakel beleuchtet.

Seit 2014 erinnert ein Mahnmal an die ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Hoyerswerda. 45 min
Seit 2014 erinnert ein Mahnmal an die ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Hoyerswerda. Wer Näheres über die Ereignisse erfahren möchte, muss allerdings erst einen QR-Code einscannen. Im Hintergrund steht der restliche Block des Vertragsarbeiterwohnheims. Bildrechte: ohne Angabe

Die DNA des Ostens

Auch das crossmediale Projekt um die TV-Produktion "Wer wir sind – Die DNA des Ostens" ist in der Rubrik "Information & Kultur" nominiert. Betrachtet wird, ob auch die kurz vor oder nach der Wende geborenen Ostdeutschen eine "DNA des Ostens" in sich tragen. Der Film von Lutz Pehnert erzählt von dieser Generation zwischen Jahrgang 1980 und 1994. Was hat sie geprägt? Wie schauen sie auf ihr eigenes Leben – und das ihrer Eltern?

Wenn Kinder nicht bei ihren Eltern leben können

Im Wettbewerb "Kinder & Jugend" ist der MDR mit gleich drei Produktionen nominiert. Die Dokumentation "Stacy – Mein Leben in der Kinder-WG" aus der Reihe "Schau in meine Welt!" bringt Kindern ein Thema nahe, mit dem sie sich im Alltag möglicherweise noch nicht auseinandergesetzt haben: Wie geht es Kindern, die zurzeit aus unterschiedlichsten Gründen nicht bei ihren Eltern leben können und in einer Wohngemeinschaft Schutz und Zusammenhalt finden? Dabei zeigt sich, dass es in der WG sehr lebendig zugeht – man kocht gemeinsam, studiert Tänze ein, unternimmt Ausflüge und ist füreinander da.

Eine jesidische Flüchtlingsgeschichte

Der Kurzfilm "Seepferdchen" kann ebenso auf einen Grimme-Preis hoffen. Im Mittelpunkt der 15-minütigen Doku steht Hanan, eine junge Jesidin aus dem Nordirak, die 2015 mit ihrer Familie über das Mittelmeer in einem Schlauchboot nach Deutschland floh. Damals konnte Hanan nicht schwimmen. Heute gibt sie anderen Kindern Schwimmunterricht. In der Alltäglichkeit eines Schwimmkurses ringt sie in "Seepferdchen" leise mit ihren furchterregenden Erinnerungen an das Mittelmeer.

Tausend Folgen "Schloss Einstein"

Die erfolgreiche Kinder- und Jugendserie "Schloss Einstein" ist für 1.000 Folgen mit einer Spezialnominierung im Rennen. Die Serie begeistert seit 1998 mit Geschichten aus dem Leben der Schüler im Internat Schloss Einstein. Dabei geht es um die typischen Probleme der angesprochenen Altersgruppe zwischen etwa acht und vierzehn Jahren: Freud und Leid der Schule, vorsichtiges erstes Verliebtsein, Zoff mit Freunden, das Verhältnis zu den Eltern … Mittlerweile läuft die 25. Staffel der Serie auf dem Kinderkanal KiKa, seit der elften Staffel spielt sie in Erfurt.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 24. Februar 2022 | 13:30 Uhr