Sanierung des historischen Gebäudes Studiokino Magdeburg: Die Vision vom Filmkunsthaus

Die Neustadt in Magdeburg ist ein eigenwilliger Stadtteil: Er wirkt etwas verwahrlost, aber hat ein kleines kulturelles Zentrum. Genau in dem Radius, indem zur Napoleonischen Zeit das Viertel erbaut wurde – mit Nicolaikirche und Gesellschaftshaus, dem sogenannten Marktschlösschen am heutigen Moritzplatz. Einen Teil des Gebäudes kennt man als Studiokino. Von außen sieht es eher heruntergekommen aus. Doch das soll sich ändern, denn der Kinobetreiber setzt auf einen großen Umbau.

Das Studiokino Magdeburg – dessen rot-beige Außenfassade mit Graffiti beschmiert und die Inneneinrichtung noch an das DDR Programmkino der siebziger Jahre erinnert ­– birgt eigentlich ein imposantes Ambiente. Kino-Geschäftsführer Frank Salender sagt, man kenne das Studiokino eigentlich als Kinosaal, in dem alles ringsherum mit Stoff abgehangen ist. Doch vor dem Zweiten Weltkrieg habe in dem Saal alles Mögliche stattgefunden, vom Boxkampf über Modenschauen bis hin zu Konzerten.  

Als repräsentatives Gesellschaftshaus gebaut

1820 unter napoleonischem Einfluss wurde es als repräsentatives Gesellschaftshaus errichtet. Daran will man Salender zufolge mit dem derzeitigen Umbau erinnern. Einiges konnte bereits umgesetzt werden: 2019 entstand mit dem ersten von drei Bauabschnitten der Studioclub: darin findet sich eine kleine Leinwand, bestuhlt für 60 Personen und auch eine Bar ist enthalten. Der Kino-Geschäftsführer erklärt: "Mit dem Studioclub steht man in dem Bereich, was früher mal Gasthalterei war, heißt, man hatte die Möglichkeit, hier zu übernachten. Oben waren drei Übernachtungsräume, und unten war eine Gaststube und eine Kaffeebrennerei. Das ist alles in den originalen Maßen wiederhergestellt."

Vision vom Filmkunsthaus

Bisher stehen nur die Mauern – doch die sollen weiter ausgebaut werden, als Foyer, Küche, Kiosk und Toiletten. Ein Treppenhaus mit Bildergalerie führt dann in die avisierte Studiobühne. Dort soll ein Flügel Platz finden, denn die Vision ist, ein echtes Filmkunsthaus zu schaffen.

Das Schöne an dem Gebäude sei, dass die Anmutung der Säle sehr unterschiedlich ist, sagt  Salender. "Wir haben einmal einen Ballsaal, der jetzt ein Kinosaal ist. Wir haben einmal einen Studioclub, sehr urban wie eine Schankstube. Und wir haben oben die Studiobühne, die […] ein sehr freier Raum ist, der auch nicht bestuhlt ist, in dem man alles machen kann. Also unterschiedliche Möglichkeiten, Genre zum Strahlen zu bringen."

Zudem gibt es einen großen Hof, in dem bereits eine Leinwand installiert wurde. Denn sobald man wieder öffnen darf, soll es trotz Umbaus weitergehen: Man braucht die Einnahmen und natürlich auch die Spenden, und die flossen zahlreich. Das Crowdfunding brachte 30.000 Euro, die man dringend braucht, um die Gelder von Stadt, Land und Bund gegenzufinanzieren.

Salender: Kino muss sich neu erfinden

Aber es signalisiere auch ein Mut machendes Bild in der Krise, sagt Salender. Gerade vor dem Hintergrund, dass sich mit zunehmenden Streaming-Angeboten die Situation der Kinos verändern werde. "Ich glaube, es wird so sein, dass ein Mehr an Diskussionen, ein Mehr an Angebot, an Gastronomie dazu gehören wird, um als öffentlicher Raum weiterhin so attraktiv zu bleiben, dass Leute kommen. Das heißt, der Raum oder das Kino wird sich als sozialer Ort neu erfinden müssen", so Geschäftsführer Salender. Und da hat das Studiokino dann hoffentlich einen Vorteil: statt Multiplex-Zweckbau ein historisches Filmkunsthaus als sozialer Raum mit Charakter.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR - Das Radio | 17. März 2021 | 07:40 Uhr

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