Bilder "Night Will Fall" - Über Hitchcocks rekonstruierten Lehrfilm für die Deutschen

AFPU-Kameramann (Army Film and Photographic Unit) im Einsatz.
Als die britischen Truppen im April 1945 das Konzentrationslager Bergen-Belsen in der Lüneburger Heide erreichen, sind auch Kameramänner unter den Soldaten. Ihre Aufgabe: Sie sollen im Auftrag der Regierung und unter Leitung von Sidney Bernstein die Befreiung dokumentieren und einen Beweis des gewaltigen Ausmaßes der NS-Vernichtungspolitik festhalten. Bernstein sagte in einem Interview: "Ich gab die Anweisung, alles zu filmen, was eines Tages beweisen würde, dass dies wirklich geschehen war. Es sollte eine Lehre für die Menschheit werden, und auch für die Deutschen. Für sie machten wir den Film." Doch auf das, was die alliierten Kameraleute im Lager erwartet, sind sie nicht vorbereitet. Im Bild: AFPU-Kameramann (Army Film and Photographic Unit) im Einsatz. Bildrechte: MDR/IWM Film
Die Alliierten-Kameramänner Sergeant Harry Oakes und Sergeant William Lawrie.
Für das Dokumentarfilmprojekt mit dem Titel "German Concentration Camps Factual Survey" - also "Tatsachenbericht über die deutschen Konzentrationslager" - wird Regiemeister Alfred Hitchcock aus Hollywood engagiert, der Erfahrung mit Propaganda- und Antikriegs-Filmen hat ("Aventure Malgache", "Bon Voyage"). Geplant war, dass er das Bild- und Kartenmaterial montiert. Im Bild: Alliierten-Kameramänner Sergeant Harry Oakes und Sergeant William Lawrie. Bildrechte: MDR/IWM Film
Emotionen junger Frauen, aufgenommen von Sergeant Mike Lewis am 17. April 1945.
Während die Amerikaner einen Kurzfilm über das Grauen fertigen und der Öffentlichkeit vorstellen, verzögert sich das Projekt der Briten unter Regie von Alfred Hitchcock. Der Film ist zu fünf Sechsteln geschnitten, als sich nach dem Kriegsende die politischen Vorzeichen ändern. Der Kalte Krieg kündigt sich an. Statt die Deutschen mit ihren Verbrechen zu konfrontieren, soll in Zeiten des Wiederaufbaus der West-Zone Zuversicht verbreitet werden. Auf Geheiß des britischen Außenministeriums wird das Projekt gestoppt und verschwindet im Archiv.

Im Bild: Emotionen junger Frauen, aufgenommen von Sergeant Mike Lewis am 17. April 1945.
Bildrechte: MDR/IWM Film
US-Armee-Karmeramann Arthur Mainzer mit seiner alten Kamera.
"Night will fall" zeigt auch Ausschnitte aus dem rekonstruierten Bernstein-Film, darunter Großaufnahmen von Opfern. Diese "atrocity pictures" zielen 1945 nicht auf Mitleid, sondern sollen erschüttern und wachrütteln. Im Bild: US-Armee-Karmeramann Arthur Mainzer mit seiner alten Kamera. Bildrechte: MDR/Springfilms
AFPU-Kameramann (Army Film and Photographic Unit) im Einsatz.
Als die britischen Truppen im April 1945 das Konzentrationslager Bergen-Belsen in der Lüneburger Heide erreichen, sind auch Kameramänner unter den Soldaten. Ihre Aufgabe: Sie sollen im Auftrag der Regierung und unter Leitung von Sidney Bernstein die Befreiung dokumentieren und einen Beweis des gewaltigen Ausmaßes der NS-Vernichtungspolitik festhalten. Bernstein sagte in einem Interview: "Ich gab die Anweisung, alles zu filmen, was eines Tages beweisen würde, dass dies wirklich geschehen war. Es sollte eine Lehre für die Menschheit werden, und auch für die Deutschen. Für sie machten wir den Film." Doch auf das, was die alliierten Kameraleute im Lager erwartet, sind sie nicht vorbereitet. Im Bild: AFPU-Kameramann (Army Film and Photographic Unit) im Einsatz. Bildrechte: MDR/IWM Film
Alliierten-Kameramann Sergeant Mike Lewis bei Dreharbeiten in Bergen-Belsen, aufgenommen am 18./20. April 1945.
Der Anblick, der sich den britischen, amerikanischen und russischen Kamerateams bietet, übersteigt jede Schreckensvorstellung: Das Lager ist überfüllt, die meisten Häftlinge sind halb verhungert, überall liegen Tote. Mehr als 10.000. Nicht begraben, nicht bedeckt. Die Kameraleute bleiben und filmen - tagelang. Alliierten-Kameramann Sergeant Mike Lewis bei Dreharbeiten in Bergen-Belsen, aufgenommen am 18./20. April 1945. Bildrechte: MDR/IWM Film
André Singer (Creative Director & CEO von Springerfilms) während der Dreharbeiten in Auschwitz.
Das Material lagert jahrelang im Archiv, ist unvollständig, eine Filmrolle geht verloren. 70 Jahre später ist es dem Imperial War Museum gelungen, den Hitchcock-Film vollständig zu rekonstruieren. 2014 wird er erstmals in Deutschland auf der Berlinale vorgestellt. Wie der Lehrfilm doch noch zustande kommen konnte, zeigt André Singer in seinem Dokumentarfilm "Night will fall". Im Bild: André Singer (Creative Director & CEO von Springerfilms) während der Dreharbeiten in Auschwitz. Bildrechte: MDR/Springfilms
André Singer (Creative Director & CEO Springerfilms) und die Holocaust-Überlebende Anita Lasker-Wallfisch während der Dreharbeiten.
"Night will fall" erzählt, wie die Alliierten 1944/1945 in befreiten Lagern Filmaufnahmen machten. Dazu nutzt er Original-Material und befragt Zeitzeugen wie die Holocaust-Überlebende Anita Lasker-Wallfisch, hier während der Dreharbeiten mit Filmemacher André Singer (r.). Bildrechte: MDR/Springfilms
Lächelnde Kinder hinter Stacheldraht, aufgenommen von Sergeant Mike Lewis am 19./20. April 1945.
Zu Wort kommen ehemalige Kameramänner, auch der Chef der Expeditionseinheit (SHAEF), Sidney Bernstein, und auch Alfred Hitchcock sind im O-Ton zu hören. Im Bild: Lächelnde Kinder hinter Stacheldraht, aufgenommen von Sergeant Mike Lewis am 19./20. April 1945. Bildrechte: MDR/IWM Film
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