Filmfestival Max Ophüls Preis 2021 Mitteldeutsche Filmschaffende im Rennen um den Max Ophüls Preis 2021

Das renommierte Festival um den Max Ophüls Preis widmet sich dem Filmemacher-Nachwuchs aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. 2021 Corona-bedingt nur digital. Sieben Produktionen von oder mit Filmschaffenden aus Mitteldeutschland sind im Wettbewerb. Mit dabei ist u.a. die MDR-Koproduktion "Stollen" über das Erzgebirgsdorf Pöhla von der Hallenser Filmemacherin Laura Reichwald oder Nina Gummich, die in "Charité" gerade als junge Ärztin Ella Wendt zu sehen ist. Wir geben einen Überblick.

Sara Fazilat als Nico
Sara Fazilat in "Nico", auch am Drehbuch wirkte Kamerafrau Francy Fabritz mit, die aus Dresden stammt. Bildrechte: Filmfestival Max Ophüls Preis / Francy Fabritz

Sieben Produktionen von oder mit Filmschaffenden aus Mitteldeutschland gehen ab Sonntag beim 42. Festival um den Max Ophüls Preis in Saarbrücken ins Rennen. Auch in seiner Corona-bedingten Online-Ausgabe versteht sich das Festival als Plattform für junge Talente aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Laut dem künstlerischem Leiter Oliver Baumgarten zeichnet sich der Jahrgang durch hohe gesellschaftspolitische Relevanz aus: "Wir fragen uns als Zuschauer angesichts der Probleme unserer Gegenwart: Wie wollen wir zukünftig leben?" So gehe es in den Filmen unter anderem um das Weltwirtschaftsforum in Davos und das Leben der Menschen vor Ort, um Giftmüll vor den Küsten Somalias, aber auch um Flucht und Seenotrettung. Seinen Publikumscharakter soll das Festival trotz Corona beibehalten. 98 Filme werden so vom 17. bis 24. Januar auf einer eigens entwickelten Streaming-Plattform zu entdecken sein.

Filmfestival Max Ophüls Preis 2021: Online only 

Die eigens entwickelte Streaming-Plattform basiert laut Festivalleiterin Svenja Böttger auf der Blockchain-Technologie. Damit werde Kopierschutz garantiert und der Festivalcharakter könne erhalten bleiben. Eine Absage habe nie zur Debatte gestanden. Die Hälfte aller Filme seien freie Produktionen, die andere Hälfte Hochschulproduktionen, erklärte Böttger. Nach der Eröffnung gehen alle Filme am 18. Januar um zehn Uhr online. Es gibt nur eine bestimmte Zahl an Tickets. Die Filme sind nur während der Festivalwoche in Deutschland verfügbar. Zu den meisten Filmen seien Zoom-Konferenzräume mit den Filmemachern geplant.

Eröffnet wird das Filmfestival vom Dokumentarfilm "A Black Jesus". Der Debütfilm von Luca Lucchesi beleuchtet die Verehrung einer schwarzen Jesus-Statue in seinem sizilianischen Heimatdorf und die Spannungen, als eine Gruppe dort untergebrachter Geflüchteter aus Afrika an der religiösen Tradition teilhaben möchte.

Insgesamt treten 50 Filme im Wettbewerb um 16 Preise im Gesamtwert von 118.500 Euro an - darunter zwölf Spielfilme, zehn Dokus, zehn mittellange Filme und 18 Kurzfilme. Die virtuellen Besucher könnten laut Baumgarten auch wieder Publikumspreise vergeben. Wer mindestens 51 Prozent eines Wettbewerbsfilms geguckt habe, könne auf der Streaming-Plattform den jeweiligen Film bewerten.

Benannt ist das Festival nach dem in Saarbrücken geborenen Regisseur Max Ophüls ( 1902-1957 ). Es gilt als eines der wichtigsten Filmfestivals für deutschsprachige Nachwuchsfilmemacher. Den undotierten Ehrenpreis für seine Verdienste um den jungen Film erhält dieses Mal der Regisseur Wim Wenders.

Wettbewerb Spielfilm

"Das Massaker von Anröchte"

Es geht blutig und mysteriös zu in dem Krimi von Regisseurin Hannah Dörr. Hunnische Reiter sollen eingefallen sein in Anröchte, wahllos wurden Menschen geköpft. Der gebürtige Weimarer Hendrik Arnst spielt einen der beiden Kommissare, die in dem Fall ermitteln und dabei immer tiefer in den Kleinstadt-Sumpf eindringen.

Arnst, Jahrgang 1950, studierte an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Berlin, war von 1993 bis 2012 an der Berliner Volksbühne engagiert. Er spielte in TV-Krimis wie "Tatort" oder "Polizeiruf 110", war aber auch auf der großen Leinwand zu sehen, etwa in "Enemy at the Gates" von Jean-Jacques Annaud oder in "The Cat's Meow" von Peter Bogdanovich. Heute lebt er in Berlin.

Sara Fazilat als "Nico"
Der gebürtige Weimarer Hendrik Arnst als Kommissar (r.) Bildrechte: Filmfestival Max Ophüls Preis / Hannah Dörr

"Nico"

Ihr Langfilmdebüt realisierte Regisseurin Eline Gehring mit Kamerafrau Francy Fabritz, die aus Dresden stammt. Gehring und Fabritz, Jahrgang 1985, arbeiteten gemeinsam mit Sara Fazilat am Drehbuch. Fazilat spielt auch die Hauptrolle, die selbstbewusste Deutsch-Perserin Nico. Die ist eine Frohnatur, liebt ihren Job als Altenpflegerin und ist bei allen beliebt. Ein rassistischer Überfall reißt sie aus ihrem unbeschwerten Alltag. Sie fragt sich, ob sie wirklich "dazu gehört" und sieht Alltagsrassismus und Fremdenfeindlichkeit neu. Um nie mehr Opfer zu sein, nimmt sie Karate-Training. Doch der Kampfsport kanalisiert nicht nur ihre Wut, sondern verändert sie selbst.

Fabritz verbrachte die ersten Jahre ihres Lebens in Moskau. Sie studierte Kulturwissenschaften in Hildesheim und Kamera an der DFFB – Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin. Als Regisseurin realisierte sie zuletzt die Kurzfilme "Etage X" (2016) und "Revolvo" (2019), die beide Deutschlandpremiere bei den Internationalen Hofer Filmtagen feierten und für die Cannes-Präsentation Short Tiger Next Generation von German Films ausgewählt wurden.

Wettbewerb Dokumentarfilm

"Stollen"

Die Hallenserin Laura Reichwald reist ins "Weihnachtsland". Ob das Erbe, zu dem auch der Uran-Bergbau gehörte, höchste Ehre oder das größte Unglück bedeutet, darüber streitet man im Dorf Pöhla. Ungeachtet der Folgen leben auch 30 Jahre nach der Wende die Bräuche im Erzgebirge fort. Um das Erbe zu pflegen, vor allem aber um Touristen anzulocken. Besonders im Advent vereint sich Tradition mit wirtschaftlichem Interesse. Inzwischen wurde die Montanregion zum Weltkulturerbe erklärt – und auch eine neue Pilotanlage zum Abbau von Zinn und Wolfram in Betrieb genommen. Reichwald zeichnet "mit "Stollen" das Psychogramm einer Region, die um ihre Identität ringt".

Reichwald, Jahrgang 1988, studierte Medientechnik sowie Bildende Kunst mit der Spezialisierung Film und digitales Kino an der Hochschule für bildende Künste Hamburg bei Wim Wenders und Pepe Danquart. 2017 begann sie ein Regiestudium mit Schwerpunkt Dokumentarfilm an der Filmuniversität Babelsberg "Konrad Wolf".

"Wem gehört mein Dorf?"

Im Ostseebad Göhren auf Rügen gibt es Streit über die Zukunft des beliebten Urlaubsortes. Ein Großinvestor aus Nordrhein-Westfalen hat dort seit der Wende so viele Hotels und Ferienhäuser gebaut wie kein anderer, unterstützt von vier Männern, die den Gemeinderat dominieren. Gegen ein neues Bauvorhaben im Naturschutzgebiet regt sich Widerstand. Aber wie die Mehrheit im Gemeinderat erringen? Der sehr persönliche Film von Christoph Eder erzählt vom Wesen der Demokratie "zwischen weißer Bäderarchitektur und sanftem Meeresrauschen". Nirgendwo sei sie so konkret wie in der Lokalpolitik, betont der Regisseur.

Urlauber in Göhren
Urlauber in Göhren Bildrechte: Filmfestival Max Ophüls Preis / ostlicht filmproduktion

Zwei Jahre lang hat Eder seine Protagonisten für sein Langfilmdebüt begleutet. Eder, 1987 in Göhren geboren, studierte Medienkunst an der Bauhaus-Universität Weimar und Regie an der Filmuniversität Babelsberg "Konrad Wolf". Er wohnt in Weimar und Berlin. Zusammen mit vier Filmemachern gründete er 2013 das KAMMER11 Filmkollektiv. Regie führte er bei dem mit dem Grimme-Preis 2019 ausgezeichnete Satire-Format "Bohemian Browser Ballett" (ARD/ZDF). Zuletzt realisierte er für das digitale Filmfestival von MDR Kultur, "Corona Creative", den Dokflm "Die Isolation der Oma Lilo" als eine dokumentarische Kontaktaufnahme mit einer 91-jährigen Bewohnerin eines Pflegeheimes in Zeiten von Corona, gemeinsam mit Filmemacher Patrick Richter. Seine Kurzfilme, etwa "Imbiss", liefen auf nationalen und internationalen Festivals und wurden mehrfach ausgezeichnet.

Wettbewerb Mittellanger Film

"Postkids"

Nach dem Abi-Ball dem Leben in der Provinz entkommen, das will Luka in Julian Pawelziks Film. Doch der Abend, an dem sie ihren Freundinnen von ihrem Plan erzählt, gerät außer Kontrolle sowie die Freundschaft an ihre Grenzen kommt. In "Postkids" spielt Lou Strenger die Rolle der Isabel. Strenger, 1992 in Ludwigsburg geboren, studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn Bartholdy" in Leipzig. Danach gehörte sie bis 2019 zum Ensemble des Düsseldorfer Schauspielhauses. 2018 wurde Lou Strenger mit dem Publikumspreis "Gustaf" ausgezeichnet. Als junge Weigel wirkte sie in Heinrich Breloers Film "Brecht – Eine Vorstellung" mit, neben Tom Schilling als Brecht. Auf der Berlinale 2019 war Premiere.

Vier junge Frauen
"Postkids" über einen Abi-Ball, der eigentlich der Anfang von etwas Großem sein soll. Bildrechte: Filmfestival Max Ophüls Preis / Julian Pawelzik

Wettbewerb Kurzfilm

"Auto"

Ein Paar ist mit dem Auto auf dem Weg durch die Nacht. Mitten im Wald kommt es erst zum Streit ... Nina Gummich spielt an der Seite von Anton von Lucke. Gummich, 1991 in Leipzig geboren, studierte von 2011 bis 2015 Schauspiel an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater. Von 2015 bis 2018 war sie engagiert am Hans Otto Theater Potsdam. Ihren Vertrag verlängerte sie nicht, um für Film und Fernsehen zu arbeiten. Sie wirkte mit in Produktionen wie "Lotte am Bauhaus", " Unterleuten – Das zerrissene Dorf", in "Babylon Berlin" und der aktuellen Staffel von "Charité" als junge Ärztin Ella Wendt.

Eine Frau und ein Mann sitzen in einem Auto.
Nina Gummich in einer Paargeschichte Bildrechte: Filmfestival Max Ophüls Preis / Kanufilm

"Hasen in einer Wiese"

In diesem experimentellem Spielfilm über Familie, Freiheit und Zusammenhalt von Regisseurin Leonie Kellein wirkt Anne Müller, 1982 geboren im sächsischen Rochlitz, mit. Müller absolvierte von 2002 bis 2006 eine Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Danach gehörte sie bis 2009 zum Ensemble des Schauspiels Frankfurt/Main. Für ihre Rolle als junge Gertrud in Armin Petras' Inszenierung nach Einar Schleefs Buch wurde sie von der "Theater heute"-Jury 2008 zur Nachwuchsschauspielerin des Jahres gewählt. Bis 2013 war sie am Maxim-Gorki-Theater in Berlin. Heute wirkt sie am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Dort spielte sie u.a. die Iphigenie in Karin Beiers Inszenierung "Die Rasenden". Zuletzt war sie u.a. in Christoph Marthalers "Die Wehleider" und in Falk Richters Inszenierung von "Am Königsweg" zu sehen. Außerdem arbeitet sie für Film und Fernsehen.

Nina Gummich in einer Paar-Geschichte
Experimenteller Film über Familie, Freiheit und Zusammenhalt Bildrechte: Filmfestival Max Ophüls Preis/Leonie Kellein

Filmfestivals in Zeiten von Corona

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 18. Januar 2021 | 08:40 Uhr

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