Ausblick 2021 So will die Mitteldeutsche Medienförderung die Kreativwirtschaft stärken

Die Film- und Kreativwirtschaft in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen soll durch die Mitteldeutsche Medienförderung (MDM) künftig noch stärker unterstützt werden. So ist zum Jahresbeginn eine Gründerinitiative gestartet und für Görlitz eine Filmakademie geplant. MDM-Chef Claas Danielsen hat im Gespräch mit MDR KULTUR die Pläne der Medienförderung erklärt und welche Herausforderungen sich dabei stellen – zum Beispiel auch durch die Nichtanhebung des Rundfunksbeitrags für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Eine Filmklappe und ein Kamera-Bildschirm.
Die Film- und Kreativbranche soll in Mitteldeutschland gute Arbeitsbedingungen haben – auch durch das Engagement der Mitteldeutschen Medienförderung Bildrechte: MDR/Alexander Klos

Die Mitteldeutsche Medienförderung (MDM) ist seit vielen Jahren ein wichtiger Baustein beim Entstehen von Filmen und Projekten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Vom Drehbuch bis zum Kinostart unterstützt die MDM Produktionen ganz konkret.

Zum Jahresbeginn startet nun eine Gründerinitiative, mit der neue Formen jenseits der klassischen Filmproduktionen gefördert werden sollen, wie Claas Danielsen, Geschäftsführer der MDM, im Gespräch bei MDR KULTUR erklärte. Die Initiative richte sich neben Firmen aus dem Bereich der klassischen audiovisuellen Medien auch an Unternehmen aus dem Sektor der neuen Medien. In Görlitz soll zudem eine Filmakademie entstehen, um Fachkräfte auszubilden.

Danielsen betonte, dass in den drei Ländern keine gänzlich neue Medienlandschaft entstehen soll, sondern bereits in den letzten 20 Jahren eine sehr kreative und lebendige Struktur gewachsen sei. Diese Strukturen sollen gestärkt werden.

Es gibt schon einige wirklich tolle Produktionsfirmen, ganz viele Kreative.

Claas Danielsen, Geschäftsführer der MDM

Gezielte Förderung soll Abwanderung aufhalten

Gerade bei den neuen Medien, wozu auch der Games-Bereich zählt, nimmt Danielsen eine starke Abwanderung wahr: Junge Menschen studieren Fächer wie Game Design und gehen dann zu einem hohen Prozentsatz aus der Region weg. Hier gelte es gegenzusteuern. Laut Danielsen kann man auf die guten Erfahrungen durch Unterstützungen aufbauen, die in anderen deutschen Regionen gemacht wurden.

Die angedachte Gründerinitiative soll jungen Firmen, Teams, Inhaberinnen und Inhabern eine finanzielle Unterstützung für Betriebskosten zukommen lassen. Danielsen möchte auch, dass sie darüber hinaus "von Mentoren und erfahrenen Kollegen aus der Branche begleitet werden, um einen guten Aufschlag zu machen." Das soll helfen, das erste Jahr erfolgreich zu bewältigen und eine gute Strategie für die Zukunft zu entwickeln, so Danielsen.

Claas Danielsen, Geschäftsführer der Mitteldeutschen Medienförderung, MDM.
Claas Danielsen Bildrechte: imago/Reiner Zensen

Wir wollen jungen Talenten, die von den Hochschulen kommen, die in diesem Bereich gearbeitet haben und sich selbstständig machen und Produktionsfirmen gründen wollen, Hilfestellung bieten, damit sie einen Anreiz haben, hier zu bleiben und ihre neuen Ideen in eigenen Firmen voranzubringen.

Claas Danielsen, Geschäftsführer der MDM

Durch fehlende Beitragserhöhung droht großer Schaden

Danielsen kritisierte auch, dass der Rundfunkbeitrag für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht zum Jahresanfang erhöht worden ist. Diese Sender seien zentrale Partner für regionale Produktionsfirmen und Kreative. Im Bereich Filmproduktionen drohe ein wirklicher Flurschaden, auch in Mitteldeutschland, so Danielsen weiter. "Ob das in Sachsen-Anhalt so präsent war, weiß ich nicht. Man kann nur hoffen, dass das Bundesverfassungsgericht da den Weg ebnet." Denn private Sender würden nur sehr wenig investieren, gerade in schwierigere Filme, so Danielsen.

Auch Spielfilme finanzieren die öffentlich-rechtlichen Sender mit. Ohne die geht es nicht. Die Öffentlich-Rechtlichen sind ein unverzichtbarer Partner. Die jetzt ausbleibende Beitragserhöhung wird sich da dramatisch bemerkbar machen.

Claas Danielsen

Dass der Rundfunkbeitrag seit vielen Jahren nicht gestiegen ist, merke man in der Filmszene schon länger, erklärte Danielsen. Denn die Kosten für Produktionen seien mit der Zeit gestiegen. "Das heißt: Real haben die Sender schon lange weniger Geld zur Verfügung. Die Beiträge der Sender für Spielfilme, Dokumentarfilme oder Serien sind, bis auf einige Leuchtturmprojekte, stetig gesunken." Es werde immer schwerer, führte der MDM-Chef aus, überhaupt Senderpartner zu finden. "Wir als Förderung können diese Lücken gar nicht schließen." Wenn man eine Säule der Finanzierung von Filmen so dramatisch kürze, könne das nicht ausgeglichen werden.

Kreative Produktionsfirmen und Dienstleistungsunternehmen – da hängt eine ganze Branche mit viel Umsatz dran. Die finden gerade in unserer Region keine Partner mehr. Damit wird der ganze Medienstandort nachhaltig geschädigt.

Claas Danielsen

Känguru-Chroniken,Film
Filme wie "Die Känguru-Chroniken" wurden durch die MDM gefördert – gedreht wurde auch in Bitterfeld/Wolfen Bildrechte: X Filme, X Verleih

Filme und ihre Macher

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 12. Januar 2021 | 18:10 Uhr

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