DEFA-Geschichte "Sachsens Glanz und Preußens Gloria": Wie eine Filmlegende entstand

Als die DEFA 1983 den Mehrteiler über Aufstieg und Fall des sächischen Königshauses dreht, ist das Dresdner Residenzschloss noch eine Ruine. Schwer, da barocken Zauber einzufangen. Regisseur Hans-Joachim Kasprzik scheut mit seinem Riesenstab weder Kosten noch Mühen. Dietrich Körner oder Rolf Hoppe spielen die Sachsenkönige, bis in die Nebenrollen ist das Epos hochkarätig besetzt. Es wird die teuerste DEFA-Produktion aller Zeiten, ein Exportschlager – und eine Filmlegende, die es so fast nicht gegeben hätte. Jetzt ist ein Making of und der Sechsteiler selbst wieder zu sehen.

Dietrich Körner (August II, Kurfürst von Sachsen, König von Polen)
Bald am Ziel seiner Wünsche: Dietrich Körner als August der Starke vor seiner Krönung zum König von Polen, gedreht wurde die Szene in der Prager Sankt Nikolauskirche. Bildrechte: MDR/Deutsches Rundfunkarchiv/Bernd Nickel

Wer Glanz und Gloria will, darf weder Kosten noch Mühen scheuen: Rund 21 Millionen Mark der DDR verschlingt denn auch die teuerste DEFA-Produktion aller Zeiten. In sechs Teilen erzählt sie von Aufstieg und Fall des sächsischen Königshauses im 18. Jahrhundert. Regisseur Hans-Joachim Kasprzik schafft mit seinem Riesenstab einen prächtigen Kostümfilm, der auch Geschichtsstunde sein soll; mit pointierten Rededuellen im Rausch der schönen Bilder, mit Intrigen, Machtkampf, Schlachtengetümmel – und einem Hauch romantischer Liebe. Dabei schreiben die Macher Mythen und Legenden fort – und sie erschaffen mit großem Aufwand neue. Allein für die ersten beiden Teile gibt es 123 Drehtage an 53 Drehorten. Gedreht wird nicht nur in Sachsen, sondern auch im Ausland, beispielsweise in der Leningrader Eremitage.

Also Netflix hätte das nicht viel besser machen können.

Dirk Syndram Direktor des Grünen Gewölbes

Straßenfeger und Exportschlager

"Sachsens Glanz und Preußens Gloria" läuft schließlich zur besten Sendezeit im DDR-Fernsehen, wird sogar ein Exportschlager und prägt den Blick auf die sächsische Geschichte. Bis heute. Davon wissen Historiker, aber auch Gästeführerinnen und -führer von Originalschauplätzen wie der Burg Stolpen zu berichten. Touristen wollen manchmal gar nicht glauben, dass die von August dem Starken verbannte Mätresse, die Gräfin Cosel, Briefen und Dokumenten zufolge nicht die große romantisch Liebende war. Vor allem aber war sie anders als im Film keine frühe Feministin, die die männerdominierte Politik aufmischt und sich fürs Volk einsetzt, wie Jens Gaitzsch, Museologe auf der Burg Stolpen, dem Verbannungsort, feststellt. Auch ihr Fluchtversuch sei frei erfunden. Wind- und Regenmacher der DEFA sowie die örtliche Freiwillige Feuerwehr legen sich damals ins Zeug, die Dramatik dieser frei erfundenen Handlung zu steigern.

Dietrich Körner (König August II. von Sachsen) (li), Marzena Trybala (Anna Constantina von Hoym, spätere Gräfin Cosel) (re)
Dietrich Körner als August II. mit Marzena Trybala als Anna Constantia von Hoym, die spätere Gräfin Cosel Bildrechte: MDR/Deutsches Rundfunkarchiv/Siegfried Skoluda

Vor allem aber die schauspielerischen Leistungen der Star-Besetzung sorgen für Spannung und den Erfolg von "SGPG": Magdalena Trzybala agiert als schöne und temperamentvolle Gräfin. Dietrich Körner ist majestätisch und lässig zugleich August II., der Starke, der kraftstrotzend das bekannte Hufeisen verbiegt. Rolf Hoppe mimt den schwächelnden Nachfolger August III. als melancholischen Sachsenkönig, der auf einen drahtigen Preußen trifft. Arno Wyzniewski spielt diesen Friedrich Zwo, der aus dem kurfürstlichen Sachsen im Siebenjährigen Krieg dann einen "Mehlsack" macht. Auf den müsse man nur immer wieder draufschlagen, es komme immer noch was raus, ließ Friedrich der Große der Überlieferung nach verlauten. Dabei hatte die sächsisch-preußische Beziehungsgeschichte doch scheinbar harmonisch begonnen ...

Sachsen-Preußen: Szenen einer Nachbarschaft

Johann Fink/Fincke (?), Johann Georg II. von Sachsen und Friedrich Wilhelm von Brandenburg, Um 1665; Öl auf Leinwand, 163 x 133 cm, Rüstkammer, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Johann Fink/Fincke (?): Johann Georg II. von Sachsen und Friedrich Wilhelm von Brandenburg, Um 1665 Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Elke Estel/Hans-Peter Klut

Wallende Locken, prächtige Rüstungen, rechts Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg, links Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen – Hand in Hand malte Johann Fink in einem großen Ölbild die beiden Nachbarn um 1660. Beide griffen nach der Königswürde, nicht ohne einander dabei zu unterstützen. Damals tauschten sie noch gegenseitige Glückwunschschreiben aus. Zugleich wetteiferten sie um "Glanz und Gloria" – und rüsteten auf.

Die Allianz zwischen Preußen und Sachsen war nicht für die Ewigkeit. Mit Friedrich II. kam die fatale Wende. 1756 marschierte der Preuße in Sachsen ein und eröffnete damit einen Siebenjährigen Krieg in Europa. Als Aufmarsch- und Versorgungsgebiet musste Sachsen herhalten. So folgten auf den Handschlag blutige Schlachten, der Aufstieg Preußens zur europäischen Großmacht und der Niedergang des glanzvollen Sachsens, das an der Seite Napoleons in den Befreiungskriegen unterging und nach dem Wiener Kongress 1814/1815 zwei Drittel seines Territoriums verlor. Die erste Brandenburgische Landesausstellung 2014 schilderte diese "Szenen einer Nachbarschaft".

Die Idee zur Sachsen-Preußen-Saga

Sachsens Glanz und Preußens Gloria - Making of
Drehbuch-Autor Albrecht Börner Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Regisseur Hans-Joachim Kasprzik (1928-1997) hatte sich in der DDR bereits mit Literaturverfilmungen wie Falladas "Kleiner Mann – was nun" (1967) oder Feuchtwangers "Die Brüder Lautensack" (1972) einen Namen gemacht. "Sachsens Glanz und Preußens Gloria" (1983/87) wird sein größtes und tragischerweise letztes Werk. Das Drehbuch schreibt der Thüringer Autor Albrecht Börner, von dem überhaupt die Idee kommt, die sächsisch-preußische Beziehungsgeschichte filmisch zu beleuchten. Ein Fußballspiel im Herbst 1978 in Jena inspiriert ihn:

Bei diesem Fußball-Spiel fingen die Jenaer Fans plötzlich an zu skandieren: 'Thüringen, Thüringen.' Und nach einer Weile konterten die Fans aus Magdeburg: 'Preußen, Preußen.' Da dämmerte es mir, dass dieses Landsmannschaftliche einfach nicht tot zu kriegen war. (...) So kamen wir zu dem Entschluss, den Konflikt zwischen Preußen und Sachsen in den Fokus zu nehmen.

Albrecht Börner Drehbuch-Autor von "Sachsens Glanz und Preußens Gloria"

Die Vorlage für sein Drehbuch findet Börner im Romanzyklus des polnischen Schriftstellers Józef Ignacy Kraszewski (1812-1887), der mehr als 20 Jahre im Dresdner Exil verbracht hat. Kraszewskis "Sachsentrilogie" erzählt fantasievoll vom Leben der Gräfin Cosel als Mätresse am Hofe Augusts des Starken, vom Aufstieg Brühls und von den Wirren des Siebenjährigen Krieges unter August III..

"SGPG": Worum es in dem Sechsteiler geht

August der Starke nimmt sich Anna Constantina von Hoym, die spätere Reichsgräfin von Cosel, zur Mätresse. Er gewinnt die polnische Krone, agiert aber eher glücklos in der europäischen Politik. Ihm folgt sein Sohn, der Sachsenkönig August III., auf den Thron. Er ist von den Regierungsgeschäften eher überfordert, flüchtet sich lieber ins Sammeln und Betrachten von Bildern. Er vertraut die Regierungsgeschäfte nacheinander Graf Sulkowski und dessen Gegenspieler Minister Heinrich Graf von Brühl an. Im Gegensatz zum trägen Sachsenkönig weiß der Preußenkönig, Friedrich der Große, die Gunst der Stunde zu nutzen.

So wie Kraszewski Roman soll auch der Film aus sechs Teilen bestehen. Doch dagegen formiert sich anfangs Widerstand, da bei der DEFA zur gleichen Zeit ein Vierteiler über das Leben des Kommunisten und Widerstandskämpfers Ernst Thälmann-Film entsteht. Erst mit dem "SGPG"-Erfolg nach der Ausstrahlung wird mit der eigentlich vorangestellten Geschichte rund um die Cosel in zwei Teilen nachgelegt.

Es geht darin also um ihre Liebe zu August dem Starken und ihr tragisches Ende in der Verbannung auf der Burg Stolpen. Nach dem Tode Augusts des Starken steht der listige Graf Brühl im Mittelpunkt. Mit Intrigen versteht er es, August III. auf seine Seite zu ziehen und Widersacher am Hofe zu entfernen. Es folgen die Wirren des Siebenjährigen Krieges. August III. und Brühl legen sich mit Friedrich dem Großen an. Bis preußische Soldaten in Dresden einmarschieren. Preußens Gloria siegt über Sachsens Glanz.

Wahrheit und Dichtung

Rolf Hoppe (König August III.)
Rolf Hoppe als August III.: Ein König, der eigentlich keiner sein will Bildrechte: MDR/Deutsches Rundfunkarchiv/Heinz Pufahl

Die Fernsehfürsten der DDR sind vom Stoff nicht gleich überzeugt, wie sich der erfahrene Fernseh-Dramaturg Börner erinnert. Statt Residenzen gibt es schließlich längst DDR-Bezirke, der Adel gilt als abgeschafft, das Dresdner Residenzschloss gleicht Anfang der 1980er-Jahre wie zum Beweis noch immer einer Ruine. Allerdings besinnt sich das Politbüro in dieser Zeit gerade auf preußische Tugenden und repräsentative Bauten. Der alte Fritz kehrt auf seinen Platz Unter den Linden zurück, der Französische und der Deutsche Dom werden aufwendig saniert. Das kriegsbeschädigte Stadtschloss gegenüber hat man 1950 gesprengt, aber indessen einen eigenen Palast an Ort und Stelle errichtet.

 Irma Münch (Königin Maria Josepha) (li), Ezard Haußmann (Heinrich Graf von Brühl) (re) (sitzend, 1. Reihe), Marta Rafael (Gräfin Kolowrath, Oberhofmeisterin) (1.v.l.), Jitka Molavcova (Gräfin Franziska von Kolowrath) (3.v.l.) (2. Reihe stehend)
Irma Münch als Königin Maria Josepha und Ezard Haußmann als Heinrich Graf von Brühl, sitzend Bildrechte: MDR/Deutsches Rundfunkarchiv/Heinz Pufahl

Vielleicht hat es geholfen, der Adelsgeschichte progressive Züge zu verleihen. Drehbuch-Autor Börner erfindet den aufmüpfigen Kämmerer Heinrich von Watzdorf und führt ihn als eine Art Aufklärer in die feudale Geschichte ein. Watzdorfs Leben währt nur kurz und endet tragisch: Nachdem er das Königshaus öffentlich wegen Kriegstreiberei und Verschwendungssucht anprangert, landet er auf der Festung Königstein, wo man ihn endlich vom Turm herunterstürzt. Börner will seine Figur rückblickend allerdings so verstanden wissen: "Aufklärung ist ja ein Sprengstoff für alle absolutistischen Herrschaftsformen. Und für dogmatische Denksysteme." Einiges in "Sachsens Glanz und Preußens Gloria" hatte aus seiner Sicht "auf jeden Fall einen Gegenwartsbezug".   

Brühl, hab' ich noch Geld? (...) Natürelemont, Majestät brauchen doch immer nur zu befehlen.

Dialog zwischen August III. und Graf Heinrich von Brühl

Wie barocke Pracht erzeugen?

Sachsens Glanz und Preußens Gloria - Making of
Auch in Moritzburg wurde gedreht, Anne Kasprik spielte Gräfin Dönhoff, die Nachfolgerin der Cosel als Augusts Mätresse. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Szenarist und Regisseur arbeiten drei Jahre am Drehbuch und müssen dann noch einmal anderthalb Jahre warten, bis die DEFA das Budget zusammen hat. Zum Schluss beklagt Kasprzik in privaten Aufzeichnungen immer verzweifelter verrinnende Zeit und Schaffenskraft. 1983 ist es dann endlich so weit: An möglichst authentischen Orten will Kasprzik die Sachsen-Preußen-Saga verfilmen. Doch das barocke Dresden gibt es so nicht mehr, im Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges ging es unter. Nur wenige Originalschauplätze wie Hofkirche, Stallhof oder Brühlsche Terrassen kommen als Kulisse in Frage. Weitere Sets werden in Bautzen und Görlitz, auf Schloss Pillnitz, Moritzburg oder Stolpen, aber auch in Potsdam-Sanssouci gefunden.

In Moritzburg sollte August der Starke eins seiner berühmten Fressgelage veranstalten. Bei diesem Dreh gab es alles, was das Ostherz begehrte. Südfrüchte und alles mögliche, was sonst nicht zu haben war. Das Gemeine: Die Tafel wurde damit vor uns aufgebaut und wir durften nichts essen.

Anne Kasprik Schauspielerin und Tochter des Regisseurs
Sachsens Glanz und Preußens Gloria - Making of
Szenenbildner Georg Kranz zeigt, wie er mit einer Vorsatzscheibe Kulissen in die Landschaft zaubert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Für einige Schlüssel-Szenen sind die sozialistischen Bruderländer gefragt. So wird August der Starke in der Prager Sankt Nikolauskirche gekrönt und die Leningrader Eremitage für Innenaufnahmen zum Residenzschloss umfunktioniert. Sogar nachgebaut werden Drehorte in den Babelsberger Studios. Am Dresdner Residenzschloss selbst zaubert Szenenbildner Georg Kranz eine neue Fassade auf die kriegsversehrte Ruine.

Handgenäht sind all die vielen Kostüme und Perücken. Glanz ins Bild bringen auch die Requisiten, darunter originale Museumsstücke. Sogar das echte Tafelsilber und -porzellan, von dem einst August III. speiste, oder Krönungsmöbel aus Wien leiht man sich gegen eine enorme Versicherungssumme aus.

Ich kann mich erinnern, dass ich ganz oft in der DEFA zu Kostümproben war, weil die Corsagen angefertigt werden mussten. Das war eine Heidenarbeit!

Anne Kasprik Schauspielerin und Tochter des Regisseurs
Sachsens Glanz und Preußens Gloria - Making of
Gunter Schoß spielte Graf Josef von Sulkowski und erinnert sich mit dem Drehbuch in der Hand, wie bei der Fassade im Stallhof gezaubert wurde. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Herbst 1983 beginnen die Dreharbeiten. Mit Dietrich Körner, Rolf Hoppe, Arno Wischnewski oder auch Ezard Haußmann als Graf Heinrich von Brühl werden populäre Schauspieler gewonnen. Selbst kleinere Rollen werden – beispielsweise mit Eberhard Esche, Klaus Piontek oder Gunter Schoß – hervorragend besetzt. Mit herkömmlichem ORWO-Filmmaterial gibt sich Regisseur Kasprzik nicht zufrieden, da es weder sonderlich farb- noch kältebeständig ist, bevorzugt er teures amerikanisches Band.

Wer mitgespielt hat in "Sachsens Glanz ..."

August der Starke: Dietrich Körner
Gräfin Cosel: Marzena Trybała
August III.: Rolf Hoppe
Graf Heinrich von Brühl: Leander Haußmann / Ezard Haußmann
Gräfin Franziska von Brühl: Jitka Molavcová
Graf Josef von Sulkowski: Gunter Schoß
Königin Maria Josepha: Irma Münch
Friedrich II.: Arno Wyzniewski
Monika Woytowicz: Gräfin Frederike von Moszynska, Tochter von August dem Starken mit seiner Mätresse, Gräfin von Cosel
u.v.a.

Am Ende fast gescheitert

Arno Wyzniewski (König Friedrich II. von Preußen)
Arno Wyzniewski als Friedrich der Große Bildrechte: MDR/Deutsches Rundfunkarchiv/Heinz Pufahl

Im Februar 1984 werden die ersten vier Teile fertig. Dann scheint es, als wäre all der Aufwand umsonst gewesen. Nachdem die Schauspielerin Monika Woytowicz 1983 in die Bundesrepublik ausreist, droht ein Sendeverbot. Staats- und Parteichef Honecker hat schließlich die Devise ausgegeben, dass kein Verräter mehr über den Bildschirm gehen soll, wie sich Albrecht Börner erinnert. Doch das fertige Projekt, an dem sich auch die ARD mit einer Million West-Mark beteiligt hat, erweist sich wohl als zu groß, um daran noch scheitern zu können. Auch spielte Woytowicz, beim Fernseh-Publikum beliebt für ihre "Geschichten übern Gartenzaun", in dem Mehrteiler eher eine Nebenrolle.

Weihnachten 1985 wird "Sachsens Glanz und Preußens Gloria" schließlich im DDR-Fernsehen ausgestrahlt. Sogar in Paris gibt es eine Premiere. Ob des Publikumserfolges entstehen bis 1987 noch zwei Teile, die nun die Vorgeschichte rund um die Gräfin Cosel zeigen. Noch während der Dreharbeiten kommt es zu dem Entschluss, das Dresdner Residenzschloss wiederaufzubauen. Dirk Syndram, Direktor vom Grünen Gewölbe, will das nicht als Zufall sehen, sondern als Koinzidenz in dem "Wunsch, Geschichte wieder sichtbar zu machen". Nicht mehr nur die der Arbeiterklasse.

Bilder Making of: Sachsens Glanz und Preußens Gloria

Dass die Fernsehzuschauer in der DDR in großen Bildern von Sachsens Glanz erfahren, ist vor allem dem Schriftsteller Alfred Börner und dem Regisseur Hans Joachim Kasprzik zu verdanken.

Sachsens Glanz und Preußens Gloria: Making of
Das barocke Dresden ist ein Mythos. Vieles wurde in den Bombennächten von 1945 zerstört und erst in jüngster Zeit wieder aufgebaut. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Sachsens Glanz und Preußens Gloria: Making of
Das barocke Dresden ist ein Mythos. Vieles wurde in den Bombennächten von 1945 zerstört und erst in jüngster Zeit wieder aufgebaut. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Sachsens Glanz und Preußens Gloria: Making of
Leander Haußmann erzählt noch heute begeistert von den Dreharbeiten mit Regisseur Hans Joachim Kasprzik, der voller Witz und Kraft gewesen sei. Damals noch Schauspielstudent stand Haußmann mit der ersten Riege vor der Kamera. Er sagt über die Sachsen-Saga: "Es war nicht so etwas wie "Ernst Thälmann, Sohn seiner Klasse". Es war etwas ganz Neues, dass man sich daran gewagt hatte, dass sich die DDR ein bisschen geöffnet hatte ... plötzlich für diese Tradition und  Geschichte." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Sachsens Glanz und Preußens Gloria: Making of
Eher durch einen Zufall wirkte auch die Tochter des Regisseurs, Anne Kasprik, mit. Sie mimte Gräfin Dönhoff, die Nachfolgerin der Cosel als Mätresse Augusts des Starken. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Sachsens Glanz und Preußens Gloria: Making of
Anne Kasprik weiß auch um die Kämpfe ihres Vaters, das Großprojekt zu starten und zu stemmen. Kasprzik, Jahrgang 1928, stammte aus einer armen schlesischen Bergarbeiterfamilie. Er las seit frühester Kindheit, ging in der Nachkriegszeit so oft er konnte ins Kino.
Vom Statisten brachte er es zum Regieassistenten und zum Regisseur.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Sachsens Glanz und Preußens Gloria: Making of
Die sechs Filme rund um "Sachsens Glanz und Preußens Gloria" haben bis heute Spuren hinterlassen. Historiker oder Gästeführer an einstigen wie der Burg Stolpen können ein Lied davon singen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Sachsens Glanz und Preußens Gloria: Making of
Dass die Fernsehzuschauer in der DDR in großen Bildern von "Sachsens Glanz und Preußens Gloria" erfahren, ist vor allem dem Drehbuchautor Alfred Börner und Regisseur Hans Joachim Kasprzik zu verdanken. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Sachsens Glanz und Preußens Gloria: Making of
Jens Gaitzsch, Museologe auf der Burg Stolpen, dem Verbannungsort der Gräfin Cosel, stellt fest, dass sie nicht allein die romantisch Liebende war und auch keine frühe Feministin.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Sachsens Glanz und Preußens Gloria: Making of
Auch der aufwendig inszenierte Fluchtversuch von der Burg ist eine Erfindung der Filmemacher, wie Gaitzsch betont. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Sachsens Glanz und Preußens Gloria: Making of
Gaitzsch, der jede der mehrere tausend Seiten umfassenden Akten über die Cosel im Sächsischen Staatsarchiv gelesen hat, kommt zu dem Schluss, dass die Gräfin wohl eine "histrionische Persönlichkeit" gewesen sei. "Mit impulsiven und narzisstischen Zügen." Fest steht, dass sie 49 Jahre ihres Lebens in Verbannung auf Burg Stolpen verbringen musste und dort auch starb. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Sachsens Glanz und Preußens Gloria: Making of
Christoph Pötzsch ist heute Stadtführer in Dresden und kennt alle Schauplätze des Films. Er sah zu bei den Dreharbeiten und sagt:
"'Sachsens Glanz und Preußens Gloria' ist eine Literaturverfilmung, keine Doku über sächsische Geschichte. Wenn man sich darauf einlässt, sind die Filme in sich stimmig. Eine großartige, dramaturgische Vision."
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Sachsens Glanz und Preußens Gloria: Making of
Szenenbildner Georg Kranz sorgte dafür, dass die filmische Zeitmaschine ins Barock funktionierte. Der kriegsversehrten Ruine des Dresdener Residenzschlosses gab er mit dem Scheibentrick eine neue Fassade.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Sachsens Glanz und Preußens Gloria: Making of
Auch für einen Maskenball, der in Potsdam in der Nähe des Neuen Palais inszniert wurde, zauberte er. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Sachsens Glanz und Preußens Gloria: Making of
"Also Netflix hätte das nicht viel besser machen können", findet am Ende Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes in Dresden.
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'Sachsens Glanz und Preußens Gloria' ist eine Literaturverfilmung, keine Doku über sächsische Geschichte. Wenn man sich darauf einlässt, sind die Filme in sich stimmig. Eine großartige, dramaturgische Vision.

Christoph Pötzsch Stadtführer in Dresden

Zehn Jahre seines Lebens hat Regisseur Kasprzik schließlich an "Sachsens Glanz und Preußens Gloria" gearbeitet. Der Sechsteiler erweist sich als Bestseller. Auch die ARD zeigt die Serie. Nach 1989 fällt es Hans Joachim Kasprzik schwer, einen Job zu finden.

Making of

* Zehn Stunden Film in sechs Teilen
* 186 Drehorte, davon 100 im Außenbereich,
* Innenaufnahmen in 86 verschiedenen Dekorationen vom Hinterzimmer und Kabinett bis zu Salons und Sälen
* 21 Millionen Ost-Mark, eine Million D-Mark zahl die ARD für die Senderechte.

Buchtipp Albrecht Börner
Sachsens Glanz und Preußens Gloria
336 Seiten
Jena: Bussert & Stadeler 2007
ISBN: 978-3-932906-76-3

Auf Basis von Józef Ignacy Kraszewskis Epos schrieb Albrecht Börner das Drehbuch. Kraszewskis Zyklus umfasst die drei Romane "Gräfin Cosel" (1873), "Brühl" (1874) und "Aus dem Siebenjährigen Krieg" (1875). Jeder der drei Teile ist noch untergliedert in zwei Bücher.

DEFA-Geschichte: Mehr als Märchen

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 27. Dezember 2020 | 22:00 Uhr

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